Mindestlohn steigt auf 13,90 Euro: Wem es hilft, wem es schadet

Aktuelle Stunde 29.10.2025 38:29 Min. Verfügbar bis 29.10.2027 WDR Von Cengiz Ünal

Mindestlohn-Erhöhung: Wer in welchen Branchen in NRW profitiert

Stand:

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch die kräftigste Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns seit seiner Einführung vor zehn Jahren beschlossen. Wer wann in NRW mehr Geld bekommt: ein Überblick.

Die unabhängige Mindestlohn-Kommission hatte bereits im Juni eine konkrete Anhebung empfohlen. Auf dieser Basis machte das SPD-geführte Bundesarbeitsministerium einen Vorschlag für eine Verordnung, die das Bundeskabinett nun beschlossen hat. Eine weitere Zustimmung durch Bundestag oder Bundesrat ist nicht nötig.

Mindestlohn-Erhöhung um 13,9 Prozent

Insgesamt soll der Mindestlohn um 13,9 Prozent angehoben werden. Vorgesehen ist das in zwei Schritten:

  • zum 1. Januar 2026 von derzeit 12,82 Euro pro Stunde auf 13,90 Euro
  • zum 1. Januar 2027 weiter auf 14,60 Euro pro Stunde

In welchen Regionen kommt die Mindestlohn-Erhöhung besonders vielen zugute?

Profitieren werden von der Erhöhung des Mindestlohns nicht nur alle, die jetzt schon den Mindestlohn erhalten. Sie kommt auch allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zugute, die etwas mehr Stundenlohn bekommen, aber derzeit noch unter 13,90 Euro sind. Konkrete Zahlen hat das Statistische Bundesamt auf Grundlage der Verdiensterhebung vom April vergangenen Jahres errechnet:

Demnach könnten in NRW etwa 1,49 Millionen Beschäftigte durch den neuen Mindestlohn ab Januar 2026 ein höheres Gehalt bekommen. Das sind 17,7 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse.

Bundesweit haben demnach bis zu 6,6 Millionen Beschäftigte dadurch mehr Geld. Das ist ungefähr jedes sechste Beschäftigungsverhältnis (etwa 17 Prozent).

Besonders stark merken es Beschäftigte in Ostdeutschland (etwa 20 Prozent). Am meisten kommt die Mindestlohn-Erhöhung Menschen in Mecklenburg-Vorpommern zugute. Dort betrifft sie im ersten Schritt 22 Prozent aller Stellen.

Mit der zweiten Mindestlohn-Erhöhung zum Januar 2027 könnten einschließlich der Erhöhung zum Januar 2026 bundesweit sogar 8,3 Millionen Menschen mehr Geld bekommen. Das sind etwa 21 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse.

Wie stark profitieren Männer und Frauen von der Mindestlohn-Erhöhung?

Frauen nützt die Mindestlohn-Erhöhung zum Januar 2026 nach der Schätzung des Statistischen Bundesamtes überdurchschnittlich oft. Der Stundenverdienst erhöht sich demnach:

  • in etwa 20 Prozent der von Frauen ausgeübten Jobs
  • in etwa 14 Prozent der von Männern ausgeübten Jobs

In welchen Branchen in NRW wird sich der neue Mindestlohn bemerkbar machen?

In NRW arbeitet die zahlenmäßig größte Gruppe derjenigen, die die Mindestlohn-Erhöhung spüren werden, im Bereich "Handel/Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen". Hier werden voraussichtlich 286.000 Angestellte vom ersten Schritt der Erhöhung profitieren - das ist etwa jeder Vierte in der Branche. Darunter fallen zum Beispiel Mitarbeitende im Einzelhandel aller Art oder in Autowerkstätten.

Im Verhältnis zu allen Stellen in der Branche nützt das vor allem Beschäftigte im Gastgewerbe, also zum Beispiel Kellnerinnen und Kellner oder Barista. Hier kann mehr als die Hälfte der Beschäftigten mit einer Lohnerhöhung ab nächstem Jahr rechnen.

Mehr Geld bekommen auch viele Putzkräfte und Sicherheitsmitarbeitende (sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen), Hausmeister (Grundstücks- und Wohnungswesen), Beschäftigte in Fitnesscentern, Museen und Spielhallen (Kunst, Unterhaltung, Erholung), Friseurinnen und Friseure sowie Mitarbeitende in Schönheitssalons (sonstige Dienstleistungen) und viele andere Beschäftigte.

Erhöht sich mit dem Mindestlohn auch die Verdienstgrenze für Minijob-Beschäftigte?

Ja, mit der Erhöhung des Mindestlohns steigt auch die Geringfügigkeitsgrenze, informiert die Informationstechnische Servicestelle der gesetzlichen Krankenversicherung. Wer im Minijob arbeitet, darf künftig ebenfalls in zwei Schritten mehr Geld verdienen:

  • ab Januar 2026: 603 Euro monatlich statt bisher 556 Euro
  • ab Januar 2027: 633 Euro monatlich

Unsere Quellen:

  • Statistisches Bundesamt
  • Auswertung der Daten durch WDR und MDR
  • Informationsportal für Arbeitgeber der gesetzlichen Krankenkasse

Kommentare zum Thema

14 Kommentare

  • 14 C. 31.10.2025, 03:26 Uhr

    Bei den Zeitungszustellern kommt das auch nicht an, die kalkulierte Zeit für einen Bezirk wird vom AG einfach heruntergesetzt. Mittlerweile arbeitet man sogar anteilig ohne Entgelt, weil die Zeiten mit jeder Mindestlohnerhöhung reduziert wurden und die Zeitvorgabe nicht mehr einzuhalten ist.

  • 13 Alexa 30.10.2025, 17:03 Uhr

    Hat schon jemand ausgerechnet wie viel am Ende sich das auswirkt??? Kann nicht viel sein

    Antworten (1)
    • Bernd 1 30.10.2025, 20:55 Uhr

      Bei einem 8 Stunden Tag rund 8€ pro Tag x 20 Arbeitstage sind rund 160€ brutto im Monat.

  • 12 Anonym 30.10.2025, 16:15 Uhr

    Meine Empfehlung ist: Gründung von Betriebsräten. Nur gemeinsam können Arbeitnehmer für sich bessere Konditionen, mehr Geld etc. durchsetzen. Bedauerlicher Weise ist es mittlerweile so, dass der Gesetzgeber einschreiten muss, um ein Mindestmaß an Entgelt zu gewährleisten. Möchte man den Lohnabstand gewahrt haben, dann muss man dafür als Arbeitnehmer auch etwas tun. Freiwillig geben Arbeitgeber nur ungern angemessene Lohn- bzw. Gehaltserhöhungen.

  • 11 Relativitätstheorie 30.10.2025, 12:03 Uhr

    Es wäre besser die Lebenshaltungskosten zu senken. Krieg treibt Inflation, Zuwanderung die Miete und CO2-Kosten die Energiekosten hoch. Bei allen drei Punkten würde man mit den sogenannten Populisten besser fahren. Die Hans-Böckler-Stiftung vom Deutschen Gewerkschaftsbund hat eine Graphik über Mindestlöhne in Europa, Stand Januar 2025. Da steht der Mindestlohn in Deutschland bei 12,83 Euro. Polen hat da 7,03 Euro Mindestlohn, den Unterschied hatte ich deutlicher in Erinnerung. Aber direkter Nachbar Tschechien ist da mit 4,95 Euro aufgeführt. Der Mindestlohn muss zu den Lebenshaltungskosten passen und zu den Mindestlöhnen in Nachbarländern wenn es keinen Zoll gibt. Eine Betrachtung des Mindestlohns ohne Relation zu Lebenshaltungskosten sagt nichts aus. Die Ukraine hat einen Mindestlohn von 1,10 Euro und wir bezahlen diesen Krieg, treiben die Lebenshaltungskosten dadurch hoch damit ein völlig korruptes Land auch noch in den gemeinsamen Markt kann.

  • 10 Lena 30.10.2025, 10:08 Uhr

    Nur die Gastrobranche soll mal ganz still sein: die Reduzierung der Mehrwertsteuer wird garantiert nicht an die Kunden weitergegeben. Interessieren würde mich auch, ob bzw. wieviel Menschen durch die Erhöhung des Mindestlohns keine Aufstocker mehr sind. Vielleicht gibt es dazu mal einen Beitrag in WDR aktuell. Jedenfalls fand ich ein Interview mit einem Dehoga-Funktionär undifferenziert (s.o.).

    Antworten (1)
    • Bernd 1 30.10.2025, 16:25 Uhr

      Ich stimme Ihnen beim Beispiel der Gastrobranche zu, hat sie während Corona auch nicht gemacht. Es wurde von 19 auf 7% gesenkt, 12% immerhin.Als diese Regelung zurückgenommen wurde, hat die Branche die Preise erhöht. 24% zusammen, schon ein kräftiger Schluck aus der Pulle.

  • 9 Britta 29.10.2025, 18:34 Uhr

    Ich finde es gut den Mindestlohn zu erhöhen! Wir können aber davon ausgehen, das die Arbeitgeber dann auch die Preise ihrer Produkte erhöhen. Schon jetzt wird alles teurer weil u.a. die Löhne steigen. Ich denke, das wird eine Nullrunde für die Arbeitnehmer.

    Antworten (3)
    • Michi 29.10.2025, 21:09 Uhr

      "Ich denke, das wird eine Nullrunde für die Arbeitnehmer." Nicht ganz richtig. Das wird eher mal wieder eine Minusrunde für die Arbeitnehmer. Die Preiserhöhungen werden die paar Cent mehr Mindestlohn bei weitem übersteigen. Dieses Mindestlohnmodell nutzt nur dem Staat der daran ordentlich Steuern verdient. Die Zeche zahlen wir mal wieder.

    • Britta 30.10.2025, 08:26 Uhr

      Michi, genau das habe ich mit der Nullrunde gemeint!

    • Relativitätstheorie 30.10.2025, 12:08 Uhr

      Lohn- Preisspirale wäre schlecht, Auslagerung von Produktion ins Ausland wäre schlechter.

  • 8 MG Sprinter 29.10.2025, 17:53 Uhr

    Dann müssen jetzt alle anderen auch mehr bekommen, welche eine Ausbildung gemacht haben. Der Abstand zwischen gelernt und nicht gelernt muss beibehalten bleiben

  • 7 Ludger Bott 29.10.2025, 17:08 Uhr

    Dann hoffen wir mal, dass kleine Unternehmen das Problem nicht so lösen, dass vorher fünf bezahlbare Minijobs für Geringqualifizierte auf vier bezahlbare zusammen gestrichen werden.

  • 6 Brigitta S. 29.10.2025, 16:57 Uhr

    Das ist ein wichtiger Schritt für mehr Gerechtigkeit und Anerkennung derer, die unser Land Tag für Tag am Laufen halten. Zitat Bärbel Bas. Somit bekommt nur der mehr die arbeiten, während die ärmeren Rentner die Jahrzehnte gearbeitet haben wieder am Ende den Kürzeren ziehen bei den hohen Preisen. Ist der politische Konflikt um den Mindestlohn und um die Löhne gerecht für alle, damit jetzt beendet? Für den Mindestlohn evtl. schon, aber wie werden die Preise steigen, wenn Unternehmen versuchen sollten, zum Ausgleich der höheren Lohnkosten auch die Preise zu erhöhen? Die Lohnkosten für die Arbeitgeber erhöhen sich, wer nützt es aus? Die Gastronomie, der Friseur z. Bps. wo die Preise weiter steigen? Mit dem etwas höheren Mindestlohn zieht das gerechte Einkommen für alle in Deutschland ein? Den einen wird gegeben, den anderen genommen, meistens trifft es die Schwächsten im Land, die das Land auch am Laufen halten, weil auch sie teuer konsumieren müssen wegen der hohen MwSt.

  • 5 Mike 29.10.2025, 16:07 Uhr

    Wieso werden bei Mindeslohn immer Reinigungskräfte gezeigt ? Der Mindeslohn ist daeh schon höher als der normale Mindeslohn!

  • 4 Markus Pilch 29.10.2025, 15:47 Uhr

    Der einzige der davon profitiert ist der Staat. Durch die Erhöhung des Mindestlohns kassiert der Staat von jedem Arbeitnehmer wieder mehr Steuern. Wir Arbeitgeber werden dadurch noch mehr belastet durch noch höhere Sozialabgaben. Das ist die größte Verarsche. Denkt eigentlich keiner mehr nach, dass der Arbeiter und Arbeitgeber nur verarscht wird.? Die Sozialabgaben und Versicherungsbeiträge sollten lieber gesenkt werden, dann bleibt für den Arbeiter etwas mehr übrig….

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