Radsport in Zeiten von E-Bikes und Co.: Wie groß ist der Trend in NRW?

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In Essen ist am Mittwoch die Deutschland Tour gestartet. Über Herford, Arnsberg und Kassel geht's bis nach Magdeburg. Mit dabei: viele nationale und internationale Stars aus dem Radsport. Doch wie steht’s um den Radsport in NRW?

Wenn jetzt die Profis der Deutschland Tour durch Nordrhein-Westfalen fahren, richtet sich der Blick auf eine Sportart, die längst mehr ist als ein Nischenhobby. Radsport hat im Westen eine lange Tradition und erlebt trotz oder gerade wegen Elektrofahrrädern eine rasante Entwicklung.

Stefan Rosiejak

Stefan Rosiejak

"Das Fahrradfahren und die Betätigung auf dem Fahrrad erleben einen Riesenboom", sagt Stefan Rosiejak. Er muss es wissen, schließlich ist er seit vielen Jahren Geschäftsführer des Radsportverbands NRW und internationaler Schiedsrichter für den Weltradsportverband UCI.

Dabei gibt es einen gewichtigen Unterschied zwischen denen, die ein Fahrrad haben und nur ab und an mal durchs Dorf radeln und denen, die Radsport professionell betreiben. Die, die "nur mal so" Fahrrad fahren, sind meist nicht in einem Verein organisiert.

26.000 Mitglieder im Radsportverband NRW

Die anderen, mehr als 26.000 in NRW, gehören einem Verein an - nur Bayern hat mehr. Damit stellen sie ein Fünftel aller Mitglieder im German Cycling, dem Dachverband des organisierten Radsports in Deutschland.

Diese 26.000 betreiben aber nicht nur Rennradsport, sondern fahren beispielsweise auch BMX oder spielen Radball. Vor allem im Bahnradsport ist NRW sehr erfolgreich.

Radsportler Phil Bauhaus aus Bocholt

Radsportler Phil Bauhaus aus Bocholt

"Im Straßenradsport haben wir aber in den letzten Jahren bundesweit die meisten Talente hervorgebracht", sagt Stefan Rosiejak. Beispiele dafür seien Sprinter Phil Bauhaus aus Bocholt, der auch bei der Deutschland Tour startet, oder Tim Torn Teutenberg aus Mettmann.

Zehntausende Zuschauer in Hürth, Neuss oder Bocholt

Ein weiterer Anhaltspunkt für den Boom sind stets die Straßenrennen, die in der Sommersaison stattfinden. Bei Rennen in Hürth, Köln, Neuss oder Bocholt sind seit mehreren Jahren immer wieder zehntausende Menschen und Aktive auf und an der Strecke. Ähnliche Bilder sind bei der Deutschland Tour zu erwarten.

Für das Jedermann-Rennen beim traditionellen Münsterland Giro am 3. Oktober gibt es bereits mehr als 7.000 Anmeldungen – schon jetzt Rekord. Die Mitteldistanz ist bereits ausgebucht. Auf der Kurz- und Langstrecke geht noch was. Gesamtleiter Rainer Bergmann geht davon aus, "dass wir auch hier in den nächsten Tagen ausgebucht sein werden".

Probleme nach der Loveparade

Stefan Rosiejak sagt jedoch, dass es schwieriger geworden sei, diese lokalen Radsport-Veranstaltungen zu organisieren. Denn: "Es gibt eine Zeit vor und nach Duisburg". Also die Loveparade 2010, als 21 Menschen starben.

Die Genehmigungsverfahren seien komplizierter, die Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden. "Für kleine lokale Vereine wird es immer schwieriger, die auch umzusetzen", klagt Rosiejak.

Trotzdem: Radfahren boomt und ist eine der beliebtesten Trendsportarten. Das sieht man allein daran, dass es mehr Fahrräder als Einwohner in Deutschland gibt: 2024 waren es 88,7 Millionen Fahrräder.

Der Anteil an E-Bikes (15,7 Millionen) ist dabei nicht wegzudiskutieren. Für Stefan Rosiejak ist das aber auch eine Chance. "E-Bikes hat Leute dazu bewegt, aufs Fahrrad zu steigen, denen es früher zu anstrengend war oder die sich zu alt fühlten. E-Bikes sind ein großer Bestandteil zur modernen Gesunderhaltung und Aufrechterhaltung der Fitness."

Auch die Tour de France 2017 habe zum Boom beigetragen, sagt Stefan Rosiejak. Damals hatte die Rundfahrt in Düsseldorf begonnen, auch hier waren zehntausende Zuschauer an der Strecke.

Hinzu kämen neue Radschnellwege, die im Westen gebaut wurden oder werden. "Ich wohne in Herten-Westerholt und bei mir gibt es eine alte Bahntrasse, die gerade als Radweg umgebaut worden ist. Besser geht’s nicht."

NRW will Fahrradland Nummer 1 werden

NRW hat seit 2022 ein eigenes Fahrradgesetz und möchte Fahrradland Nummer eins werden. Der Fahrradklimatest 2024 des ADFC zeigt jedoch, dass dieses Ziel noch lange nicht erreicht ist.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bemängelten zu schmale Radwege, schlechte Ampelschaltungen und Falschparker auf Radwegen. Und sie finden, dass sie das Fahrrad nicht gut in Bus oder Bahn mitnehmen können.

Positiv bewerten sie hingegen, dass die Innenstädte gut mit dem Rad erreichbar seien und viele Einbahnstraßen für Fahrräder in die Gegenrichtung geöffnet wurden.

Und doch: Spätestens wenn die Profis der Deutschland-Tour durchs Land rollen, zeigt sich: Radsport in NRW ist mehr als ein Trend.

Radsport in Zeiten von E-Bikes und Co.: Wie groß ist der Trend in NRW?

WDR Studios NRW 20.08.2025 04:15 Min. Verfügbar bis 20.08.2027 WDR Online


Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Stefan Rosiejak
  • Zweirad-Industrie-Verband
  • Pressemitteilung Münsterland Giro
  • Umweltministerium NRW

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