Ozonloch wird kleiner: Was ist das eigentlich?
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Die Entdeckung des Ozonlochs 1985 versetzte Menschen weltweit in Angst und Sorge: Das Risiko für Hautkrebs, Erblindung, Ernteausfälle und Hungersnöte könne weltweit steigen, wenn die schützende Ozonschicht in der Erdatmosphäre noch weiter verschwinde, so die Szenarien. Mittlerweile fruchten die Gegenmaßnahmen: Das Ozonloch wird wieder kleiner.
Von
Jörn Seidel
Das Ozonloch sei vor allem deshalb kleiner geworden, weil die Staatengemeinschaft ozonschädigende Stoffe wie FCKW zu großen Teilen aus dem Verkehr gezogen habe, teilte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am Dienstag mit. Jedes Jahr am 16. September ist Weltozontag.
Fragen und Antworten:
Was ist das Ozonloch eigentlich?
Das Ozonloch ist ein Loch in der Ozonschicht. Diese ist ein Teil der Erdatmosphäre. Sie liegt etwa 15 bis 50 Kilometer über unseren Köpfen in der Stratosphäre und schützt uns vor gefährlichen kurzwelligen UV-Strahlen.
Ozon entsteht, indem die Energie des Sonnenlichts den Sauerstoff in seine beiden Sauerstoffatome spaltet. Finden sich dann drei Sauerstoffatome zusammen, entsteht ein Ozonmolekül.
Sonnenlicht ist für das Leben auf der Erde unverzichtbar. Aber es enthält auch energiereiches ultraviolettes (UV-) Licht. "Trifft es ungefiltert auf die Erdoberfläche, kann es das Erbgut von Menschen, Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen schädigen", informiert das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.
Demnach erleiden Menschen und Tiere durch UV-Licht vor allem Schäden an Augen und Haut. "Zudem bremst UV-Strahlung die Photosynthese, den Prozess, in dem Pflanzen CO2 binden und Sauerstoff produzieren." Wie das Sonnenlicht ist also auch die Ozonschicht unverzichtbar.
Das Ozonloch, das 1985 entdeckt und nachgewiesen wurde, befindet sich in der Südpolarregion, also über der Antarktis. Im antarktischen Frühling erreicht es seine größte Ausdehnung. Im vergangenen Jahr war es laut WMO etwa 21 Millionen Quadratkilometern groß und damit kleiner als in den Jahren 2020 bis 2023. Im Rekordjahr 2006 betrug die Ausdehnung 26 Millionen Quadratmeter - so groß wie Russland und die USA zusammen.
Das Ozonloch über der Antarktis am 02.10.2015
Zwar ist das Ozonloch weit weg von Europa. Aber es bewirkt auch Wetteranomalien, die hierzulande zu spüren sind. Darüber hinaus wurde 2020 in der Nordpolarregion über der Arktis ein zweites Ozonloch nachgewiesen. Und der menschgemachte Ozonabbau führte auch weltweit zu einer mehr oder minder ausgeprägten Erhöhung des UV-B-Anteils, informiert das Bundesamt für Strahlenschutz.
Was war da los in den 80ern, als das Ozonloch entdeckt wurde?
1985 entdeckten britische Polarforscher das Ozonloch über der Antarktis. "Das Schicksal der Erde schien besiegelt: Künftig würde die harte UV-Strahlung ungefiltert auf Pflanzen und Tiere niederprasseln und damit auch die Nahrungsgrundlage der Menschen zerstören. Und die Hautkrebsrate würde ungekannte Höhen erreichen", schreibt die Max-Planck-Gesellschaft im Rückblick.
Die Nachricht vom immer größer werdenden Loch in der Ozonschicht wühlte die Menschen weltweit auf. Wie auch das Waldsterben, die Atomangst und die Aufrüstung war das Ozonloch eines der großen Themen im Deutschland der 80er-Jahre.
Schafzüchter in Südamerika berichteten damals von erblindeten Tieren. Bei Fischen wurde der Effekt ebenfalls beobachtet. Auch in Deutschland wuchs die Sorge vor Augenschäden - UV-Licht kann zum Beispiel Grauen Star befördern. Aus Angst vor Hautkrebs ließen manche Eltern damals ihre Kinder nur noch eingeschränkt auf Spielplätze oder an den Strand.
Für die Forscher war die Ursache klar: Das Ozonloch und die schwindende Ozonschicht wurden vor allem von Menschen verursacht - insbesondere durch die Verwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW). Diese wurden zum Beispiel in Kühlschränken, Klimaanlagen, Haarsprays und Matratzen genutzt.
Aufnahme von 1985: Eine junge Frau sprüht sich Haarspray auf ihre Frisur. Viele Haarsprays enthielten damals ozonschädigendes FCKW.
Wie wurde das FCKW aus Kühlschränken, Haarsprays und anderen Produkten verbannt?
Aus Sorge wegen des Ozonloch und den damit verbundenen Gefahren für die Menschheit hat sich die Staatengemeinschaft zusammengerauft. Schon 1985 ist ein UN-Übereinkommen zum Schutz der Ozonschicht in Kraft getreten.
Zwei Jahre später, 1987, unterzeichneten 24 Staaten und die Europäische Gemeinschaft das Montrealer Protokoll. Damit wurden FCKW schrittweise verboten.
Mit dem Beschluss von Kigali wurde 2016 dann auch ein Verbot von bestimmten Fluorkohlenwasserstoffen (FKW) durchgesetzt. Diese hatte man lange Zeit als FCKW-Ersatz für Kühlmittel verwendet.
Wie steht es heute um die Ozonschicht und das Ozonloch?
Durch die Bestimmungen des Montrealer Protokolls wurden nach WMO-Angaben bis heute mehr als 99 Prozent der kontrollierten, ozonschädigenden Stoffe wie FCKW aus dem Verkehr gezogen.
"Infolgedessen wird sich die Ozonschicht bis Mitte dieses Jahrhunderts voraussichtlich wieder auf das Niveau der 1980er Jahre erholen", berichtete die WMO. Nach einer Analyse aus dem Jahr 2022 dürfte die vollständige Erholung über der Arktis 2045 erreicht sein, über der Antarktis im Jahr 2066.
Auch das Klima profitiert davon: "Weil FCKW und andere halogenierte Stoffe auch sehr wirksame Treibhausgase sind, die das Klima bis zu 14.000-fach stärker aufheizen als Kohlendioxid (CO2), hat das Montrealer Protokoll neben dem Schutz der Ozonschicht auch zum Klimaschutz beigetragen", teilt das Umweltbundesamt mit.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betrachtet das schwindende Ozonloch als Ansporn: Die Geschichte der Menschheit zeige, dass die Fähigkeit zum Bessermachen vorhanden sei, sagte sie im April: "Das Ozonloch hat sich fast vollständig geschlossen - weil wir etwas getan haben."
Unsere Quellen:
- GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
- Max-Planck-Gesellschaft
- Umweltbundesamts zum Montrealer Protokoll
- Bundesamts für Strahlenschutz zum Einfluss des Ozonabbaus auf die UV-Belastung
- Weltorganisation für Meteorologie (WMO)