Eine Gruppe von Demonstrantinnen halten ein Schild hoch "Femizide stoppen". Links das Logo von nah dran

"Morgen bin ich tot" – Werden Frauen nicht genug vor Gewalt geschützt?

Stand:

Laut Statistik kommt es immer häufiger zu häuslicher Gewalt. Sind Frauen ausreichend vor dieser Gewalt geschützt?

Fast jeden Tag versucht ein Mann in Deutschland, seine (Ex)-Partnerin zu töten. 133 Frauen sind im vergangenen Jahr bei diesen Versuchen gestorben. So auch die 20-jährige Anna-Lena aus Genthin in Sachsen-Anhalt. Sie wurde von ihrem Ex-Freund erstochen.

Die Dokumentation "Morgen bin ich tot - Gewalt gegen Frauen" in der ARD-Mediathek zeigt Anna-Lenas Geschichte. Ihr Fall schildert auf besonders tragische Weise, was passieren kann, wenn Frauen nicht ausreichend vor häuslicher Gewalt geschützt werden. Denn die Attacke, bei der Anna-Lena getötet wurde, war nicht der erste Angriff ihres Ex-Freundes Domenik.

Ex-Freund griff Anna-Lena mehrmals an

Den ersten Angriff von ihm überlebt die junge Frau nur knapp. Wenige Wochen nachdem sie die Beziehung zu ihm beendet hat, greift er sie im November 2024 auf dem Weg zur Arbeit an: Mit einer Axt bedroht er sie, schlägt sie zusammen und würgt sie schließlich bis zur Bewusstlosigkeit.

Sie zeigt ihn an, doch der damals 28-Jährige wird nicht festgenommen. Nach dem Angriff bekommt er ein Kontakt- und Annäherungsverbot. 25 Meter zu Anna-Lenas Wohnung, zehn Meter bei zufälliger Begegnung.

Anna-Lena lebt nach dem Angriff in Angst. Sie hat das Gefühl, das Haus nicht mehr alleine verlassen zu können. Ein Fahrdienst muss sie jeden Tag zur Arbeit bringen. Ihr Ex-Freund Domenik habe ihr mehrmals angedroht, sie umzubringen, sagt die Familie von Anna-Lena. Den zweiten Angriff ihres Ex-Freundes am 30. Januar dieses Jahres überlebt Anna-Lena nicht. Domenik tötet sie mit einem Messer.

Gericht urteilt: Totschlag, 13 Jahre Haft

Im Prozess wird der Angeklagte zu 13 Jahren Haft verurteilt. Domenik wird schuldig gesprochen, seine Ex-Freundin im Januar in ihrer Wohnung mit einem Küchenmesser getötet zu haben. Das Urteil des Landgerichts Stendal lautet: Totschlag und Körperverletzung.

Für Anna-Lenas Mutter Corinna ist das unbegreiflich: "Er wird irgendwann wieder draußen rumlaufen, als wäre nichts." Sie hatte gehofft, dass der Angeklagte des Mordes schuldig gesprochen wird. Doch auch die Staatsanwaltschaft legt keine Revision ein. Die Familie bleibt fassungslos zurück.

Elektronische Fußfesseln: Wie Frauen besser geschützt werden könnten

Die Familie ist sich sicher: Anna-Lenas Tod hätte verhindert werden können. Um Opfer von häuslicher Gewalt in Zukunft besser zu schützen, plant die Bundesregierung, verstärkt elektronische Fußfesseln für Täter einzusetzen. Dazu liegt ein Ein Gesetzentwurf von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) vor.

Die Idee: In Hochrisikofällen müssen Täter eine elektronische Fußfessel tragen. Das Opfer trägt ein mobiles Empfangsgerät mit sich und wird gewarnt, sobald sich der Täter ihr nähert. Auch die Polizei soll dann automatisch alarmiert werden. 

Die geplante Änderung des Gewaltschutzgesetzes orientiert sich an Spanien. Dort sei seit der Einführung im Jahr 2009 kein Opfer von einem Täter mit einer elektronischen Fußfessel getötet worden, heißt es in dem Gesetzentwurf.

Frauen zu Hause in Gefahr

Für viele Frauen ist jedoch ihr eigenes Zuhause der gefährlichste Ort. Denn alle zwei Minuten wird ein Mensch Opfer von häuslicher Gewalt – das zeigen Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA). Die Täter sind meist Männer, die Opfer Frauen. 

Gesprächspartnerin Kira Lorenz

Kira Lorenz recherchierte Monatelang zu häuslicher Gewalt.

Doch Frauen können es aus dieser Gewaltspirale heraus schaffen, sagt die Reporterin Kira Lorenz. Sie hat monatelang zu häuslicher Gewalt recherchiert.

"Viele betroffene Frauen sagen: Es ist ein schwerer Schritt, sich aus gewaltvollen Beziehungen zu lösen. Aber es lohnt sich am Ende." Kira Lorenz, Reporterin beim Bayerischen Rundfunk

Denn partnerschaftliche Gewalt fange oft nicht mit Schlägen an, sondern schleiche sich in die Beziehung ein, sagt Lorenz. Mit ihrer Kollegin Lisa Wreschniok hat sie den Fall der 20-jährigen Anna-Lena aus Genthin recherchiert.

Mehrere Monate haben sie sich intensiv mit dem Thema Gewalt gegen Frauen beschäftigt. Warum ist die Zahl der Femizide so hoch? Und was tun die Behörden, was tut die Politik? Darüber spricht die Reporterin Kira Lorenz in dieser Folge von nah dran.

"Morgen bin ich tot" - Werden Frauen nicht genug vor Gewalt geschützt? I nah dran

nah dran – die Geschichte hinter der Nachricht 07.11.2025 20:49 Min. Verfügbar bis 07.11.2030 WDR Online


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Der Podcast "nah dran"

Im Podcast "nah dran – die Geschichte hinter der Nachricht" erzählen unsere Reporterinnen und Reporter, was sie bei ihren Recherchen erlebt haben. Sie werfen einen Blick hinter die Nachrichten, hören Betroffenen zu und erleben selbst mit, wovon die meisten nur kurz in den wöchentlichen Schlagzeilen lesen. Näher ran als sie kommt keiner - egal ob im Ausland, in der Hauptstadt oder direkt vor unserer Tür in der Region.

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