"Buy now, pay later": Strengere Regeln für Kleinkredite

Aktuelle Stunde 17.04.2026 22:06 Min. Verfügbar bis 17.04.2028 WDR Von Philipp Brandstädter

Buy now, pay later: Wenn Online-Shopping auf Kredit zu Schulden führt

Stand:

BNPL - Buy now, pay later. Wer seine Bestellungen im Internet erst später zahlt, verliert laut einer Studie immer häufiger den Überblick über seine Rechnungen. Eine neue EU-Richtlinie soll helfen, Verbraucher besser vor einer drohenden Schuldenfalle zu schützen.

Von Stefan Haase

Im Bundestag ging es am Freitag um sogenannte Verbraucherkreditverträge. Hinter dem sperrigen Wort verbergen sich Kleinkredite bis 200 Euro, zins- und gebührenfreie Kredite und Kredite mit einer Laufzeit bis zu drei Monaten. Aber auch sogenannte "Buy now, pay later"-Modelle, wie sie Paypal oder Klarna anbieten, fallen unter diese Kategorie.

Der Bundestag beschloss heute die Umsetzung der EU-Richtlinie, mit der für diese Modelle ab dem 20. November die gleichen Regeln gelten wie für "normale" Kredite. Also dass die Kreditgeber beispielsweise prüfen müssen, ob der Verbraucher überhaupt kreditwürdig ist, und klar ausweisen müssen, welche Kosten bei Nichtbezahlen der Raten auf ihn zukommen. Außerdem soll die Werbung dafür reglementiert werden.

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) nennt die EU-Richtlinie gegenüber der Nachrichtenagentur dpa "eines der größten verbraucherpolitischen Gesetzgebungsvorhaben der letzten Jahre", welches Millionen Europäer betrifft.

Später zahlen: Jeder Siebte verliert Überblick über Rechnungen

Mit der neuen EU-Richtlinie sollen Verbraucher besser davor geschützt werden, in eine Schuldenfalle zu tappen. Das passiert in Deutschland immer häufiger, wie unter anderem die Schufa berichtet. Laut Umfragen der Wirtschaftsauskunftei hat jeder Dritte, der so einen Kredit abgeschlossen hat, schon mal eine Rate verpasst - bei jüngeren sogar jeder Zweite.

Neue Regeln für "buy now, pay later"

WDR 17.04.2026 01:00 Min. Verfügbar bis 16.04.2028 WDR Online


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Das hängt auch damit zusammen, dass Menschen, die sich etwas "auf Pump" kaufen, auch mal vergessen, die Kosten zu begleichen. Laut einer repräsentativen Umfrage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verliert jeder Siebte beim späteren Bezahlen schon mal den Überblick über seine Rechnungen.

20 Prozent nutzen Buy now, pay later

"BNPL" - Buy now, pay later: Jeder Fünfte zwischen 18 und 60 Jahren bezahlt laut der Umfrage inzwischen seinen Online-Einkauf nicht direkt, sondern schiebt seine Zahlung auf. Vor allem die Unter-30-Jährigen verlieren dabei oft die Übersicht über ihre Rechnungen. Jeder Vierte in dieser Altersklasse gab an, nicht genau zu wissen, wann er welche Rechnung bezahlen muss.

Bequemlichkeit als Hauptgrund

Die Hälfte der Befragten gab an, ihre Rechnungen erst später zu zahlen, weil es für sie die bequemste Variante ist. Viele, die ihre Kleidung online shoppen, wollen sie erst anprobieren, bevor sie die Ware bezahlen.

Auch die Sicherheit dieser Bezahlmethode steht für viele hoch im Kurs. Was allerdings auch auffällt: Gut jeder Sechste nutzte den Rechnungs- oder Ratenkauf, obwohl er zum Zeitpunkt der Onlinebestellung noch gar nicht das nötige Geld auf dem Konto hatte.

Schulden und Mahngebühren

Den meisten, die ihre Rechnung erst später bezahlen, geht es finanziell gut. Allerdings gab rund ein Viertel der Befragten an, mindestens einmal eine Mahngebühr gezahlt zu haben, weil sie eine Rechnung oder eine Rate zu spät gezahlt hatten. Zwölf Prozent hatten zum Zeitpunkt der Befragung sogar offene Schulden von mehr als 500 Euro.

Jeder Siebte hatte nach eigener Einschätzung aufgrund der Vielzahl der Online-Einkäufe schon einmal den Überblick über offene Rechnungen und Raten verloren, bei den Unter-30-Jährigen gab das knapp jeder Vierte an.

"Impulskäufe" sind eine wichtige Ursache für Verschuldung

Auch in NRW steigt die Zahl der Fälle von Verschuldungen durch BNPL. Die Schuldnerberatung der Verbraucherzentrale NRW sieht vor allem bei Jüngeren, dass sie oft viele kleinere Sachen im Internet bestellen und dabei die BNPL-Option auswählen. Dann verlieren sie bei den Käufen irgendwann den Überblick und verpassen Zahlungsfristen.

Vor allem das Phänomen, dass Geld bei jüngeren Menschen immer mehr zur abstrakten Sache wird, fördere "Impulskäufe" im Internet. Wenn Geld nur noch eine Zahl im Bankkonto auf einem Smartphone sei, gehe der Bezug dazu immer weiter verloren, so die Verbraucherzentrale.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 17.04.2026, 12.45 Uhr
Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 17.04.2026, 9 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 17.04.2026, 18.45 Uhr

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