NATO-Gipfel: Historische Ausgaben und verkrampfte Harmonie
Aktuelle Stunde . 25.06.2025. 38:21 Min.. UT. Verfügbar bis 25.06.2027. WDR. Von Julius Hilfenhaus.
Fünf-Prozent-Ziel der NATO: Wie viel Geld ist das eigentlich?
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Vor allem unter dem Eindruck von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine haben sich die NATO-Mitgliedsstaaten auf eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent geeinigt. Wie viel Geld ist das eigentlich? Ein Überblick in Zahlen und Grafiken.
Auf dem am Mittwoch zu Ende gegangenen NATO-Gipfel in Den Haag haben sich alle Bündnispartner zu höheren Verteidigungsausgaben verpflichtet. Spätestens ab 2035 wollen die Staaten jedes Jahr jeweils mindestens fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung und Sicherheit investieren. Das geht aus der Abschlusserklärung des NATO-Gipfels hervor.
Rutte: "Keine Alternative zum Fünf-Prozent-Ziel"
NATO-Generalsekretär Mark Rutte beim Gipfeltreffen
NATO-Generalsekretär Mark Rutte betonte die Notwendigkeit der massiven Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Es gebe bei den Partnern des Verteidigungsbündnisses angesichts der Bedrohung aus Russland und der internationalen Sicherheitslage die "feste Überzeugung", dass es "keine Alternative" zum Fünf-Prozent-Ziel gebe, sagte Rutte am Rande des Gipfels.
"Wir müssen das wirklich tun." Mark Rutte, NATO-Generalsekretär, zum Fünf-Prozent-Ziel
Die bis 2035 angestrebten Verteidigungsausgaben in Höhe von fünf Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsproduktes (BIP) teilen sich so auf:
- 3,5 Prozent für Verteidigung
- 1,5 Prozent für verteidigungsrelevante Infrastruktur
Die konkrete Aufteilung basiert auf einem Vorschlag Ruttes. Zwar betonte dieser stets, dass man die Ausgaben aus der Notwendigkeit heraus erhöhe und nicht, weil US-Präsident Donald Trump das verlange. Die fünf Prozent entsprechen aber genau dem, was Trump von den Bündnispartnern gefordert hatte. Die USA sind die mit Abstand größte Wirtschaftsnation der Welt, sind somit auch der größte und wichtigste NATO-Bündnispartner.
Deutschland erreichte 2024 erstmals Zwei-Prozent-Ziel
Im vergangenen Jahr hat Deutschland erstmals das bisherige Zwei-Prozent-Ziel erreicht: 2,12 Prozent des BIP wurden in die Verteidigung gesteckt. Das sind etwa 91 Milliarden Euro. Würde Deutschland heute schon das Fünf-Prozent-Ziel der NATO erreichen wollen, lägen die Verteidigungsausgaben bei 215,5 Milliarden Euro - sie würden sich also mehr als verdoppeln.
Mit 2,12 Prozent liegt Deutschland nur im Mittelfeld im Ranking der Verteidigungsausgaben der NATO-Staaten. Auf Platz 1 liegen nicht etwa die USA. Prozentual gibt Polen am meisten aus: mehr als vier Prozent. Dahinter liegen Estland und Lettland. Erst dann folgen die USA.
Von den 91 Milliarden Euro, die Deutschland im Jahr 2024 für Verteidigung ausgab, entfallen 52 Milliarden Euro auf den regulären Verteidigungshaushalt. Die übrigen 38 Milliarden kommen aus dem Sondervermögen für die Beschaffung militärischer Ausrüstung.
Verteidigung bald größter Posten im Bundeshaushalt?
Der größte Posten im Bundeshaushalt ist bislang regelmäßig der Bereich Arbeit und Soziales - und hier vor allem die Rente und die Grundsicherung im Alter. Im Jahr 2024 waren das 175,7 Milliarden Euro. Würde die Bundesregierung die Verteidigungsausgaben schon jetzt auf fünf Prozent des BIP erhöhen, lägen diese deutlich über denen für Arbeit und Soziales - für keinen anderen Bereich würde die Regierung mehr Geld ausgeben.
Noch ein theoretischer Vergleich: Mit 215,5 Milliarden Euro wären die Verteidigungsausgaben auch höher als die Bildungsausgaben von Bund und Ländern zusammen. Die lagen im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt bei insgesamt 191,6 Milliarden Euro.
Übrigens: Einen Abweichler gibt es doch unter den NATO-Staaten. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez machte klar, dass sein Land den NATO-Bedürfnissen auch ohne Verteidigungsausgaben von fünf Prozent der Wirtschaftsleistung gerecht werden kann.
Unsere Quellen:
- Statistisches Bundesamt
- Bundesfinanzministerium
- NATO
- Nachrichtenagenturen dpa und AFP
Über dieses Thema berichteten wir am 25.06.2025 auch im WDR Fernsehen: Aktuelle Stunde, 18.45 Uhr.
