WDR-Journalist Philipp Menn zur Abstimmung über das Steuerpaket | WDR aktuell
01:46 Min.. Verfügbar bis 04.12.2027.
Neue Pendlerpauschale: Wer in NRW wie stark profitieren könnte
Stand:
Nachdem Anfang Dezember der Bundestag die Erhöhung der Pendlerpauschale beschlossen hatte, hat nun der Bundesrat das Gesetz verabschiedet. Künftig kann man schon ab dem ersten Kilometer mehr Ausgaben von der Einkommenssteuer absetzen. Unsere Rechenbeispiele zeigen, wie viel das bringt.
Von
Jörn Seidel
Die neue Pendlerpauschale, die der Bundesrat am Freitag in seiner letzten Sitzung des Jahres gebilligt hat, tritt mit dem 1. Januar 2026 in Kraft. Davon profitiert jeder, der seinen Arbeitsweg in der Steuererklärung geltend macht.
Genau genommen geht es also um die Entfernungspauschale. Und die betrifft praktisch jeden - ab dem ersten Kilometer, egal ob man Auto, Bahn, Bus, E-Scooter oder Rad fährt oder einfach zu Fuß zur Arbeit geht. Wer wir stark profitiert und welche Kritik es an der neuen Pendlerpauschale gibt - ein Überblick:
Fragen zur geplanten Pendlerpauschale:
- Wie viel Geld bringt mir die geplante Erhöhung der Pendlerpauschale?
- Wie komme ich an die Pendlerpauschale?
- Wie viel Geld würde dem Staat durch die Erhöhung entgehen?
- Wie viele Menschen in welchen Gegenden nutzen die Pendlerpauschale?
- Welche Argumente sprechen für und gegen eine Erhöhung der Pendlerpauschale?
Wie viel Geld bringt mir die geplante Erhöhung der Pendlerpauschale?
Bisher bekommt man die Pendlerpauschale in zwei Stufen:
- Für Kilometer 1 bis 20 gibt es 30 Cent für jeden Kilometer pro Tag.
- Ab Kilometer 21 gibt es 38 Cent für jeden Kilometer pro Tag.
Ab 1. Januar 2026 soll es nur noch diese Pendlerpauschale geben:
- Ab Kilometer 1 gibt es 38 Cent für jeden Kilometer pro Tag.
Für die Berechnung entscheidend ist die Entfernung zwischen dem Zuhause und der Arbeitsstätte sowie die Anzahl der Tage, an denen man im Jahr zur Arbeit fährt. Bei einem Vollzeitjob mit 220 Arbeitstagen, die man komplett an der Arbeitsstätte verbringt, ergeben sich folgende Rechenbeispiele.
Fazit: Prozentual am meisten würden also Pendlerinnen und Pendler mit einem eher kürzeren Arbeitsweg profitieren. Im Vergleich zur bisherigen Pauschale kann man bei einer Fünf-Tage-Woche maximal Jahr 352 Euro mehr pro Jahr steuerlich geltend machen.
Wie komme ich an die Pendlerpauschale?
Von der Entfernungspauschale bzw. Pendlerpauschale können alle profitieren, wenn ihr Weg von zu Hause bis zur "ersten Tätigkeitsstätte" mindestens einen Kilometer beträgt, wie es im Einkommenssteuergesetz heißt. Dann lässt sich das als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend machen. Das Geld bekommt man dann später erstattet.
Nachweise muss man nur dann erbringen, wenn alle Werbungskosten mehr als 1.230 Euro betragen, so der aktuelle Stand. Maximal beträgt die Pendlerpauschale grundsätzlich 4.500 Euro pro Jahr für alle Bus-, Bahn-, Radfahrer und Fußgänger. Bei Fahrten mit dem eigenen Auto ist das anders: Da gibt es keinen Höchstbetrag.
Wie viel Geld würde dem Staat durch die Erhöhung entgehen?
Erstatten die Finanzämter durch eine höhere Pendlerpauschale mehr von der Einkommenssteuer, gehen dem Staat Einnahmen verloren. Das Geld fehlt dann sowohl dem Bund als auch den Ländern und Gemeinden, die es dann nicht mehr für anderes ausgeben können. Wie hoch die möglichen Verluste sind, lässt sich nicht genau vorhersagen.
Klar ist aber: Es geht womöglich um Milliarden. Schon 2022 berichtete der Bundesrechungshof, dass durch die Pendlerpauschale dem Staat jährlich 5,5 Milliarden Euro entgehen. Eine nicht unbeträchtliche Summe, nimmt man zum Vergleich den Bundeshaushalt des laufenden Jahres in Höhe von 502 Milliarden Euro.
Genau das ist auch einer der Kritikpunkte an der neuen Pendlerpauschale. Länder und Kommunen wollen für die fehlenden Steuereinnahmen eine Entlastung durch den Bund. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) lehnt das aber bislang ab.
Wie viele Menschen in welchen Gegenden nutzen die Pendlerpauschale?
Wie das Statistische Bundesamt im März bekannt gab, nutzten zuletzt 13,8 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Pendlerpauschale. Diese jüngsten Zahlen stammen allerdings aus dem Corona-Jahr 2020, als viele Menschen im Homeoffice gearbeitet hatten. Das habe jedoch "nur wenig Einfluss auf die Zahl derer, die die Pendlerpauschale in ihrer Steuererklärung geltend gemacht haben", so das Bundesamt.
Die meisten Kilometer wurden demnach von Pendlerinnen und Pendlern zurückgelegt, die im Ländlichen leben.
Oft liegen die Arbeitsstätten der Pendlerinnen und Pendler in größeren Städten. So kommt es, dass zum Beispiel in Münster, Bochum und Köln mehr Menschen ein- als auspendeln. Die Größe allein ist aber nicht entscheidend, wie das Beispiel Duisburg zeigt. Dort pendelten 2024 mehr Menschen aus als ein.
Welche Argumente sprechen für und gegen die Pendlerpauschale?
Kritik an der Pendlerpauschale kommt unter anderem vom Umweltbundesamt: Durch das Pendeln würden jährlich 137 Milliarden Kilometer mit dem Pkw zurückgelegt, sagte im April Christine Kornher, Expertin für umweltschädliche Subventionen bei der Bundesbehörde, dem ARD-Hauptstadtstudio. Und weiter:
"Diese Strecken führen natürlich zu hohen Treibhausgasemmissionen in Höhe von circa 30 Millionen Tonnen jährlich." Christine Kornher, Umweltbundesamt
Die Pendlerpauschale sei ein steuerlicher Anreiz für klimaschädliches Verhalten, weil Pendler in der Mehrzahl mit dem Auto zur Arbeit fahren und nicht mit Bus oder Bahn, so Kornher.
Matthias Wohltmann vom Deutschen Landkreistag betonte, dass die Pendlerpauschale ein Instrument der Steuergerechtigkeit sei, wie er dem ARD-Hauptstadtstudio sagte. Hingegen kritisierten Grüne und Linke Anfang Dezember im Bundestag, von der Maßnahme profitierten vor allem Gutverdiener.
Stattdessen hätte man lieber den Grundfreibetrag anheben sollen, bis zu dem man überhaupt keine Einkommensteuer zahlt, argumentierten Grüne und Linke. Dann müssten viele Menschen mit geringen Einkommen überhaupt keine Steuererklärung abgeben.
Die AfD kritisierte, die 38 Cent pro Kilometer seien für Autofahrer nicht ansatzweise kostendeckend - die Pauschale müsse daher auf 50 Cent erhöht werden.
Kritisiert wird auch, dass Menschen mit hohen Mieten in großen Städten keine staatliche Unterstützung bekommen, aber die Pendlerpauschale indirekt mitfinanzieren. Wohltmann entgegnet:
"Was ist denn die Konsequenz? Möchte man, dass alle Berufstätigen in der Stadt wohnen und arbeiten?" Matthias Wohltmann, Deutscher Landkreistag
Würde man das wollen, so Wohltmann weiter, würden sich die Wohnungsprobleme in großen Städten "massiv erhöhen".
Unsere Quellen:
- Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD
- Einkommensteuergesetz (EStG), Paragraf 9 Werbungskosten und § 9a Pauschbeträge für Werbungskosten
- Finanzverwaltung NRW
- Bundesrechnungshof zur Pendlerpauschale
- Christine Kornher, Umweltbundesamt, im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio
- Nachrichtenagentur dpa
- Statistisches Landesamt IT.NRW
- Matthias Wohltmann, Deutscher Landkreistag, im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio
- Statistisches Bundesamt zur Pendlerpauschale
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 04.12.2025, 12:45 Uhr