Eisläuferpaar HASE Minerva Fabienne / VOLODIN Nikita

Olympisches Gold: Motivation, selber aktiv zu werden?

Stand:

Die Liveübertragung der Olympischen Spiele fasziniert viele Menschen. Ein Ansporn, selber sportlich zu werden, ist das aber nicht.

Von Nina Magoley

Goldmedaillen, Jubelfeiern, Tränen der Enttäuschung: Seit gut zehn Tagen sind viele Menschen wieder im Olympiafieber. Das Fernsehen überträgt live, zeitweise verschiebt das Erste sogar die Tagesschau für einen wichtigen Wettkampf.

Sportliche Großereignisse wie die Olympischen Spiele faszinieren regelmäßig ein Millionenpublikum. Laien fiebern genauso mit den Athleten wie viele Profisportlerinnen und -sportler. Aber: Hat das irgendwelche Auswirkungen auf die persönliche Sportbegeisterung? Führt Olympia-Gucken dazu, dass Menschen sich im Fitnesstudio anmelden oder Leistungssportler sich selber olympisches Gold zum Ziel setzen?

Olympia-Begeisterung: Effekte überschaubar

Zuschauer stehen am Rand einer Biathlon-Loipe

Ansporn nur für "Bewegungsaffine"

Ein Team der Deutschen Sporthochschule Köln hat das für das Bundesinstitut für Sportwissenschaft untersucht und gerade eine Studie vorgelegt. Das Ergebnis ist eher ernüchternd: Es gebe nur "geringe Evidenz" dafür, dass die Bilder und Berichte über solche Großereignisse den Ottonormalverbraucher dazu animieren, selber in die Sportschuhe zu steigen, schreiben die Forschenden sinngemäß in ihrem Bericht.

Lediglich auf ohnehin "bewegungs- und sportaffine Personen" könnten die Liveübertragungen positive Effekte haben. Menschen, die bislang eher unsportlich gelebt haben, würden eher entmutigt: Durch das Schauen der Wettkämpfe nähmen sie die großen "Kompetenzunterschiede" zwischen sich und den Spitzensportlern noch deutlicher wahr.

Wie wichtig ist Olympia für den Sport-Nachwuchs?

WDR 5 Morgenecho - Interview 16.02.2026 05:14 Min. Verfügbar bis 16.02.2027 WDR 5


Download

Kontakt zu echten Athleten wichtig

An der Studie mitgearbeitet hat auch die Sportwissenschaftlerin Jannika John von der Uni Tübingen. Im WDR-Interview berichtet sie, dass sich Nachwuchssportler vielleicht kurzfristig angespornt fühlten, selber für olympisches Gold zu trainieren. Allerdings bräuche es dafür vor allem den direkten Kontakt mit echten Athleten, sagt John: "Nur das Fernsehen reicht da nicht aus."

Das Fazit der Forschenden: Internationale Spitzensportler sollten verstärkt in Kontakt mit dem Nachwuchs gehen.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Einen positiven Effekt sportlicher Großturniere, die in den Medien breit dargestellt werden, fanden die Forscher aber immerhin: Sie erzeugten eine positive Grundstimmung bei vielen Menschen, stärkten den "positiven Nationalstolz" und seien ein Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Vorausgesetzt allerdings, es gibt viele Medaillen für deutsche Teilnehmende.

Weniger überzeugt waren die Forschenden davon, dass sich diese Einigkeit auch positiv auf die Themen Rassismus, Gleichberechtigung der Geschlechter oder den Blick auf Menschen mit Behinderung auswirken könnte. Auch beim Thema Klima- und Umweltschutz sehen viele den Spitzensport offenbar eher als Belastung.

Mentales Loch nach Olympiagold

Olympioniken selber berichten übrigens immer wieder, dass sie nach Ende der Spiele in eine tiefes mentales Loch fallen: Nach monatelangem Intensivtraining und Hochspannung während der Wettkämpfe herrscht plötzlich vermeintliche Leere. Der frühere US-Schwimm-Superstar Michael Phelps, mit 23 Goldmedaillen der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten, erzählte später, er habe nach den Spielen 2012 in London vier Tage lang sein Zimmer nicht verlassen.

Anna-Maria Wagner gewinnt Bronze in Tokio

Bronze 2021 in Tokio: Anna-Maria Wagner

Die Judo-Weltmeisterin Anna-Maria Wagner gewann in Tokio 2021 zweimal Bronze. Dennoch sei sie nach einigen Wochen "in ein richtiges Loch gefallen, weil dieses große Ziel auf einmal weg war", berichtete sie später der Sportärztezeitung. Die mentale Belastung werde im Sport von Außenstehenden oft unterschätzt.

Wenig Geld für Gold

Und noch etwas könnte Nachwuchssportlerinnen und -sportler davon abhalten, sich Olympia-Gold als Ziel zu setzen: Viel Geld lässt sich damit zunächst mal nicht verdienen. Besonders in den Randsportarten - wie zum Beispiel Fechten, Rudern, Turnen, teilweise auch in der Leichtathletik - leben viele Spitzensportler auf schlankem Fuß: Die internationalen Verbände der einzelnen Sportarten zahlen den Siegern nichts, und auch vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) werden keine Prämien gezahlt. Hintergrund: Bis in die 1980er-Jahre galten die Olympischen Spiele als Festival der Amateursportler.

Finanzielle Unterstützung bekommen Deutschlands beste Nachwuchs- und Spitzensportler von der Stiftung Deutsche Sporthilfe: Je nach Status im Schnitt mit monatlichen Beträgen zwischen 300 und 600 Euro. Außerdem honoriert die Sporthilfe die Leistungen ihrer Athleten und Athletinnen mit Medaillen-Prämien: Für Gold gibt es 20.000 Euro, für Silber 15.000 Euro und für Bronze 10.000 Euro.

Einer der von der Sporthilfe geförderte Athletinnen und Athleten ist der Rodler Max Langenhan, der bei den aktuellen Olympischen Spielen im Rodel-Einzel gleich die erste Goldmedaille einfuhr.

Eine weitere mögliche Einnahmequelle sind Sponsoren-Verträge, die die Olympia-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer mit etwas Glück bekommen können. Sportmarken wie Adidas, Puma oder Nike statten die Athletinnen und Athleten dann mit Kleidung und Schuhen aus. Und bei Erfolgen werden ihnen monatliche Gehälter oder Prämien ausgezahlt.

Unsere Quellen:

  • Studie des Bundesinstituts für Sportwissenschaften zur Bedeutung des Spitzen- und Leistungssports in Deutschland
  • WDR-Interview mit Studienmitarbeiterin Jannika John, Universität Tübingen
  • Homepage Deutsche Sporthochschule
  • Sportärztezeitung 

Sendung: WDR 5, Morgenecho, 16.02.2026, 6:05 - 9:45 Uhr

Mehr Nachrichten