Mehrere Tage mit mehr als 30 Grad: Diese Art Hitzewellen sind in Deutschland eigentlich eher ein Phänomen von Ende Juli bis Ende August. Dass sie nun aber schon früher auftreten, sind laut Klimaexperten ein Alarmzeichen und ein langfristiger Trend.
Hitzetote gleichauf mit Verkehrstoten
Mit Rekordtemperaturen von über 40 Grad in Koblenz, Waldbränden in Brandenburg, heftigen Gewittern und Rekordhitze im Mittelmeer jagte in dieser Woche eine Hitzenachricht die nächste.
Eine Zahl, die dabei viele überraschen dürfte: Das Robert Koch-Institut schätzt, dass in den letzten beiden Jahren etwa jeweils 3.000 Menschen aufgrund der hohen Temperaturen zu Tode gekommen sind. Damit liegt die Zahl der Hitzetoten gleichauf mit der Zahl tödlicher Verkehrsunfälle. Manche Menschen haben mit den Temperaturen besonders zu kämpfen, darunter Ältere, Kinder, Kranke oder Obdachlose.
Weniger Priorität: Klimaschutz
Während die Klimapolitik bei der neuen Bundesregierung auf der Prioritätenliste deutlich nach unten gerutscht ist, steht sie auch in der EU nicht mehr besonders weit oben auf der Tagesordnung.
Ann-Kathrin Büüsker ist Klima- und Umweltjournalistin in der Umweltredaktion des Deutschlandfunks. Sie beschäftigt sich mit Themen von Klima und Krise bis Atommüll und kennt sich als ehemalige Hauptstadtkorrespondentin auch politisch in Sachen Klima aus. Sie meint, eigentlich müsste man zu dem Schluss kommen: "Erstens, wir begrenzen die Erderhitzung insgesamt. Und zweitens, wir kümmern uns drum, die Bevölkerung vor den Folgen dieser Erderhitzung zu schützen, indem wir in angemessene Klimaanpassungsmaßnahmen investieren."
"Es fehlt in den Kommunen vor allem an Geld, um Maßnahmen finanzieren zu können." Ann-Kathrin Büüsker, Klima- und Umweltjournalistin
Baum oder Bauen?
Auf dem Papier hätten viele Kommunen bereits Hitzeschutzpläne, um die Bevölkerung zu schützen. Aber in der Realität mangele es oft an Leuten - und auch an Geld. Auf einen Quadratmeter in der Stadt einen Baum zu pflanzen, könne hitzetechnisch zwar sinnvoll sein, sei aber im Vergleich zu anderweitiger Nutzung möglicherweise unwirtschaftlich.
In der Diskussion für unseren Sommer und unsere Zukunft stellen sich entscheidende Fragen: Wie sind wir auf Hitzesituationen auf in Zukunft vorbereitet? Wie gehen wir mit den Herausforderungen des Klimawandels um - von Wasserknappheit bis zu besserem Hitzeschutz für unsere Infrastruktur?
Hitze, Waldbrände, Starkregen: Deutschland im Klimawandel?. nah dran – die Geschichte hinter der Nachricht. 04.07.2025. 19:59 Min.. Verfügbar bis 04.07.2026. WDR Online.
Der Podcast "nah dran"
Im Podcast "nah dran - die Geschichte hinter der Nachricht" erzählen unsere Reporterinnen und Reporter, was sie bei ihren Recherchen erlebt haben. Sie werfen einen Blick hinter die Nachrichten, hören Betroffenen zu und erleben selbst mit, wovon die meisten nur kurz in den wöchentlichen Schlagzeilen lesen. Näher ran als sie kommt keiner - egal ob im Ausland, in der Hauptstadt oder direkt vor unserer Tür in der Region.