Gegen Gewalt an Schulen: NRW testet Konzept
Aktuelle Stunde . 23.09.2025. 37:42 Min.. UT. Verfügbar bis 23.09.2027. WDR. Von Sebastian Auer.
Gegen Gewalt an NRW-Schulen: Dieses Konzept testen Polizei und Schulen
Stand:
Die NRW-Landesregierung testet an 20 Schulen ein neues Konzept gegen Gewalt - zwischen Schülern aber auch gegen Lehrer.
Von Jan-Hendrik Raffler, Rainer Striewski und Lars Faulenbach
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Zu den Kommentaren [19]In NRW sollen Polizisten versuchsweise auf Schulhöfe gehen, um Gewalt vorzubeugen. Innenminister Herbert Reul und Schulministerin Dorothee Feller (beide CDU) haben in Düsseldorf ein neues Präventionskonzept gegen Gewalt an Schulen vorgestellt.
Ziel sei es, Gewalt vorzubeugen, Lehrkräfte zu stärken und die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Polizei auszubauen, teilten das nordrhein-westfälische Schul- und Innenministerium mit.
Konkret gehe es um eine Kooperation zwischen der Polizei und den Schulen, so Feller im Interview mit dem WDR. Das Projekt habe drei Säulen. Erstens sollten Lehrkräfte durch Deeskalationsstrategien gestärkt werden. Zweite Säule sei eine gemeinsame Unterrichtseinheit eines Polizeibeamten und einer Lehrkraft in siebten Klassen, sagte Feller mit Blick darauf, dass die Strafmündigkeit ab einem Alter von 14 Jahren beginnt. Geplant seien in den Klassen etwa Rollenspiele zum Umgang mit Gewalt.
Polizisten auf Schulhöfen
Außerdem sollten die Polizisten als dritte Säule auch auf Schulhöfe gehen, sofern die Schulen das wollten, und mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommen. Durch ihre Anwesenheit sollten die Polizeikräfte Vertrauen aufbauen und könnten vielleicht auf dem Schulhof "ein Stück weit deeskalierend wirken", sagte Feller. Man beobachte, dass die Gewalt in der Gesellschaft zunehme.
"Schule ist immer ein Spiegelbild der Gesellschaft." NRW-Schulministerin Dorothee Feller
"Wir sehen bei der Kinder- und Jugendkriminalität Entwicklungen, die uns besorgen. Immer mehr junge Menschen neigen zu Gewalt", erklärte Innenminister Reul bei der Vorstellung. "Wir müssen frühzeitig ansetzen, um Schülerinnen und Schülern zu zeigen, wie sie Konflikte gewaltfrei lösen können. Nur so erreichen wir die nötige Wende in der Kinder- und Jugendkriminalität."
Gesamtschule in Bochum hat bereits Erfahrungen
Eine der Schulen, an denen das Konzept getestet werden soll, ist die Gesamtschule Bochum-Mitte. Schuldirektor Volker Neuhoff freut sich, dass seine Schule dafür angefragt wurde: "Wir haben relativ häufig Probleme mit Gewalt unter den Schülern. Das sind Schlägereien und dann haben wir noch so eine beengte Schulhofsituation, da führt dann das eine zum anderen."
Die Schule versucht schon jetzt, auf vielfältigen Wegen gegen die Gewalt auf dem Schulhof vorzugehen. Sollte es Vorfälle geben, werden gegen die Täter Ordnungsmaßnahmen verhängt. Seit dem Schuljahr 2023/24 gibt es gemeinsame Verhaltensregeln, die helfen sollen, Konflikte zu vermeiden und auch die Polizei ist regelmäßig an der Schule, so Neuhoff: "Unsere Bezirksbeamtin ist mindestens einmal in der Woche bei uns, um mit den Kindern ein Gespräch zu führen, um mit uns zu reden."
Schülerinnen zuversichtlich, dass Polizisten helfen können
Polizeibeamte auf dem Schulhof wären deswegen kein Neuland an der Gesamtschule Bochum-Mitte. Und Polizeibeamte waren in der Vergangenheit auch schon im Unterricht. Vor allem die dritte Säule des neuen Präventionskonzepts weckt das Interesse von Schulleiter Volker Neuhoff: "Ich freue mich auf das Deeskalationstraining, weil das unseren Werkzeugkoffer weiter füllt. Dann sind wir breiter aufgestellt und können Dinge im Vorfeld verhindern."
Fatiha (links) und Natalja finden das Konzept gut
Natalja geht in die neunte Klasse, auch sie findet, dass Gewalt an ihrer Schule ein Problem ist: "weil es sehr viel Stress gibt und die beleidigen sich. Die Polizei war ja auch letztens hier, weil sich ein Vater und sein Sohn geschlagen haben und ich habe gestern noch eine Schlägerei mitbekommen."
Mitschülerin Fatiha aus der zehnten Klasse glaubt dass es helfen könnten, wenn hin und wieder Polizisten vorbeikommen: "Vor allem in der Mittagspause, da eskaliert es halt schlimmer. Die Polizisten haben mehr Macht als die Lehrer und vor denen haben vielleicht manche mehr Angst."
Messerangriff an Schule in Essen sorgte für Entsetzen
Hintergrund der Maßnahmen ist auch der Fall Anfang September aus Essen, wo eine Lehrerin mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt worden war. Der mutmaßliche Täter - ein 17 Jahre alter Kosovare - wurde später gefasst. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.
Das neue Präventionskonzept wird laut Schulministerin Feller zunächst als Pilotprojekt an 20 Schulen in NRW getestet. Dann werde entschieden, ob es nachgebessert oder einfach eingeführt werde. Feller wies die Kritik zurück, dass Schulen durch Polizei künftig kontrolliert werden sollten.
"Das ist keine Kontrollfunktion, sondern es geht hier wirklich um Prävention." NRW-Schulministerin Dorothee Feller
Lehrer: "Schritt in die richtige Richtung"
Die Lehrergewerkschaft "lehrer nrw" begrüßt das Konzept als "Schritt in die richtige Richtung". Es zeige, dass die Landesregierung das Thema erst nehme. Landesvorsitzender Sven Christoffer betont aber auch: "Es ist traurig, dass es in NRW so weit kommen musste, dass Polizeipräsenz zur Gewaltprävention an Schulen dient." Aber es sei notwendig. Entscheidend sei nun, nicht nachzulassen. Christoffer fordert weiter ein landeseinheitliches, niedrigschwelliges Meldeverfahren. "Prävention ist enorm wichtig, aber wir brauchen auch klare Hilfsstrukturen bei erfahrener Gewalt."
SPD-Opposition begrüßt Initiative
Unterstützung für das Modellprojekt kommt auch von der SPD-Opposition im Düsseldorfer Landtag. Es könne "auf fruchtbaren Boden fallen", meint Fraktionschef Jochen Ott. "Wir unterstützen jede Initiative, die dazu beiträgt, die zunehmende Gewalt an unseren Schulen konsequent zurückzudrängen", erklärte Ott. Wichtig sei aber auch, "konsequent gegen die Ursachen der zunehmenden Gewalt an den Schulen vorzugehen."
Jochen Ott fordert mehr Rückendeckung für Lehrkräfte
Im Schulalltag gebe es dafür aber zu wenig Raum, so Ott. "Schulsozialarbeit ist immer noch ein Randthema und wird zu sehr auf die leichte Schulter genommen." Dazu fordert er mehr Rückendeckung für Lehrkräfte und Schulleitungen bei disziplinarischen und pädagogischen Maßnahmen gegen Gewalt.
FDP für Ende der "Ausprobiererei"
"Dieses Projekt ist viel zu wenig", kritisiert hingegen Franziska Müller-Rech, schulpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion. "Schwarz-Grün hangelt sich von Pilotprojektchen zu Pilotprojektchen, anstatt endlich wirklich ins Handeln zu kommen und eine Schulpolitik mit einem klaren Plan zu verfolgen." Die schwarz-grüne Landesregierung müsse aus ihrer "Ausprobiererei" herauskommen, so die FDP-Politikerin.
Dabei fordert sie - wie die SPD - mehr Schulsozialarbeit und eine personelle Stärkung der Jugendhilfe. "Zudem brauchen wir endlich präzisere gesetzliche Vorgaben zu Waffenverboten, die auch konsequent kontrolliert werden - Messer und sonstige Waffen haben in Schulen nichts verloren."
Unsere Quellen:
- WDR 2-Interview mit NRW-Schulministerin Dorothee Feller
- Pressemitteilung der Landesregierung
- Nachrichtenagentur DPA
- Jochen Ott in einer Mitteilung der SPD-Fraktion
- Franziska Müller-Rech in einer Mitteilung der FDP-Fraktion
- Sven Christoffer in einer Mitteilung von "lehrer nrw"
Über dieses Thema haben wir am 23. September 2025 auch im WDR Hörfunk berichtet: WDR 2, ab 6.20 Uhr.
19 Kommentare
Kommentar 19: Anonym schreibt am 25.09.2025, 09:10 Uhr :
Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)
Kommentar 18: 25.09.2025, 02:32 Uhr :
Name und Kommentar wg. Netiquette-Verstoßes gesperrt. (die Redaktion)
Kommentar 17: Anonym schreibt am 25.09.2025, 01:12 Uhr :
Wo sind die Kommentare , Ihr grünen WDR-Klatschhasen ?
Kommentar 16: Mich@ schreibt am 24.09.2025, 17:17 Uhr :
Wo ist mein Kommentar? ……war mein Kommentar zu kritisch? An der Nettikette kann es ja nicht gelegen haben
Kommentar 15: Anonym schreibt am 24.09.2025, 16:49 Uhr :
Wir brauchen zur Lösung der Malaise endlich ein konsequent praktiziertes Laberverbot,daily rund um die Uhr mit Strafandrohung bei der grünen Talk-showlaber Queen Katrin Göring Eckhardt -ich freu mich drauf ! in allen TVLabertalks von L. Kamlot.Maischberger,Illner &Co. Das habe ich hier schon mehrmals geschrieben und das bekräftige ich hiermit noch einmal. Dann wird Alles wieder gut .
Kommentar 14: Laubchen schreibt am 24.09.2025, 16:13 Uhr :
Polizeipräsenz an Schulen! Es sollte definitiv eine Präsenz an den Schulen, vor allen an Gesamtschulen und Schulen mit hohem Migrationsanteil, stattfinden!! Weil nur so könnte man da Ruhe reinbringen, weil, die / den meisten Eltern dieser Schüler interessiert das offenbar nicht!!?
Kommentar 13: Anonym schreibt am 24.09.2025, 16:05 Uhr :
Gäbe es keine gewaltbereiten Schüler, bräuchte es keine Polizisten an den Schulen. Inkonsequentes Handeln der Politik ist unser Hauptproblem.
Kommentar 12: Boris schreibt am 24.09.2025, 14:06 Uhr :
Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)
Kommentar 11: Mich@ schreibt am 24.09.2025, 13:57 Uhr :
Herzlichen Glückwunsch zur Auswahl des Titelfotos für diesen Beitrag. Er suggeriert genau das von dem der „besorgte Bürger“ glaubt das dies die alltägliche Realität an deutschen Schulen sei. Als Schulsozialarbeiter mit Jahrzehnte langer Erfahrung kann ich da nur entsetz staunen. Ja es gibt Gewalt an jeder Schule, wie immer schon. Ja es gibt Handlungsbedarf und es findet viel statt um dem entgegenzuwirken, aber eines sollten wir nicht vergessen Jugend ist der Seismograph der Gesellschaft! Das sollten vor allem die sich merken die so gerne das „ Vorbild“ bemühen. Letztendlich räume ich dem vorgestellten Projekt eine gute Chance ein wenn es differenziert und engagiert durchgeführt wird.
Kommentar 10: Horst (1960) schreibt am 24.09.2025, 13:12 Uhr :
Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)
Kommentar 9: Rudolf Müller schreibt am 24.09.2025, 12:45 Uhr :
Wer als Kind schon Aggressiv oder Kriminell ist bekommt man so nicht in Zaum gehalten.Strafalter herunter setzen,und wirkungsvolle Strafen verhängen.Und bei nicht Strafmündigen Kindern die Eltern in die Pflicht nehmen,bei Migranten im Zweifel bis zur Abschiebung