Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch, auch an den Schulen. Da wurde sie bisher vor allem als Problem wahrgenommen, weil Schüler zum Beispiel Hausaufgaben von KI bearbeiten lassen können, anstatt sie selbst zu machen. Bremen geht einen anderen Weg und führt als erstes Bundesland den KI-Chatbot Telli flächendeckend ein.
KI im Unterricht bietet auch Chancen
Denn inzwischen ist klar, dass KI im Unterricht auch viele Chancen bietet. In NRW läuft seit ein paar Monaten ein Pilotprojekt an 25 Schulen, bei dem erforscht wird, wie genau künstliche Intelligenz sinnvoll eingesetzt werden kann. Eine der Schulen, die daran teilnehmen, ist das Dalton-Gymnasium in Alsdorf.
Mathelehrer Stefan Rogge unterrichtet Neuntklässler mit Hilfe der KI ChatGPT. Die Aufgabenstellung ist, das Volumen eines Wasserturms zu berechnen, der vor dem Schulgebäude steht.
ChatGPT als Hilfslehrer
Die Schüler arbeiten in Gruppen zusammen, jede Gruppe hat einen Tablet-PC. In den vergangenen Unterrichtsstunden haben sie schon die Berechnung von einzelnen geometrischen Körpern kennengelernt, der Wasserturm aber ist komplexer. Die Gruppe von Nida Birinchi und Umar Dzaferovic tippt also die Frage ein: "Wie wird das Volumen des Wasserturms berechnet?"
ChatGPT "unterhält" sich mit den Schülern
Mathelehrer Stefan Rogge hat ChatGPT auf diese Unterrichtsstunde vorbereitet und einen sogenannten KI -Tutor erstellt. Das Programm kennt also die Aufgabenstellung der Unterrichtsstunde und weiß, dass es den Schülern so helfen soll, dass sie die einzelnen Schritte verstehen. "Ich würde jetzt sagen, das läuft über furchtbar komplexes Programmieren. Das stimmt aber gar nicht, sondern man schreibt eigentlich in einer Befehlsmaske mit dieser KI und sagt, reagiere auf bestimmte Verhaltensweisen der Schüler, und so baut man diese Tutoren."
Hilfe auch beim Lernen zu Hause
Das funktioniert recht gut. Die künstliche Intelligenz gibt nicht gleich alle Informationen preis, sondern begleitet die Schüler bei ihrem Erkenntnisprozess. Der Wasserturm, zeigt sich im Laufe der Unterrichtsstunde, besteht aus mehreren geometrischen Figuren, einem Zylinder oder einem Kegelstumpf zum Beispiel. Für jede Figur gibt es eine eigene mathematische Formel.
"Das Gute ist, wenn zum Beispiel Herr Rogge bei jemand anderem ist, dass wir dann ChatGPT nachfragen können", sagt Neuntklässlerin Nida Birinchi. Richtig eingesetzt kann künstliche Intelligenz auch Kindern helfen, die zu Hause beim Lernen keine Unterstützung haben, glaubt sie, "es gibt viele Kinder, die haben zu Hause keine Eltern, da können wir halt auch Chat GPT fragen und dann dran arbeiten."
KI wird Lehrer nicht ersetzen
Im Matheunterricht am Alsdorfer Gymnasium übernimmt die KI die Rolle eines Hilfslehrers, der Mathelehrer Stefan Rogge während der Gruppenarbeit unterstützt. Rogge ist sich sicher, ohne die Unterstützung durch ChatGPT hätte er in der Unterrichtsstunde weniger Inhalte vermitteln können.
"Wenn die Kinder in Gruppen an den Whiteboards gestanden hätten, wären dann einige Gruppen stagniert und abgedriftet, entweder ins Stillsein, in Ablenkung, vielleicht auch ins Blödsinn machen." Gleichzeitig ist er sich sicher, künstliche Intelligenz wird echte Lehrer nicht ersetzen können.
"Best Practice" - Beispiel für den Schulunterricht
KIMADU heißt das Projekt des nordrhein-westfälischen Schulministeriums, das steht für künstliche Intelligenz im Mathematik und Deutschunterricht. Alle Erkenntnisse sollen nach Ende des Pilotprojekts zu konkreten Handlungsanweisungen weiterentwickelt werden.
"Es werden Best Practice-Beispiele entwickelt, von Lehrkräften für Lehrkräfte, die dann im Unterricht genutzt werden können", erklärt Didaktik Professor Ingo Witzke von der Uni Siegen, der das Projekt leitet. Auch NRW will also in Zukunft verstärkt auf KI im Schulunterricht setzen. Gerade erst hat die Landesregierung bekannt gegeben, zusammen mit dem Microsoft-Konzern allen 200.000 Lehrkräften im Lande die Möglichkeit zu geben, eine KI - Fortbildung zu machen.
Über dieses Thema berichtet der WDR auch in der Hörfunksendung WDR 5 Morgenecho am 26. Juni 2025.
Quellen:
- Reporter vor Ort
- Freie Hansestadt Bremen
- Schulministerium NRW
- Universität Siegen