Sie flitzen bei jedem Wetter durch die Städte und versorgen uns mit Essen: Kurierfahrer der großen Lieferfirmen wie Uber Eats, Wolt oder Lieferando. Auf den Fahrrädern sitzen viele Menschen aus Indien, Pakistan und Bangladesch.
Teilweise werden die jungen Fahrerinnen und Fahrer nach Deutschland gelockt, um hier zu studieren. Doch oft landen sie an privaten Hochschulen, bei denen die Studiengebühren so hoch sind, dass sie nebenher ziemlich viel arbeiten müssen.
Oft studieren sie auf Englisch und können kein Deutsch. Deshalb sind ihre Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt begrenzt. Subunternehmen werben Studierende, beispielsweise aus Indien, aktiv an – und am Ende werden sie nicht einmal nach Mindestlohn bezahlt.
Subunternehmen umgehen Mindestlohn
Die jungen Menschen sind in den meisten Fällen nämlich nicht bei den Lieferdiensten selbst angestellt – also bei den großen Konzernen wie Wolt, Lieferando und Uber Eats. Sie landen dann bei kleinen Subunternehmen, die für die Konzerne Essen ausliefern.
Dabei werden sie oft deutlich schlechter bezahlt, als der Mindestlohn eigentlich vorgibt. Wenn ein Arbeitstag zum Beispiel acht Stunden lang geht, der Lieferant allerdings "nur" fünf Stunden davon tatsächlich Essen ausliefert, wird er nur für fünf Stunden bezahlt.
Das gilt auch, wenn er beispielsweise auf Bestellungen warten muss. Die Bereitschaftszeit wird meistens nicht vergütet. Es gebe auch Berichte von Essenskurieren, die mehrere Monate lang gar kein Geld bekommen haben, sagt der freie Journalist Sascha Lübbe. Er hat monatelang zu diesem Thema recherchiert und mit vielen Menschen aus der Branche gesprochen.
Doch die Branche der Essenslieferungen ist kein Einzelfall. Auch in der Baubranche, der Security- und Reinigungsbranche wird viel mit Subunternehmen gearbeitet, sagt Lübbe. Er recherchiert schon seit Jahren zur Ausbeutung von Arbeitsmigrantinnen und -migranten in verschiedenen Bereichen.
"Das System mit diesen Subunternehmen hat man inzwischen in vielen Bereichen der deutschen Wirtschaft. Vor allem in Bereichen, wo es viele migrantische Beschäftigte gibt." Sascha Lübbe, freier Journalist
Menschen leben in Abhängigkeiten
Das System, das hinter den Subunternehmen steckt, ist riesengroß. Viele der Arbeiterinnen und Arbeiter kommen aus sogenannten Drittstaaten, ihr Visum ist an ihren Studiengang gekoppelt.
Um den Studiengang überhaupt bezahlen zu können, müssen die jungen Menschen sehr schnell einen Job finden. In WhatsApp-Gruppen oder in der Nähe von den Hochschulen werden sie dann angeworben.
Das Problem: Manche dieser privaten Hochschulen bieten Abschlüsse an, die in Deutschland gar nicht anerkannt sind. Einige der Studierenden stehen am Ende ihres Studiums mit hohen Schulden und ohne guten Bildungsabschluss dar.
Wie kommen diese Fahrer nach Deutschland? Welche Rolle spielen Subunternehmer? Wie wird der Mindestlohn umgangen? Und was müsste sich politisch ändern? Darüber spricht Host Andreas Bursche mit dem freien Journalisten Sascha Lübbe.
Erst anlocken, dann ausbeuten – Das Geschäftsmodell der Lieferdienste I nah dran. nah dran – die Geschichte hinter der Nachricht. 27.02.2026. 17:34 Min.. Verfügbar bis 27.02.2027. WDR Online.
Der Podcast "nah dran"
Im Podcast "nah dran – die Geschichte hinter der Nachricht" erzählen unsere Reporterinnen und Reporter, was sie bei ihren Recherchen erlebt haben. Sie werfen einen Blick hinter die Nachrichten, hören Betroffenen zu und erleben selbst mit, wovon die meisten nur kurz in den wöchentlichen Schlagzeilen lesen. Näher ran als sie kommt keiner – egal ob im Ausland, in der Hauptstadt oder direkt vor unserer Tür in der Region.
Dieser Beitrag liefert Informationen zur Podcast-Folge "nah dran - die Geschichte hinter der Nachricht": "Erst anlocken, dann ausbeuten – Das Geschäftsmodell der Lieferdienste" vom 27.02.2026, 12:30 Uhr.