Merz in Brasilien: Klima-Kanzler – Klimaneutral oder egal? | Aktuelle Stunde

Aktuelle Stunde 07.11.2025 43:10 Min. UT Verfügbar bis 07.11.2027 WDR Von Jan Hofer

UN-Klimakonferenz in Brasilien: Wo stehen wir beim Klimaschutz?

Stand:

Im brasilianischen Belém läuft die nächste UN-Klimakonferenz. Doch wo stehen wir aktuell beim globalen Klimaschutz? Fragen und Antworten anlässlich der COP30.

Vor zehn Jahren brach Jubel aus in Paris: Nach zähem Ringen hatte sich die Weltgemeinschaft darauf verständigt, die Klimakrise in den Griff zu bekommen. Das Pariser Klimaabkommen mit dem 1,5-Grad-Ziel war geboren. Inzwischen hat sich die Krise zugespitzt – und man trifft sich in Brasilien am Rande des für das Weltklima so wichtigen Regenwaldes am Amazonas zur Klimakonferenz der Vereinten Nationen, der COP30.

Auch der Klimaforscher Niklas Höhne ist zur COP30 gereist. Der Gründer des NewClimate Instituts sagt: "Im Prinzip machen wir alle zu wenig." Der Klimaschutz sei keineswegs erledigt - auch wenn er in der gesellschaftlichen und politischen Debatte aktuell nicht so präsent ist. Doch was heißt das - für die Politik und für uns?

Wie entwickelt sich das Weltklima?

Niklas Höhne, Wissenschaftler und Klimaexperte für nationale und internationale Klimapolitik.

Niklas Höhne

Nicht so wie erhofft und vereinbart. Laut UN-Prognose steuert die Welt aktuell auf 2,8 Grad Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts zu und reißt das international vereinbarte 1,5-Grad-Ziel von Paris 2015 schon innerhalb des nächsten Jahrzehnts. Höhne warnt: "Das ist ein Szenario, das wir unbedingt vermeiden müssen." Bereits heute seien die Folgen sichtbar, "die nicht mehr beherrschbar sind", was beispielsweise zuletzt der Hurrikane "Melissa" in Jamaika gezeigt habe.

Bislang haben es die Menschen also trotz aller Konferenzen und Pläne nicht geschafft, das Ruder herumzureißen, und die weltweiten Emissionen steigen weiter.

Gleichzeitig zeigt sich: Es gibt eine leichte Trendwende und Grund zur Hoffnung. Vor zehn Jahren gingen UN-Berechnungen nämlich noch von einer Erwärmung von 3 bis 3,5 Grad aus. Aktuell sind es noch 2,8 Grad.

Wenn alle machen, was sie ohnehin schon versprochen haben, kommen wir bei 1,9 Grad raus. Wir sind besser geworden – aber eben noch bei weitem nicht gut genug. Klimaforscher Niklas Höhne

Welche großen Stellschrauben müssen gedreht werden?

Zwei zentrale Punkte sind laut Höhne entscheidend:

  • 1. Der globale CO2-Ausstoß muss runter. Solange Kohle, Öl und Gas verbrannt werden, steige die Temperatur weiter, sagt Höhne. "Die Treibhausgas-Emissionen sind so hoch wie nie und müssen auf 0. Davon sind wir noch weit weg." Zudem müsse die Entwaldung gestoppt werden.
  • 2. Erneuerbare Energien, Elektromobilität, Speichertechnologien und Wasserstoff-Systeme müssen massiv ausgebaut werden.

Das Problem: "Wenn man sich die einzelnen Klimaschutzmaßnahmen aller Länder anguckt, dann muss man leider feststellen, dass niemand 100 Prozent auf dem richtigen Weg ist", sagt Höhne.

Was kann die UN-Klimakonferenz in Belem leisten?

Der Klimaforscher formuliert seine Erwartungen vorsichtig: "Die Situation ist extrem angespannt. Ich erwarte nicht den Durchbruch." Was er erwartet: Dass die internationale Gemeinschaft zeige, dass sie "zusammenarbeiten will", dass sie an ein "regelbasiertes Miteinander" glaube. Es gehe nicht nur um spektakuläre Ergebnisse – sondern um ein Signal: Wir ziehen gemeinsam an einem Strang.

Zudem setzt Höhne auf China. Nach dem Rückzug der Trump-Administration aus internationalen Klimaverhandlungen sieht er ein Führungs-Vakuum, das gefüllt werden müsse. China investiere trotz immer noch hoher Emissionen massiv in erneuerbare Energien, Elektromobilität, Batteriespeicher und Wasserstofftechnologien und habe die Klimatransformation als Marktchance erkannt. "China wird hier eine sehr wichtige Rolle spielen."

Bereits am Donnerstag und Freitag sind Staats- und Regierungschef nach Belém gereist, um die Konferenz vorzubereiten. Dabei sagte Bundeskanzler Merz (CDU) zu, dass sich Deutschland an einem Milliarden-Fonds zum Schutz der Tropenwälder beteiligen werde. Mit wie viel Geld genau, ließ Merz offen.

Belém: Bundesregierung unterstützt Milliarden-Tropenwald-Fonds

WDR Studios NRW 07.11.2025 01:00 Min. Verfügbar bis 07.11.2027 WDR Online


Was wäre ein Erfolg beim Klimagipfel in Belém?

Im besten Fall würde ein Paket beschlossen, "um alle notwendigen Schritte zu gehen, damit die globale Erwärmung doch noch unter 1,5-Grad-Pfad stabilisiert werden kann", sagte der deutsche Greenpeace-Chef Martin Kaiser vorab der dpa – inklusive eines verbindlichen Plans zum Ausstieg aus fossilen Energien.

Bei der vergangenen Klimakonferenz hatten Ölstaaten wie Saudi-Arabien versucht, eine Vereinbarung zum angestrebten Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas zu blockieren. Zudem wäre Beobachtern zufolge wichtig, Zusagen an ärmere Länder mit Geld zu unterfüttern. Im vergangenen Jahr in Aserbaidschan waren diese heiklen Fragen zum Teil aufgeschoben worden.

Klimaschutz: "Alle machen zu wenig"

WDR 5 Morgenecho - Interview 06.11.2025 08:44 Min. Verfügbar bis 06.11.2026 WDR 5


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Und was kann jeder Einzelne für den Klimaschutz tun?

Höhne unterscheidet zwischen dem Fuß- und dem Handabdruck. Fußabdruck heißt: weniger Auto fahren, stattdessen öfter das Fahrrad und den ÖPNV nutzen, dazu weniger Fleisch essen oder Gebäude dämmen.

Der Handabdruck ist für ihn das gesellschaftliche Engagement für den Klimaschutz, sei es in Parteien oder Umweltverbänden. "Das ersetzt natürlich keine politischen Maßnahmen", sagt Höhne. Aber sowohl der Fuß- als auch der Handabdruck könnten schon viel bewirken.

Massendemonstrationen fürs Klima, wie es sie vor ein paar Jahren noch gab, sind allerdings selten geworden. Stattdessen beschäftigen die Menschen aktuell vor allem die Themen Zuwanderung und Flucht, Wirtschaft und Ungerechtigkeit, heißt es im aktuellen ARD-Deutschlandtrend. Erst dann kommen die Themen Umwelt und Klima.

Klimakrise – nur noch ein Nischenthema?

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 06.11.2025 20:03 Min. Verfügbar bis 05.11.2026 WDR 5 Von Tini von Poser


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Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Niklas Höhne
  • ARD-Deutschlandtrend
  • Nachrichtenagentur dpa

Kommentare zum Thema

5 Kommentare

  • 5 regionale Flughäfen 11.11.2025, 20:47 Uhr

    wir benötigen keine regionalen Flughäfen! In unserem Bundesland reichen maximal drei Flughäfen. Aus meiner Sicht haben wir zwei Großflughäfen im Westen, ein weiterer im Norden oder Osten sehe ich mit Fragezeichen, ?. Selbst Düsseldorf und Köln bedienen vorwiegend >überlaufende< touristische Ziele. - Allein für die Fahrt zum Flughafen benötige ich Zeit, gleich ob mit dem Auto oder mit dem ÖPNV - an den Flughäfen muss ich zwei Stunden vor Abflug sein . . . in dieser Zeitspanne bin ich aus NRW auch in Frankfurt . . . - mit dem ICE sogar direkt am Frankfurter Flughafen - Fahrzeit etwa eine Stunde ab Düsseldorf-Hauptbahnhof - dies ist außerdem umweltfreundlicher . . . und entspannter. - Konferenzen finden seit Corona vermehrt digital statt und dies weltweit. - - und je länger wir uns gegen Veränderungen in unserem persönlichen Verhalten zur Wehr setzen, um so gravierender werden die Auswirkungen, auf die wir sehenden Auges zu laufen. Muss es erst uns selbst betreffen, bevor wir handeln?

  • 4 Oldtimer 11.11.2025, 10:30 Uhr

    Erdüberlastung kommt durch Überbevölkerung, die nicht Thema ist. Krampfhaft Umweltlast pro Mensch zu senken während die Anzahl Menschen wächst bringt kaum was. Ein finanzieller Ausgleich damit der der Regenwald nicht für Produktion von Nahrungsmittel abgeholzt wird, verschiebt nur das Problem. Irgendwoher müssen die Menschen was zu beißen bekommen und dazu muss man Fläche roden, nur wächst die Fläche des Planeten nicht mit. Auch wenn wir alle Haferbrei essen, nur noch radeln wird das Problem damit nicht gelöst, nur etwas in die Zukunft verschoben. Der Club of Rome machte Anfang 70er auf Grenzen des Wachstums aufmerksam, da gab es 3,7 Milliarden Menschen auf der Erde. Heute sind es mehr als doppelt so viel und man rechnet in absehbarer Zeit mit 10 Milliarden. Da muss man sich nicht wundern wenn Konflikte als Verteilungskämpfe zunehmen. CO2 teurer zu machen trifft vor allen Leute mit Geldsorgen. Geldsorgen reichen bis in Mittelschicht und zum Teil ist auch damit der Rechtsruck erklärt.

  • 3 Joachim 11.11.2025, 09:30 Uhr

    Man kann über dieses Thema so viel Diskutieren bis zum Ende der Welt. Aber was bringt es wenn all die Länder nicht am gleichen Strang ziehen und mitmachen? Der Klimawandel ist längst Eingetroffen und kann nicht mehr aufgehalten werden.!!! Aber man kann es versuchen weiter einzudämmen,geht aber auch nur wenn alle Länder mitmachen und es auch wissentlich durchziehen.

  • 2 Franziska 1 10.11.2025, 20:11 Uhr

    Wenn die internationale Gemeinschaft zusammen arbeiten will, dann sollte sie anfangen einen Schritt zurücktreten bei dem was sie alles am Markt anbieten lässt, was das Klima schädigt. Damit meine ich die Gesellschaft in den reichen Ländern, Europa nehme ich dazu. Es kann und darf nicht mehr sein, dass man parallel zum Klimaschutz" den gewohnten Luxus- Gang" zulässt, der nicht lebenswichtig ist. Produktions- Verzicht bei bestimmten unnötigen Dingen, die noch mehr Strom verschlingen wäre besser. Den Markt zum Bsp. säubern von Microplastiksachen die nach 3x waschen oder nach wenigen Wochen schon kaputt sind und im Müll landen. Nachhaltig verlangt der Klimaschutz, nicht kurzhaltig!

  • 1 Maßnahmen 10.11.2025, 20:07 Uhr

    zu den erforderlichen Maßnahmen gehören für mich: mehr Grün >Bäume, Sträucher< in die Innenstädte - die versiegelten Flächen umwandeln mit wasserdurchlässigen Materialien und Bäume pflanzen - Straßen wieder in Alleen umwandeln - Abschaffung "aller Dieselfahrzeuge auch in der Landwirtschaft" bis spätestens 2030 - Dieses Thema ist schon lange akut und es muss gehandelt und nicht verhandelt werden! - Aus für alle fossilen Brennstoffe bis spätestens 2035 - den gesamten Schwerlastverkehr auf die Schiene oder auf die Flüsse - LKW nur noch mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 20to erlauben. - Verbesserungen im Personennah- und -fernverkehr auf der Schiene, dadurch Verringerung der Staus auf den Straßen. - Reduzierung der Massentierhaltung auf maximal 50 Tiere pro Hof und Art, inklusive artgerechter Haltung. Feldern und Äckern die Zeit zur Erholung geben- und bei uns selbst anfangen

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