Krieg im Iran: Größte Freigabe von Ölreserven – Und im Westen Tanktourismus
Aktuelle Stunde . 11.03.2026. 43:36 Min.. UT. Verfügbar bis 11.03.2028. WDR. Von Alexa Schulz.
Iran-Krieg: Deutschland gibt nationale Ölreserven teilweise frei
Stand:
Die Bundesregierung reagiert auf die gestiegenen Öl- und Spritpreise. Ein Teil der nationalen Reserven soll freigegeben werden.
Um steigende Preise für Öl und Benzin abzufedern, gibt Deutschland einen Teil der nationalen Ölreserven frei - das hat offenbar ein Sondertreffen der G7-Staaten ergeben. Zuletzt wurde die Maßnahme 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine eingesetzt.
Wer entscheidet über die Ölreserven?
Der Schritt wird offiziell von der Internationalen Energie-Agentur (IEA) vorgeschlagen. Die hatte wegen der Entwicklung des Öl-Marktes durch den Krieg mit dem Iran am Mittwoch zu einer Sondersitzung eingeladen. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) hatte eigentlich erst am Dienstag gesagt, dass die Maßnahme aus seiner Sicht noch nicht ansteht.
Was sind die Ölreserven?
In der IEA sind 16 Industriestaaten organisiert, die nach der Öl-Krise 1973 entschieden haben, sich durch Reserven im Krisenfall abzusichern. Zu diesen Staaten gehört neben den USA auch Deutschland. Die deutschen Reserven reichen, um für 90 Tage sämtliche Ölexporte auszugleichen.
Wo genau liegen die Ölreserven?
Die deutschen Rohöl-Lagerstätten befinden sich vor allem im Norden des Landes - unter anderem im niedersächsischen Wilhelmshaven, in Sottorf bei Hamburg und im schleswig-holsteinischen Heide. Der größte Teil des Rohöls wird unterirdisch in großen Kavernen vorgehalten, einige Vorräte befinden sich aber auch oberirdisch in Tanklagern.
Die Vorräte an Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin sind hingegen über die gesamte Bundesrepublik verteilt.
Wann wurde die Ölreserven zuletzt angezapft?
Ihre strategischen Ölreserven geben Volkswirtschaften jeweils in Krisensituationen frei, um den Ölmarkt zu stabilisieren oder auf Versorgungsengpässe zu reagieren. Zu diesem Mittel wird selten gegriffen.
In Deutschland wurden strategische Ölreserven bislang viermal freigegeben: Während des Golfkrieges 1991, nach den Wirbelstürmen Katrina und Rita im Jahr 2005 und während des Libyen-Krieges 2011. Zuletzt war die Maßnahme im Jahr 2022 nach dem russischen Angriffskrieges auf die Ukraine eingesetzt worden.
Wie viel soll jetzt freigegeben werden?
Laut Informationen des Handelsblatts ist die größte Freigabe der Geschichte geplant. Insgesamt soll es sich demnach um 400 Millionen Barrel Rohöl handeln. Das ist mehr als das Doppelte der bisherigen Höchstmenge. Das waren 182 Millionen Barrel zu Beginn des Ukraine-Krieges. 19,5 Millionen Barrel davon sollen aus Deutschland kommen, das entspräche rund einem Fünftel der Vorräte.
Zur Veranschaulichung: In ein olympisches Schwimmbecken passen mit einer Länge von 50 Metern, einer Breite von 25 Metern und einer Tiefe von zwei Metern insgesamt 2.500 Kubikmeter Wasser. Mit dem eingeplanten Teil der nationalen Ölreserve von 19,5 Millionen Barrel könnte man also rund 1.240 olympische Schwimmbecken füllen.
Die 19,5 Millionen Barrel machen etwa ein Dreiunddreißigstel des deutschen Mineralölverbrauchs von 2025 aus - verbraucht wurde Öl für Sprit, Heizöl, Flugkraftstoff und die Industrie.
Wird das die Preise senken?
Wie effektiv die Maßnahme zur Preissenkung ist, ist umstritten. Die freigegebene Menge entspricht etwa der Menge, die in 20 Tagen durch die Straße von Hormus verschifft wird. Als zusätzliche Maßnahme, um die Preise zu stabilisieren, hat Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) angekündigt, dass die Spritpreise nur noch einmal am Tag angepasst werden dürfen.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Handelsblatt
- Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
- Bayerischer Rundfunk
- NDR
Sendung: WDR 5, Hörfunknachrichten, 11.03.2026, 12.00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 11.03.2026, 18.45 Uhr