Rund 25.000 Menschen haben am Samstag nach Polizeiangaben in Gießen gegen die Gründung einer neuen AfD-Jugendorganisation protestiert. Das Aktionsbündnis "Widersetzen" hatte zu Blockaden aufgerufen. Danach kritisierte das Bündnis Polizeigewalt gegen die Blockierer. Von Willkür und Brutalität ist die Rede.
Die Beamten sollen zahlreiche Demonstrierende durch Faustschläge ins Gesicht sowie den Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray verletzt haben, berichtet das Bündnis auf seiner Homepage. Auf Bildern sieht man, wie Beamte bei einer Straßenblockade auf Demonstrierende zurennnen und beim Aufeinandertreffen mit der Gruppe Schlagstöcke benutzen.
Bild-Reporter Ronzheimer im WDR-Interview: "Massiv behindert"
Es gibt aber auch noch eine andere Seite der Geschichte. So sagte der Reporter und stellvertretende Chefredakteur der Bildzeitung, Paul Ronzheimer dem WDR, dass er und sein Team auf der Demonstration "massiv" an ihrer Pressearbeit behindert wurden - und zwar von den Demonstranten. Ronzheimer berichtet in der WDR-Sendung Aktuelle Stunde, dass Demonstranten ihn und sein Kamerateam regelrecht eingekesselt und mit Rufen wie "Nazis raus" beschimpft hätten. Am Ende habe die Polizei das Team in Sicherheit bringen müssen.
Die Polizei habe ihn nach vermehrten Bedrohungen seitens der Demonstrierenden aufgefordert, die Dreharbeiten abzubrechen.
Was ich dort erlebt habe, war wirklich erschreckend - die Aggression und auch das klare Anliegen, dort zu verhindern, dass wir berichten. Paul Ronzheimer
ARD-Reporter haben solche Szenen vor Ort allerdings nicht erlebt, sie berichten von keinen Bedrohungen oder Beschimpfungen.
Zehn Polizisten leicht verletzt
Auch die Polizei berichtet von Angriffen auf Beamte. Sie seien mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen worden, zehn seien leicht verletzt worden. Die Polizei habe zur Räumung auch Wasserwerfer und Pfefferspray eingesetzt, heißt es. Die Gesamtzahl der Einsatzkräfte aus mehreren Bundesländern habe "in der Spitze einen mittleren bis oberen vierstelligen Bereich" erreicht.
Angriff auf Politiker
Am Morgen soll auch ein Bundestagsabgeordneter der AfD angegriffen und verletzt worden sein. Der Tatverdächtige sei festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Die Ermittlungen zu den Hintergründen dauerten an.
Hessens Innenminister kritisiert Gewalt
Der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) verschaffte sich vor Ort einen Eindruck von der Lage und bezeichnete den Einsatz der Polizei als erfolgreich.
"Einsatz für unsere Demokratie ist richtig", sagte er mit Bezug auf die Proteste. "Dieser muss aber auf dem Boden des Rechts, also ohne Gewalt und ohne rechtswidrige Verhinderungsaktionen, erfolgen."
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 30.11.2025, 18:45 Uhr.
Unsere Quellen:
- Interview mit dem Journalisten Paul Ronzheimer in der WDR-Sendung "Aktuelle Stunde" vom 10.11.2025
- Pressemitteilung des Bündnisses "Widersetzen"
- Nachrichtenagentur dpa