Tatort Louvre: Wie Diebe Frankreichs Kronjuwelen raubten
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Es klingt ein bisschen wie ein Film, was da am vergangenen Wochenende in Paris passiert ist. Vier Männer entwenden eine Hebebühne, fahren an das weltberühmte Museum Louvre, steigen durchs Fenster und stehlen Schmuck im Wert von 88 Millionen Euro. Und Frankreichs Herz blutet.
Sie kamen mit Motorrädern, einer Hebebühne - und brauchten nur circa sieben Minuten, um Frankreichs Kronjuwelen zu stehlen. Der Juwelen-Raub im Louvre vom 19. Oktober macht viele Menschen in Paris und in Frankreich fassungslos. Die Diebe konnten bei helllichtem Tag in das Museum einsteigen, das zu den berühmtesten Museen der Welt zählt und gleich wieder spurlos verschwinden.
Die Tat dauerte nur etwa sieben Minuten
Nur etwa sieben Minuten haben die Diebe gebraucht, um mit einem Möbelaufzug an einen Balkon des Louvre zu fahren, das Fenster aufzuschneiden, den Schmuck aus den Vitrinen zu stehlen und auf zwei Motorrollern zu flüchten. Das Museum musste evakuiert werden und blieb daraufhin zwei Tage geschlossen.
Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Auch wenn die Diebe ihr Werkzeug und eine Warnweste am Tatort liegen gelassen haben, war die DNA-Analyse bisher noch nicht erfolgreich. Nach ihnen wird gefahndet. Laut Frankreichs Kulturministerin Rachida Dati seien die Diebe extrem professionell vorgegangen.
Den Möbelaufzug, über den die Täter in den Louvre in Paris eingebrochen sind, hatten sie wohl kurz vor dem Einbruch gestohlen. Mittlerweile ist klar: Der Aufzug war ein Exemplar der Firma Böcker aus Werne in Nordrhein-Westfalen.
Schmuck im Wert von 88 Millionen Euro
Der Einbruch macht das ganze Land fassungslos. Acht Schmuckstücke haben die Diebe aus Vitrinen entwendet. Ein neuntes konnten sie nicht mitnehmen. Eine Krone der Kaiserin Eugénie, der letzten Kaiserin Frankreichs - und der Ehefrau Napoleons des Dritten, ist den Einbrechern wohl heruntergefallen und dabei zerbrochen. Der restliche Schmuck hatte zusammengerechnet einen Wert von 88 Millionen Euro.
Schmuck und Juwelen von nationaler Bedeutung sind nun in der Hand von Kriminellen. So richtig schätzen lasse sich der Wert aber eigentlich nicht, sagt der bekannteste französische Adelsexperte Stéphane Bern. Er beschreibt die Bedeutung der entwendeten Juwelen so: "Es ist, als sei der Schmuck der Großmutter gestohlen worden. Das ist der französische Familienschmuck."
Louvre zu schlecht gesichert?
Es gibt Kritik daran, dass die zuständigen Kulturbehörden in Frankreich in den letzten Jahren nicht genug in den Louvre investiert haben. Schon im Februar hatte es einen Hilferuf der Louvre-Chefin Laurence des Cars gegeben, dass das größte Museum der Welt in einem schlechten Zustand sei. Damals ging es vor allem um Gebäudeschäden. Aber es wurde auch Personal abgebaut.
Nach dem Einbruch in den Pariser Louvre hat auch die Museumsdirektorin des Cars "schreckliches Versagen" eingeräumt. Die Schwachstelle des Gebäudes seien wohl vor allem die außen angebrachten Überwachungskameras, die nicht alle Teile des Louvre abdeckten.
Der Zeitpunkt des Einbruchs ist denkbar schlecht. Wegen der hohen Schulden Frankreichs und einiger Regierungskrisen stehe das Land sowieso schon unter Beobachtung, sagt der ARD-Korrespondent Cai Rienäcker aus Paris.
"Und jetzt noch diese Geschichte, wo praktisch die ganze Welt über das Land lacht (…) das ist natürlich ein echter Schlag für die französische Seele.“ Cai Rienäcker, ARD-Korrespondent in Paris
Deshalb wirbelt dieser filmreife Diebstahl auch politisch so einiges auf. Frankreichs Kulturministerin Rachida Dati möchte bei den nächsten Kommunalwahlen als Bürgermeisterkandidatin von Paris antreten und das Amt von ihrer Vorgängerin übernehmen. Momentan steht sie allerdings enorm in der Kritik. Viele machen sie zum Teil dafür verantwortlich, dass die Diebe so einfach in den Louvre einsteigen konnten.
Wie war dieser Einbruch mitten am Tag überhaupt möglich? Was ist bisher über die Täter bekannt? Und welche Sicherheitslücken hat der einbruch im Louvre offengelegt? Darüber spricht unser ARD-Korrespondent Cai Rienäcker aus Paris in dieser Folge von nah dran.
Der Podcast "nah dran"
Im Podcast "nah dran - die Geschichte hinter der Nachricht" erzählen unsere Reporterinnen und Reporter, was sie bei ihren Recherchen erlebt haben. Sie werfen einen Blick hinter die Nachrichten, hören Betroffenen zu und erleben selbst mit, wovon die meisten nur kurz in den wöchentlichen Schlagzeilen lesen. Näher ran als sie kommt keiner - egal ob im Ausland, in der Hauptstadt oder direkt vor unserer Tür in der Region.