Für Jules El-Khatib aus Köln ist der Vorstoß aus Paris ein bedeutender Schritt. Der 34-jährige Dozent für Sozialwissenschaften besitzt die deutsche und die israelische Staatsbürgerschaft. "Das ist ein wichtiges und längst überfälliges Signal", sagt er. Hoffnung mache ihm auch, dass sich weitere Länder wie Großbritannien anschließen könnten. El-Khatib sieht in der internationalen Anerkennung Palästinas eine Chance für Bewegung im festgefahrenen Konflikt.
Skepsis gegenüber der Zwei-Staaten-Lösung
Anders sieht es Abdul Kader Chahin. Der 32-jährige Stand-up-Comedian aus Duisburg hält die klassische Zwei-Staaten-Lösung mittlerweile für kaum umsetzbar. Vor allem die Umsiedlung israelischer Siedler hält er für unrealistisch. Stattdessen plädiert er für einen gemeinsamen föderalen Staat, in dem Menschen gleichberechtigt leben: "Seite an Seite, demokratisch und mit den gleichen Rechten."
"Zwei Staaten, zwei Völker"
Der israelische Historiker Moshe Zimmermann hingegen ist überzeugt: Eine Zwei-Staaten-Lösung ist weiterhin der sinnvollste Weg. Der 81-Jährige wurde in Jerusalem geboren, seine Eltern flohen 1938 aus Hamburg nach Palästina. Zimmermann, Träger des Grimme-Preises und langjähriger Professor in Israel und Deutschland, betont: "Jedes der beiden Völker hat das Recht auf einen Nationalstaat." Für ein dauerhaftes Zusammenleben müssten beide Seiten die Rechte nationaler Minderheiten anerkennen - am besten in einer neuen verfassungsrechtlichen Ordnung.
"Ihr seid Palästina"
Murad Abu-Tair aus Aachen: Der 42-jährige Schulsozialarbeiter wurde in Deutschland geboren, seine Eltern kamen in den späten 1960er-Jahren aus Gaza. Abu-Tair sagt: "Ich wüsste nicht, was eine Alternative zu einer Zwei-Staaten-Lösung wäre. Aber: Der Staat Palästina bedeutet für mich nicht die Hamas." Vielmehr gehe es bei der Anerkennung Palästinas um ein starkes Zeichen an die Menschen vor Ort: "Wir sehen euch. Ihr seid Palästina. Nicht die Hamas."
Die Stimmen aus NRW zeigen: Die Diskussion über die Zwei-Staaten-Lösung ist vielstimmig – und persönlich. Trotz unterschiedlicher Einschätzungen bleibt der Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben dabei zentral.
Unsere Quellen:
- WDR-Interviews mit Jules El-Khatib, Abdul Kader Chahin, Moshe Zimmermann und Murad Abu-Tair