Luxus "Essen gehen": Gastro will die Preise erhöhen | Aktuelle Stunde
01:16 Min.. Verfügbar bis 19.02.2028.
Wird Essen gehen teurer? So reagieren die Menschen in Köln darauf
Stand:
Wer gerne essen geht, muss bald vielleicht tiefer ins Portmonnaie greifen. Wir haben unsere WDR-Reporterin losgeschickt, um Reaktionen aus einem angesagten Ausgehviertel in Köln-Süd einzufangen.
Von Anke Kahle
Ein Café reiht sich ans nächste, dazwischen Bars, Kneipen und Restaurants. Wer durch die Kölner Südstadt schlendert, spürt schnell: Hier wird gerne ausgegangen. Selbst an einem grauen Februarnachmittag sind viele Tische besetzt. Doch wie empfinden die Menschen hier die steigenden Gastropreise?
Toni aus Köln
Toni kommt gerade von der Currywurstbude. „Klar, ich gehe gerne essen. Aber man überlegt sich das schon zweimal“, sagt er. Für Currywurst mit Pommes und Getränk habe er zehn Euro bezahlt. „Das ist schon eine Menge Geld.“
22 Prozent der Gastronomen wollen Preise erhöhen
Tatsächlich könnte Essen gehen für viele noch teurer werden. Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) wollen 22 Prozent der Restaurants und Kneipen ihre Preise erhöhen - trotz der zu Jahresbeginn gesenkten Mehrwertsteuer auf Speisen.
Claudia aus Köln
Claudia, die in der Südstadt lebt und gerade vom Einkaufen kommt, zeigt Verständnis. Sie selbst geht nicht oft essen, kann die Gastronomen aber nachvollziehen: „Die Löhne steigen, das muss alles bezahlt werden. Dass die Gastro die Preise nicht halten kann, ist in meinen Augen verständlich.“
Familiengeführte Betriebe leiden besonders
Tatsächlich ist der Mindestlohn zuletzt auf 13,90 Euro gestiegen. Viele Betriebe sähen sich laut DEHOGA gezwungen, Personal abzubauen. Die Zahl der Insolvenzen in der Branche nahm im vergangenen Jahr deutlich zu. Besonders betroffen seien kleine, familiengeführte Lokale.
Stefan aus Alfter
Für Stefan aus Alfter, der in Köln arbeitet, ist es vor allem eine Frage der Häufigkeit. „Alles wird teurer. Das heißt nicht, dass ich das gut finde. Aber ich gehe nur ab und zu essen.“ Er beobachtet allerdings, dass immer mehr Lokale schließen, weil sie wirtschaftlich nicht mehr zurechtkommen. ´
Seltener ausgehen, dafür bewusster
Nicole aus Köln
Nicole hingegen kocht am liebsten selbst. Wenn sie essen geht, dann als besonderes Erlebnis: „Dann gebe ich auch gerne etwas mehr aus. Ich finde es in Ordnung, wenn die Preise steigen und dafür die Qualität stimmt.“ Weniger Konsum, mehr Wertschätzung.
Jutta aus Köln
Auch Jutta ist zurückhaltender geworden. „Unter 45 Euro pro Kopf kann man kaum noch essen gehen“, sagt sie. Gleichzeitig vermisst sie oft die Qualität, die sie erwartet. „Ich koche inzwischen lieber selbst.“
Essen gehen bleibt Luxus
AL aus Köln
Doch nicht alle können sich diese Haltung leisten. Eine junge Frau erzählt: „Ich gehe gerne aus, und es wäre schade, wenn es teurer wird. Aber ich habe nicht so viel Geld, ich arbeite für Mindestlohn.“
Die Mehrwertsteuer auf Speisen wurde zwar gesenkt. Doch viele Betriebe kämpfen weiterhin mit steigenden Kosten. In der Köln Südstadt zeigt sich: Zwischen Verständnis und Frust bleibt Essen gehen für viele ein ein Luxus.
Unsere Quellen:
- Recherche WDR-Reporter vor Ort
- Agentur-Meldung
Sendung: WDR Fernsehen, Die Aktuelle Stunde, 19.02.2026, 19:45 Uhr