Kunden, Banden, Personal: Wer im Einzelhandel am meisten stiehlt
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Im Einzelhandel wird so viel gestohlen wie lange nicht mehr. 4,2 Milliarden Euro Schaden haben Diebe im vergangenen Jahr verursacht. Zu dem Ergebnis kommt die Studie der Kölner Handelsforscher vom EHI Retail Institut. 98 Unternehmen mit über 17.000 Läden haben sie dafür befragt.
Von Nico Rau
Die Diebe stehlen, was nicht festgenagelt ist, sagen die Handelsforscher. Jeden Tag verschwinden Waren im Wert von etwa 13 Millionen Euro. Beliebt sind bei den Dieben vor allem hochwertige, kleinteilige Produkte. Die lassen sich gut verstecken und wieder verkaufen. In den Supermärkten stehlen sie häufig Alkohol, Batterien und Rasierklingen. Sie folgen dabei auch Trends und klauen verstärkt Energydrinks. Doch ebenso Käse und Wurst aus den Selbstbedienungsabteilungen. Im Drogeriemarkt sind Kajal, Lippenstift oder Parfüm häufiges Diebesgut. Im Baumarkt lassen sie auch größere Waren mitgehen wie Akku-Werkzeuge und Mähroboter.
Diebstahl durch Kunden, Mitarbeiter und organisierte Kriminalität
Selbstbedienungskasse eines Supermarktes
Fast drei Viertel der Waren klauen die Kunden. Sie stehen für rund drei Milliarden Euro Schaden. Insgesamt haben Diebstähle in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Handelsforscher machen dafür auch den Trend zu SB-Kassen als Grund aus. Durch diese werde deutlich mehr geklaut und getäuscht: Etiketten werden ausgetauscht, um so weniger zu bezahlen. Was den Forschern auffällt: Laden-Diebstähle werden immer häufiger von Banden organisiert. Sie ziehen mit mehreren Personen los und gehen arbeitsteilig vor. Einer lenkt ab, der Andere sammelt im Laden Diebesgut in Depots und der Dritte flieht mit den Waren. Allerdings sind auch eigene Mitarbeiter an Diebstählen beteiligt, ebenso wie Lieferanten und Servicekräfte wie Regaleinräumer oder Reinigungskräfte. Diese Gruppe steht für rund ein Viertel der Schadenssumme.
Protest gegen hohe Preise und Gelegenheitskriminalität
Gelegenheits-Diebstähle und Beschaffungskriminalität sind klassische Gründe, warum Diebe zugreifen. Aber Studienautor und Handelsforscher Frank Horst vom EHI sagt darüber hinaus: „Es gibt immer mehr Leute, die sich bestimmte Produkte nicht mehr leisten können oder wollen - auch aus Protest gegen die Preise. Immer häufiger klauen auch Senioren und Familien.“
Frustrierter Handel
Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland
Während die Schadenssumme durch Diebstähle steigt, sinkt die Zahl der Anzeigen bei der Polizei. Auch, weil Händler seltener Anzeige erstatten, wie Stefan Genth vom Handelsverband Deutschland (HDE) berichtet: "Viele Händler sind frustriert, weil Anzeigen selten zu einer Verurteilung und Sanktionierung der Täter führen und ersparen sich daher den mit der Strafanzeige verbundenen bürokratischen Aufwand." Außerdem bleiben 98 Prozent der Diebstähle unentdeckt und damit sowieso folgenlos.
Hohe Kosten für Sicherheit
Der Handel investiert jährlich über drei Milliarden Euro für Detektiveinsätze, Testkäufe, Schutzmaßnahmen, Warensicherung oder Kameraüberwachung. Die wirkungsvollste Maßnahme wäre eine lückenlose Videoüberwachung und Sicherheitspersonal vor Ort, das jederzeit eingreifen kann. Doch das ist mit hohen Kosten verbunden und für viele Händler zu teuer. Der Handelsverband Deutschland fordert von der Politik deutliche Maßnahmen, um Ladendiebstähle zu reduzieren.
Über dieses Thema berichten wir am 24. Juni 2025 auch in der Hörfunksendung WDR 5 Morgenecho.
Unsere Quellen:
- Studie der Kölner Handelsforscher vom EHI Retail Institut