Schneller, schlauer, neue Funktionen: Das ändert sich mit Chat GPT-5

Aktuelle Stunde 08.08.2025 22:48 Min. Verfügbar bis 08.08.2027 WDR Von Andreas Hodapp

ChatGPT-5: Das kann die neue KI von OpenAI

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OpenAI hat gestern Abend sein neues KI-Modell vorgestellt. Es ist ab sofort kostenlos für alle Nutzer verfügbar. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, was ChatGPT-5 kann - und was das für uns alle bedeutet.

Von Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.Jörg Schieb

OpenAI hat gestern Abend (07.08.2025) ChatGPT-5 veröffentlicht, das neue Sprachmodell für seinen erfolgreichen KI-Chatbot. Die KI sei nicht weniger als das "schlaueste, schnellste und praktischste Modell, das man je entwickelt habe", teilte das Unternehmen wenig bescheiden mit. Eine Art von Superlativ, der in der KI-Branche üblich ist, denn der Verdrängungswettbewerb ist groß.

Eine Besonderheit: Erstmals steht das neueste und leistungsfähigste Modell vom Start weg allen Nutzern kostenlos zur Verfügung – wenn auch mit Nutzungslimits für Gratisnutzer. Bisher war es üblich, die neuen Modelle erst nur den zahlenden Kunden anzubieten.

Deutlich bessere Leistung in allen Bereichen

Sam Altman steht unter Druck: Die Wettbewerber entwickeln ihre KI-Modelle auch rasant weiter

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Es hat sich eine Menge getan. Nutzer müssen sich nicht mehr selbst überlegen, welches KI-Modell für ihre Aufgabe das Passende ist: "O3" oder "O4-mini" - für viele Menschen ohnehin eine Entscheidung, die unlösbar scheint. ChatGPT-5 entscheidet nach der Frage oder Aufgabe selbst, ob die Antwort schnell und spontan kommt – oder eine Weile darüber nachgedacht wird, welche Art der Verarbeitung nötig ist.

ChatGPT-5 vereint erstmals alle bisherigen OpenAI-Modelle in einem System. "Es ist wie ein Team von Doktoranden-Experten in der Hosentasche", beschreibt OpenAI-Chef Sam Altman das neue System und meint damit: ChatGPT-5 hat das Wissen von Doktoranden in diversen Fachrichtungen gleichzeitig, kann selbst anspruchsvollste Aufgaben lösen – und versteht trotzdem ganz normale Fragen.

Die Verbesserungen sind messbar: Bei Mathematik-Aufgaben erreicht GPT-5 eine Erfolgsquote von 94,6 Prozent, bei komplexen Programmieraufgaben 74,9 Prozent. Auch im technischen Bereich hat OpenAI die Fähigkeiten erweitert: Die KI kann jetzt vollständige Websites und Apps allein durch Beschreibungen erstellen – sogenanntes "Vibe Coding". Zwei identische Anfragen erzeugen dabei völlig unterschiedliche, aber jeweils funktionierende Anwendungen.

Weniger Halluzinationen, natürlichere Antworten

Doch können Nutzer den Antworten des Chatbots nun vertrauen? Eine wichtige Frage: Ein ernstes Problem von KI-Systemen ist das "Halluzinieren" – das Erfinden falscher Fakten. GPT-5 soll 45 Prozent weniger faktische Fehler machen als sein Vorgänger GPT-4o, unter bestimmten Umständen sogar 80 Prozent weniger Fehler. Auch die Kommunikation wird natürlicher: Die KI wirkt weniger übertrieben hilfsbereit, nutzt weniger unnötige Emojis und stellt gezieltere Rückfragen.

Im Gesundheitsbereich zeigt sich GPT-5 besonders stark: Es kann Testergebnisse einordnen, potenzielle Gesundheitsprobleme erkennen und bei Arztgesprächen unterstützen. Das kann helfen, sich vom Chatbot Arztbriefe oder Diagnosen erklären und in verständliche Sprache übersetzen zu lassen – Nachfragen sind möglich.  Einen Arzt ersetzt die KI aber ausdrücklich nicht.

Konkurrenz holt auf – ChatGPT kämpft um Vorsprung

ChatGPT5 entscheidet selbst, ob schnelle Antworten möglich sind oder nachgedacht werden muss

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ChatGPT-5 erscheint zu einem kritischen Zeitpunkt. Konkurrenten wie Googles Gemini, Anthropics Claude und das chinesische DeepSeek haben deutlich aufgeholt. Darüber hinaus werfen chinesische Anbieter – subventioniert durch die chinesische Regierung – praktisch jede Woche neue Chatbots und KI-Modelle auf den Markt. Dagegen muss sich der Marktführer behaupten.

In Vergleichstests liegt GPT-5 zwar vorne, aber oft nur knapp: Bei Programmieraufgaben erreicht es 74,9 Prozent, Anthropics Claude 4.1 schafft 74,5 Prozent.

Besonders bei Kosten-Nutzen-Rechnungen punkten Alternativen: Googles Gemini 2.5 kostet nur einen Bruchteil von GPT-5 und bietet ähnliche Leistung. Claude gilt bei vielen Entwicklern als natürlicher im Schreibstil, während Gemini durch riesige Kontextfenster für die Analyse großer Dokumente überzeugt.

Datenschutz bleibt problematisch

Der größte Knackpunkt für europäische Nutzer: OpenAI muss weiterhin alle Eingaben aufzeichnen und speichern. Anders als bei kostenpflichtigen Business-Tarifen gibt es für Privatnutzer keine Option zur dauerhaften Datenlöschung. Zwar können Nutzer die Chat-Historie deaktivieren – die Daten werden dann nach 30 Tagen gelöscht – doch für KI-Training können sie trotzdem verwendet werden.

Rechtlich bewegt sich OpenAI damit in einer Grauzone: Europäische Datenschützer kritisieren die Praxis, personenbezogene Daten ohne explizite Einwilligung für das Training zu nutzen. Italien hatte ChatGPT 2023 zeitweise gesperrt, andere EU-Länder prüfen ähnliche Schritte.

Noch keine "Superintelligenz"

Trotz aller Fortschritte: Von Artificial General Intelligence (AGI) oder gar Superintelligenz ist ChatGPT-5 noch weit entfernt. Altman spricht zwar von einem "bedeutenden Schritt Richtung AGI", Experten sehen das skeptischer. Das MIT Technology Review urteilt: "Ein sehr kleiner Schritt".

Eine echte AGI müsste eigenständig neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen können – davon ist auch GPT-5 noch entfernt. Das Modell lernt nicht kontinuierlich aus neuen Erfahrungen und kann nicht autonom komplexe, mehrtägige Projekte bewältigen.

Praktischer Nutzen im Alltag

ChatGPT5 ersetzt alle bisherigen Modelle

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Für Verbraucher bedeutet GPT-5 dennoch einen spürbaren Fortschritt. Content-Creator, Studenten und kleine Unternehmen können erstmals kostenlos auf Technologie zugreifen, die früher Tausende Euro kostete. Ob Website-Erstellung, Textbearbeitung oder Datenanalyse – die Einstiegshürden für KI-Unterstützung sinken drastisch.

User und Unternehmen, die auf kostenpflichtige Pläne setzen (ab 23 Euro monatlich), erhalten unbegrenzten Zugriff und können GPT-5 für kommerzielle Zwecke nutzen. Für sie könnte sich besonders die verbesserte "Agent"-Fähigkeit lohnen: GPT-5 kann komplexere Aufgaben selbstständig in Teilschritte zerlegen und abarbeiten, etwa Tische in Restaurants buchen, den eigenen Kalender durchsuchen oder Daten zusammentragen.

Eher Evolution statt Revolution

ChatGPT-5 ist ein solider Fortschritt, aber keine Revolution. Die wichtigsten Verbesserungen liegen in der Benutzerfreundlichkeit und Zuverlässigkeit – weniger in grundlegend neuen Fähigkeiten. Für Gelegenheitsnutzer reicht die kostenlose Version, professionelle Anwender sollten Alternativen vergleichen.

Unsere Quellen:

  • OpenAI
  • dpa

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