Freiwillig kinderlos - und glücklich: Zwei Frauen berichten

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Kinderlosigkeit in Deutschland: Die aktuelle Statistik zeigt einen Anstieg. Inzwischen gibt es viele Frauen, die sich bewusst gegen eigene Kinder entscheiden.

Von Dorothea Köhler und Ingo Neumayer

1,35 Kinder bekommt jede Frau in Deutschland aktuell im Schnitt. Das sind zu wenige, meinen Wissenschaftler wie Martin Bujard, Forschungsdirektor beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. "Wenn das länger anhält, sorgt das in Zukunft für sehr große Probleme", sagte er dem WDR.

"Die niedrigen Geburtenraten von heute sind der Fachkräftemangel von morgen", so Bujard: "Die Kinder, die jetzt nicht geboren werden, gehen in 20 Jahren nicht in den Arbeitsmarkt, können nicht in die Rentenkassen einzahlen, nicht in die Pflegeversicherung, zahlen keine Steuern."

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Um die Situation zu ändern, sieht Bujard zwei Themenfelder. Einerseits politische Lösungen wie Elterngeld, bessere Kinderbetreuung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Andererseits ginge es aber auch darum, "positive Narrative und optimistische Zukunftsszenarien" für das Leben mit Kindern zu entwickeln.

Entscheidung gegen Kinder abhängig von individuellen Überzeugungen

Nicht alle Frauen sehen sich als Mütter | Bildquelle: WDR/dpa/Marcel Kusch

Aber auch solche positiven Erzählungen dürften nicht alle ansprechen. Eine Studie der Dualen Hochschule Gera-Eisenach untersuchte 2022 die Motivation von 1.100 Frauen, die bewusst kinderlos blieben. "Wir sind bisher in der Forschung davon ausgegangen, dass die Rahmenbedingungen schuld daran sind, dass sich Frauen gegen Kinder entscheiden", erklärte Studienleiterin Claudia Rahnfeld. Doch stattdessen zeige die Studie, dass die Entscheidung vorwiegend auf die individuellen Überzeugungen der jeweiligen Frau zurückzuführen sei.

Zwei Frauen, die ganz offen und plakativ mit der gewollten Kinderlosigkeit umgehen, sind Verena Kleinmann und Julia Brandner. Sie stehen beide als Autorinnen in der Öffentlichkeit und haben sich bewusst dafür entschieden, über ihren persönlichen Lebensweg zu sprechen.

"Ich hatte nie dieses Babyfieber"

"Alle kriegen Kinder, ich zweifele" heißt Verena Kleinmanns Buch, das im September 2025 im Rowohlt-Verlag erscheint. Die 40 Jahre alte Journalistin ist Feministin und Host des hr-Podcasts "Kein Kinderwunsch". "Ich habe es nie in meinem Leben hundertprozentig ausgeschlossen", sagte sie dem WDR. Man wisse nie, ob das Leben noch eine Kehrtwende nehmen könne. Aktuell sei sie aber kinderlos sehr glücklich.

Mutter werden: "Weiß ich nicht, ob ich das auch will" WDR 5 Morgenecho - Interview 18.07.2025 06:37 Min. Verfügbar bis 18.07.2026 WDR 5

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Wenn die Wahl möglich wäre, hätte sich Kleinmann eher für die Vater-Rolle entschieden. "Ich habe meine Mutter selbst gesehen, wie sie unter einer unfassbaren Mehrfachbelastung gelitten hat", erzählt sie.

Immer wieder habe Kleinmann Partner gehabt, die Kinder und eine Heirat wollten. Doch das war nicht das Richtige für sie. "Ich hatte nie dieses Babyfieber", so Kleinmann. Andere Faktoren für die Entscheidung gegen eigene Kinder sind für sie: Fremdbestimmung durch das Kind, Erschöpfung und eine schwere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Kinderlosigkeit: Sterilisation mit 28 Jahren

Comedienne und Autorin Julia Brandner | Bildquelle: picture alliance / dts-Agentur

Noch konsequenter ging Julia Brandner das Thema an. Die Comedienne und Influencerin ließ sich mit 28 Jahren sterilisieren. "Ich habe das Gefühl, ein Kind würde mein Leben nicht bereichern. Ein Kind sollte man aber wollen und ein Kind verdient es, absolut gewollt zu werden", sagte die 29-Jährige dem SWR. Für den Schritt musste sich die junge Frau, die aus Österreich stammt, sogar einem psychiatrischen Gutachten unterziehen. Ihre Gynäkologin bestand damals darauf.

In ihrem Buch "I'm Not Kidding" erklärt Brandner, warum sie keine Lust auf Kinder hat - und warum sie sich dafür nicht entschuldigen will. "Ich habe jetzt eine Körperfunktion nicht mehr, die ich nie haben wollte und die ich nie gebraucht habe", sagte sie dem WDR.

Freiwillig kinderlos? Das sorgt für Beleidigungen im Netz

Auf Instagram hat Brandner mehr als 60.000 Follower (Stand: Juli 2025). Dort bekommt sie immer wieder negative Kommentare, weil sie sich gegen eigenen Nachwuchs entschieden hat. Was (meist Männer) in den Kommentarspalten über ihre Kinderlosigkeit hinterlassen, ist oftmals beleidigend. Sprüche wie "Nicht die Hellste", "Mann und Frau gegeneinander aufhetzen läuft", "Keine Rente für Kinderlose" sind da noch recht harmlos.

Ihr direktes Umfeld habe hingegen positiv oder zumindest gleichgültig reagiert. "Alle akzeptieren, dass das meine persönliche Entscheidung ist, die niemanden außer mich glücklich machen muss", sagte Brandner der Frauenzeitschrift "Marie Claire".

Unsere Quellen:

Seid ihr auch freiwillig kinderlos? Was sind eure Gründe, auf Nachwuchs zu verzichten? Musstet ihr euch schon unpassende Kommentare wegen eurer Entscheidung anhören oder ist euer Umfeld verständnisvoll? Schreibt es uns in die Kommentare auf wdr.de oder schickt eine Mail an wdraktuell@wdr.de

Über dieses Thema berichten wir am 18.07.2025 auch im WDR Fernsehen: Aktuelle Stunde, 18:45 Uhr.

Kommentare zum Thema

  • Brigitta S. 20.07.2025, 15:19 Uhr

    Es gibt auch noch andere Gründe, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Dass ist das Thema arm, gutsituiert oder sehr reich zu sein. Arme Ehe- Paare bräuchten viel mehr Unterstützung, Gutsituierte genießen die (ungerecht verteilte) Gleichheitszahlung vom Staat, nehmen was sie bekommen ohne in Not wirklich zu sein. Die Jüngeren der Reichen die im Internet sorglos plädieren ohne Kinder wie schön Freiheit sei, die können ganz schön einflussbar sein im Netz. Diejenigen die sagen, ja ich hätte gerne Kinder gehabt, habe zu lange abgewartet, die liegen mit ihrer Erkenntnis sehr spät, wenn sie jetzt erst ins Grübeln kommen. Folgende Ausrede verstehe ich von Erwachsenen nicht: „Ich wollte nie Kinder, denn ich möchte nicht die Fehler meiner Eltern wiederholen“. Ende. Wie so Fehler wiederholen? Jeder hat die Chance beim eigenen Kind, es besser zu machen. Ohne Kinder geht die Arbeitswelt in Deutschland noch mehr kaputt, wenn nicht jetzt, aber in einigen Jahrzehnten.

  • Anonymes Etwas 20.07.2025, 15:07 Uhr

    Erstmal überhaupt das Glück haben eine Frau fürs Leben zu finden und ich bin Anfang 30.

  • Karin B 20.07.2025, 14:35 Uhr

    Die Mär von den selbstlosen Müttern, die sich aufopfern, um wichtige Beitragszahler zu produzieren, kann ich nicht mehr hören. Fakt ist, dass kinderlose Frauen in der Regel lebenslang vollzeit arbeiten und Unmengen Steuern und Abgaben zahlen, während Mütter zum größten Teil gar nicht oder Teilzeit arbeiten. Mit Elterngeld, Kindergeld, Familiengeld, kostenloser Krankenversicherung etc. werden Familien 25 bis 30 Jahre von den Abgaben der Kinderlosen gut versorgt und es ist fraglich, ob deren Kinder überhaupt jemals ins Sozialsystem einzahlen. Außerdem wächst die Weltbevölkerung jährlich um 80 Millionen Menschen und die Natur ist von der Menschenmasse völlig überlastet. Sich gegen Kinder zu entscheiden ist das Gegenteil von Egoismus und die beste Möglichkeit, Natur und Ressourcen zu entlasten.