Diagnose Knochenkrebs: Flugbegleiter Alex kämpft sich zurück in die Luft

Aktuelle Stunde 04.02.2026 27:22 Min. UT Verfügbar bis 04.02.2028 WDR Von Alexa Schulz

Sterberisiko sinkt: Alex hat Krebs überlebt und möchte Mut machen

Stand:

Zum Weltkrebstag gibt es gute Nachrichten: Das Risiko, an Krebs zu sterben, sinkt. Doch die Zahl der Toten steigt trotzdem, weil unsere Gesellschaft immer älter wird. Hier sind Erkenntnisse aus neuen Daten - und eine persönliche Geschichte.

Von Sabine Schmitt und Alexa Schulz

Reisefieber, Aufbruchstimmung: Das mag Alexander Böhmer. Als Flugbegleiter jettet er um den Globus. Und wohl niemand käme auf die Idee, dass dieser junge Mann, den wir am Flughafen Köln/Bonn treffen, eine Beinprothese trägt.

Alex war 19 Jahre alt, als er die Diagnose Knochenkrebs bekam. Was mit Schmerzen im rechten Knie begann, wurde eine Frage von Leben und Tod. Der Moment der Diagnose habe sein Leben geteilt - in ein Davor und ein Danach, sagt er heute. Die Diagnose war "ein Riesenschock" - es folgten 15 Chemotherapien, neun Operationen - und es gab Komplikationen: Das rechte Bein musste oberhalb des Knies amputiert werden. Alex sagt, der Arzt habe das mit dem Bein damals versucht, "das auf eine nette Art anzusprechen". Er habe gesagt:

"Du, Alex, man ist auch mit nur einem Bein ein guter Mensch." Behandelnder Arzt

Darauf habe er geantwortet: "Das Gespräch möchte ich nicht führen." Aber je mehr er sich mit dem Gedanken beschäftigt habe und je dringlicher die Zeit wurde, habe er gedacht: "Im Gegensatz zu einem Nicht-Überleben ist alles andere nicht so schlimm."

Flugbegleiter Alex kämpft sich nach Knochenkrebs-Diagnose zurück

Flugbegleiter kämpft sich nach Knochenkrebs zurück

Inzwischen ist Alexander Böhmer seit sechs Jahren krebsfrei. Die Kontroll-Termine alle sechs Monate waren "jedes mal der Horror", sagt er. Doch es überwiegt seine Lebensfreude - und er möchte anderen Krebs-Betroffenen Mut machen.

"Es ist okay, Angst zu haben, es ist okay zu zweifeln, es ist okay mal den Kopf in den Sand zu stecken. Aber es ist ganz wichtig weiterzumachen. Manchmal ist es schon genug, einen Tag nach dem anderen zu meistern." Alexander Böhmer

Neue Daten: Erkenntnisse zum Weltkrebstag

In der Statistik ist die Geschichte von Alex nur eine Zahl. Er ist einer von vielen Menschen in Deutschland, die im Leben mit der Diagnose Krebs konfrontiert werden. Zum heutigen Weltkrebstag haben das Statistische Bundesamt und auch der Statistische Landesbetrieb NRW neue Zahlen veröffentlicht. Aus diesen Daten gehen Trends hervor, Unterschiede nach Geschlecht und wo in NRW Menschen seltener oder häufiger an Krebs sterben. Hier sind die sieben Erkenntnisse aus diesen Daten:

#1 Weniger Menschen sterben an Krebs - außer in zwei Altersgruppen

Die gute Nachricht: Das Risiko, an Krebs zu sterben, ist in den letzten 20 Jahren deutlich gesunken, vor allem bei jungen Patienten. Die absolute Zahl der Krebstoten in Deutschland ist allerdings insgesamt gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt starben 2024 bundesweit 230.400 Menschen an Krebs, rund zehn Prozent mehr als 2004. Hauptgrund für diesen Anstieg ist die alternde Bevölkerung. Denn Krebs tritt vor allem im höheren Alter auf - und weil immer mehr Menschen älter werden, steigt auch die absolute Zahl der Krebstoten, obwohl das individuelle Risiko sinkt.

Die Sterblichkeit aufgrund von Krebs ging in fast allen Altersgruppen zurück. Allerdings gibt es zwei Ausnahmen: In den seltenen Fällen, in denen 5- bis 9-Jährige erkranken, und bei Menschen über 90 Jahre. In diesen beiden Altersgruppen war die Zahl der Sterbefälle aufgrund von Krebs etwas höher als 20 Jahre zuvor.

#2 Krebs bleibt die zweithäufigste Todesursache

Der Anteil der Krebstodesfälle an allen Todesfällen in Deutschland ist in den letzten 20 Jahren zurückgegangen - von 25,6 Prozent im Jahr 2004 auf 22,9 Prozent im Jahr 2024. Krebs macht damit heute einen kleineren Anteil der Todesfälle aus als früher. Krebs bleibt aber bundesweit weiter die zweithäufigste Todesursache nach Herz‑Kreislauf-Erkrankungen.

Wie das Statistische Landesamt berichtete, starben in NRW 2024 insgesamt mehr als 51.000 Menschen an Krebs - das sind etwa so viele wie ein Jahr zuvor.

#3 Bonn hat die niedrigste krebsbedingte Sterberate, Herne die höchste

Wie viele Menschen in NRW-Städten an Krebs sterben, das ist nicht überall gleich. Nach den Daten des Statistischen Landesamtes hatte Bonn 2024 die niedrigste krebsbedingte Sterberate mit 218 Sterbefällen je 100.000 Einwohner, gefolgt von Münster (224) und Düsseldorf (249). Am höchsten war die Rate in Herne mit 345 Fällen je 100.000 Einwohner, gefolgt von Hagen (324) und Hamm (320).

In ganz NRW ergab sich 2024 eine krebsbedingte Sterberate von 284 Personen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner - zehn Jahre zuvor waren es 293 Fälle.

In absoluten Zahlen gab es 2024 die meisten Todesfälle durch Krebs in NRW in den Städten Köln (2.582), Essen (1.775) und Dortmund (1.731) sowie in den Kreisen Recklinghausen (2.031), Rhein-Sieg-Kreis (1.714) und Wesel (1.538).

Die wenigsten Krebstodesfälle wurden in den Städten Remscheid (309), Bottrop (354) und Leverkusen (457) sowie in den Kreisen Olpe (340), Höxter (392) und Coesfeld (567) verzeichnet.

#4 Verbesserte Früherkennung, Prävention und Behandlung senken wohl die Sterblichkeit

"Ursachen für den Rückgang der Sterblichkeit dürften verbesserte Behandlungsmethoden, Möglichkeiten zur Früherkennung und Prävention sein", sagt das Team Gesundheitsstatistiken. Hedwig Deubzer ist Krebsspezialistin an der Charité in Berlin. Sie sagt: "Wir können heute die Tumorzellen sequenzieren und ihr einzigartiges Profil verstehen. Wir haben immuntherapeutische Maßnahmen, die früher nicht zur Verfügung standen und zielgerichtete Therapien, die genau auf den einzelnen Tumor abgestimmt sind." Das sei ein Fortschritt.

Krebsforscherin: "Prävention ins Zentrum stellen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 04.02.2026 06:55 Min. Verfügbar bis 04.02.2027 WDR 5


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Welche Untersuchungen der Früherkennung es gibt, was als sinnvoll gilt - das haben wir hier für euch zusammengefasst:

Neue Hoffnung für Menschen mit Krebs macht auch die aktuelle Forschung: Denn Forschende arbeiten an einer Impfung, die die Behandlung von Krebs revolutionieren könnte. Mehr dazu hier:

#5 Fast vier von zehn Krebsfällen weltweit könnten verhindert werden

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verweist zum Weltkrebstag auf eine aktuell im Fachmagazin "Nature Medicine" veröffentlichte Studie. Darin heißt es: Fast vier von zehn Krebsfällen weltweit könnten verhindert werden. Konkret gehe es um etwa 38 Prozent aller neuen Krebsfälle im Jahr 2022 - das entspricht laut WHO weltweit 7,1 Millionen Neuerkrankungen, die vermeidbar seien. Die größten Risikofaktoren sind demnach:

  • Tabakkonsum (15 Prozent aller Neuerkrankungen)
  • Krebsauslösende Infektionen (10 Prozent) - zum Beispiel HPV
  • Alkoholkonsum (3 Prozent)
  • ... gefolgt von Übergewicht, Bewegungsmangel, UV-Strahlung und Kontakt mit Asbest

#6 Krebskranke sterben im Schnitt mit 75,3 Jahren, andere Menschen erst mit 79,4

Menschen, die an einer Krebserkrankung starben, waren in NRW im Durchschnitt 75,3 Jahre alt, alle anderen Verstorbenen 79,4 Jahre. Das schreibt der Statistische Landesbetrieb NRW.

#7 Darmkrebs wird bei jüngeren Menschen häufiger

Ärzteteam bei einer Darmspiegelung (Koloskopie)

Ärzteteam bei einer Darmspiegelung (Koloskopie)

Wegen Darmkrebs wurden jüngere Menschen im Jahr 2024 häufiger im Krankenhaus behandelt als 20 Jahre zuvor: In den Altersgruppen der 15- bis 44-Jährigen stieg laut Statistischem Bundesamt die Zahl der Darmkrebsbehandlungen je 100.000 Einwohner, während sie in den älteren Gruppen zurückging. Am deutlichsten war der Anstieg bei den 20- bis 24-Jährigen, wo die Zahl der Behandlungsfälle je 100.000 Einwohner von 2,6 im Jahr 2004 auf 3,6 im Jahr 2024 stieg. Unter den 35- bis 39-Jährigen war der Anstieg ebenfalls vergleichsweise hoch - von 21,8 Fällen im Jahr 2004 auf 27,5 Fälle im Jahr 2024. 

Das Statistische Landesamt NRW weist auch Unterschiede nach Geschlecht aus: Krebserkrankungen der Verdauungsorgane wie Darmkrebs waren demnach in NRW 2024 mit 30 Prozent bei Männern und 27,2 Prozent bei Frauen die häufigste krebsbedingte Todesursache. Bundesweit starben 2024 23.600 Menschen an Darmkrebs

Zu den Ursachen für diesen Trend äußerte sich das Bundesamt nicht. Experten vermuten als potenzielle Gründe mehr Übergewicht, ungesündere Ernährung und weniger Bewegung. Auch zuckerhaltige Getränke und Energy Drinks stehen im Verdacht, das Risiko für frühen Darmkrebs zu erhöhen, schreibt die British Society of Gastroenterology.

Hier erklärt euch das Team von Quarks, wie Vorsorge helfen kann, Darmkrebs früh zu erkennen und Schlimmeres zu verhindern:

Unsere Quellen:

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 04.02.2026, 12.45 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 04.02.2026, 18.45 Uhr

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