100 Tage Schwarz-Rot: Wo steht die Bundesregierung?

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Nach 100 Tagen unter Kanzler Friedrich Merz ist es Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Die Erwartungen an die schwarz-rote Bundesregierung waren hoch. Der Start war auch geprägt von Koalitionsstreit, Misstrauen und innenpolitischen Herausforderungen. Im WDR-Podcast "nah dran – die Geschichte hinter der Nachricht" liefert ARD-Hauptstadtkorrespondentin Barbara Kostolnik ihr persönliches Zwischenfazit aus dem politischen Berlin.

Das deutlichste Zeichen für die Reibungen zwischen Union und SPD war die gescheiterte Richterwahl für das Bundesverfassungsgericht. Die SPD hatte die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf nominiert, doch kurz vor der Abstimmung verweigerte die Union überraschend die Zustimmung. Brosius-Gersdorf zog daraufhin ihre Kandidatur zurück und sprach von fehlendem Rückhalt.

Die ARD-Hauptstadtkorrespondentin Barbara Kostolnik betont im Podcast "nah dran - die Geschichte hinter der Nachricht" den ungewöhnlichen Umgang mit der Juristin. Das habe der Koalition, die ja sowieso schon keine "Koalition der Herzen" sei, einen echten Schlag versetzt.

100 Tage Schwarz-Rot: Wo steht die Bundesregierung? I nah dran nah dran – die Geschichte hinter der Nachricht 15.08.2025 22:11 Min. Verfügbar bis 15.08.2026 WDR Online

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Merz' Israel-Entscheidung

Gleichzeitig sorgte die Entscheidung von Friedrich Merz, bestimmte Waffen nicht mehr an Israel zu liefern, für Streit und Missmut. Dieses Mal aber vor allem innerhalb der Union. Besonders aus der CSU kamen scharfe Töne in Richtung des Kanzlers.

Der Eindruck von einer Koalition, die neben der Lösung großer Herausforderungen auch häufig mit sich selbst beschäftigt ist, verfestigt sich. Dabei wollte die schwarz-rote Bundesregierung es in diesem Punkt anders machen als die Ampel-Koalition, die auch aufgrund von internen Streitigkeiten letztlich zerbrochen ist.

Außenpolitische Erfolge, innenpolitische Probleme

Friedrich Merz ist in der Außenpolitik präsent: Sein Antrittsbesuch bei US-Präsident Trump und seine Initiativen zur Unterstützung der Ukraine zeigen seine internationale Handschrift. Deutschland gilt weiterhin als einer der wichtigsten Unterstützer Kiews, sowohl militärisch als auch finanziell.

"Merz ist definitv ein Außenkanzler. Da hängt er sich total rein. Er muss sich aber auch um die Innenpolitik kümmern." Barbara Kostolnik, Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio
ARD-Hauptstadtkorrespondentin Barbara Kostolnik | Bildquelle: ARD-Hauptstadtstudio/Tanja Schnitzler

Bei den innenpolitischen Themen blockieren allerdings der Haushaltsstreit, die Schuldenbremse, die Energiepreise und unterschiedliche Prioritäten zwischen Union und SPD viele Vorhaben. Zudem sind zahlreiche Minister neu im Amt. Auch das verlangsame manche Umsetzungsprozese, sagt die ARD-Korrespondentin.

Die Stimmung im Land: Ernüchterung statt Aufbruch

Zwar ist die Migration spürbar zurückgegangen und es gibt auch erste positive Signale für die deutsche Wirtschaft, doch der von Kanzler Merz für den Sommer versprochene Stimmungsumschwung ist ausgeblieben. Die Umfragewerte von Merz sowie von Vizekanzler und SPD-Chef Klingbeil sind nach Amtsantritt deutlich gesunken.

Sinkende Beliebtheit und Vertrauensverlust könnten den weiteren Kurs der Regierung stärker bestimmen als jedes Sachthema. Gleichzeitig bleiben Haushalt, Sozialpolitik und internationale Krisen weiterhin Bewährungsproben.

Im Podcast "nah dran - die Geschichte hinter der Nachricht" erzählen unsere Reporterinnen und Reporter, was sie bei ihren Recherchen erlebt haben. Sie werfen einen Blick hinter die Nachrichten, hören Betroffenen zu und erleben selbst mit, wovon die meisten nur kurz in den wöchentlichen Schlagzeilen lesen. Näher ran als sie kommt niemand - egal ob im Ausland, in der Hauptstadt oder direkt vor unserer Tür in der Region.