Polizei Gewerkschaft schlägt Alarm: Wachen schlecht ausgestattet Aktuelle Stunde 12.08.2025 38:24 Min. UT Verfügbar bis 12.08.2027 WDR Von Martina Koch

Gegen Ratten und Schimmel: Eine Milliarde für NRW-Polizeidienststellen

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Bundesweit sind viele Polizeidienststellen marode - sagt die Gewerkschaft der Polizei. Wie schlimm ist es in NRW?

"Jahrzehntealte Toilettenbecken, Schimmel in den Dienststellen, Ungeziefer, kaputte Heizungen und Löcher in den Dächern, durch die es regnet." Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) klagt über Hunderte marode Polizeidienststellen in Deutschland. "Es ist teilweise gesundheitsgefährdend, was man unseren Leuten dort zumutet", wird Hagen Husgen, Mitglied des GdP-Bundesvorstands, von der Dienstagsausgabe des "Münchner Merkur" zitiert.

Für die Polizeidienststellen an Rhein und Ruhr gibt es allerdings eine leichte Entwarnung von der Gewerkschaft: "Die Lage in NRW ist nicht so dramatisch wie in anderen Bundesländern", sagte der GdP-Landesvorsitzende Patrick Schlüter am Dienstag dem WDR. Das liege an den Investitionen, die das Land getätigt habe.

Trotz Milliarden-Investition fehlt noch Geld

GdP-Landesvorsitzender Patrick Schlüter | Bildquelle: GdP NRW / dpa

"Zwischen 2017 und 2023 wurden in NRW 2,4 Milliarden Euro für die Ertüchtigung und den Neubau von polizeilichen Liegenschaften ausgegeben", sagte Schlüter. Dann habe es 2024 aber eine "Vollbremsung" gegeben: "Es waren keine Mittel mehr im Haushalt dafür vorgesehen." Erst in diesem Jahr seien 100 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt worden.

Aus Sicht der GdP NRW gibt es aber auch weiterhin einen deutlichen Investitionsbedarf. Viele der rund 850 polizeilichen Liegenschaften seien Ende der 1970er- und im Verlauf der 1980er-Jahre gebaut worden. Da gebe es noch eine Menge zu tun. Nach Angaben des NRW-Innenministeriums gibt es rund 1.100 Liegenschaften, die von der Polizei genutzt werden, darunter auch Anmietungen.

DPolG-Landesvorsitzender Erich Retting | Bildquelle: Deutsche Polizeigewerkschaft Landesverband Nordrhein-Westfalen

Eines der älteren Häuser stehe in Duisburg, sagte der NRW-Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Erich Rettinghaus am Dienstag dem WDR. Es sei zwar ein neues Gebäude geplant: "Aber das liegt auf Eis, weil der Haushalt nicht hergibt."

NRW-Innenminister Reul sagt mehr Geld zu

NRW-Innenminister Herbert Reul | Bildquelle: Federico Gambarini / dpa

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat am Dienstag im WDR angekündigt, er wolle wieder mehr in die Sanierung maroder Polizeigebäude oder Neubauten investieren. Er gehe dabei von einer Milliarden Euro aus. In den vergangenen beiden Jahren hatte es kaum Geld dafür gegeben.

Die Gewerkschaft der Polizei sieht in NRW zwar Fortschritte bei der Ausstattung der Polizei, fordert aber noch deutlich höhere Investitionen vom Land. "Wir brauchen noch eine hohe einstellige Milliardensumme", sagte der Landesvorsitzende Schlüter dem WDR.

Ratten in der Toilette, Abwasser im Wachraum

Mehr Geld ist offenbar auch notwendig. Als "absolutes Negativbeispiel" für eine marode Dienststelle in NRW nannte der GdP-Landesvorsitzende Schlüter die Polizeidienstelle in Wuppertal. Der WDR berichtete Ende März über die Angst von Beamten "vor Schimmelbefall, vor Legionellenbefall, vor Asbestbefall". Konkret habe sich am katastrophalen Zustand noch nichts geändert, sagte der GdP-Landesvorsitzende am Dienstag. Im Hintergrund tue sich aber etwas.

Ebenfalls untragbar seien die Zustände im Hauptdienstgebäude der Polizei in Paderborn. Dort gebe es Wasser im Keller und teilweise kämen Ratten aus den Toiletten heraus. Aus der Polizeiwache in Kempen im Kreis Viersen sei zu hören, dass wegen geplatzter und verstopfter Rohre "das Abwasser jetzt durch die Decke im Wachraum" komme. Auch seien die Schließanlage und Türen defekt.

Auch viele Positivbeispiele

Als positives Beispiel nannte der DPolG-Landesvorsitzende Rettinghaus den Kreis Mettmann: "Dort sind in den vergangenen Jahren fast alle Dienststellen erneuert worden." Auch Düsseldorf verfüge über ein neues Präsidium. Ebenfalls auf dem neuesten Stand sei man im Rhein-Erft-Kreis, ergänzte der GdP-Landesvorsitzende Schlüter. "Dort sind fast alle Liegenschaften ertüchtigt oder erneuert worden." Auch die Wachen in Espelkamp, Versmold und Ibbenbüren seien modernisiert.

Neu oder renoviert sind zum Beispiel zudem die Wachen in der Bonner Innenstadt, in Bad Godesberg, in Meckenheim und in Rheinbach.

Erich Rettinghaus von der Deutschen Polizeigewerkschaft wies daraufhin, dass in NRW nicht alle Bauten unzumutbar seien: "Manchmal könnten zwar die sanitären Anlage besser sein." Aber man müsse auch realistisch sein. Nicht alles was wünschenswert sei, sei auch finanzierbar.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • WDR-Interview mit NRW-Innenminister Herbert Reul
  • WDR-Gespräch mit dem GdP-Landesvorsitzenden Patrick Schlüter
  • WDR-Gespräch mit dem DPolG-Landesvorsitzenden Erich Rettinghaus

Über dieses Thema berichten wir am 12.08.2025 auch im WDR Fernsehen: Aktuelle Stunde, 18.45 Uhr.