KI macht jetzt auch Musik
03:43 Min.. Verfügbar bis 06.08.2027. Von Jörg Schieb, Jörg Schieb.
Jetzt macht KI auch noch Musik: Was das für uns bedeutet
Stand:
Nutzer können jetzt mit Hilfe von KI komplette Songs erstellen – für private Zwecke und kommerzielle Nutzung. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, was jetzt möglich ist und was das bedeutet.
Von
Jörg Schieb
„Ein melancholischer Popsong über verlorene Liebe, mit Piano und weiblichem Gesang" – 30 Sekunden später spielt aus den Lautsprechern ein perfekt produzierter Song, komplett mit Melodie, Text und professionellem Arrangement.
Was früher Wochen im Tonstudio kostete, erledigt heute eine KI in unter einer Minute. Der Songwriter braucht nur noch Worte, keine Instrumente mehr. Und wenn auch etwas gesungen werden soll: Kein Problem, die KI erzeugt auf Wunsch auch den passenden Text und Stimme, wahlweise weiblich oder männlich.
KI erzeugt Musik in Studioqualität
Die KI beherrscht zahllose Musikrichtungen und kann sie auch kombinieren
Nach Bildern, Fotos, Stimmen und Videos kommt nun auch Musik verstärkt von KI: Das US-Unternehmen ElevenLabs – einer der führenden Anbieter für KI-generierte Stimmen – hat heute überraschend einen neuen Dienst "Eleven Music" gestartet, mit dem Nutzer aus einfachen Textbeschreibungen (Prompts) komplette Songs generieren können.
Das KI-Unternehmen, das bisher vor allem für seine realistische Sprachsynthese bekannt war, betritt damit ein neues Geschäftsfeld. Gleichzeitig wird eine Lücke geschlossen, denn ab sofort können Kreative mit KI nach ihren Vorstellungen Musik erzeugen – das war bislang noch eher schwierig.
Komplett neue Songs per Texteingabe
Mit dem neuen KI-Dienst von Eleven Music können Nutzer Musik in Studioqualität aus natürlichen Sprachbefehlen erzeugen, mit nahezu vollständiger Kontrolle über Genre, Stil und Struktur. Die KI erstellt auf Wunsch sowohl reine Instrumentalstücke als auch Songs mit Gesang in verschiedenen Sprachen, darunter Deutsch, Englisch, Spanisch und Japanisch. Das Smartphone in der Hand ersetzt ein komplettes Tonstudio.
Beispiele auf der Homepage des Anbieters zeigen die Bandbreite: Von "dreamy, psychedelic, slow Indie Rock" über "epic track for a cowboy show" bis hin zu "very retro track from the 1950s with an old crooner male vocalist" – die KI soll verschiedenste Musikstile beherrschen. Die generierten Songs haben eine Länge von etwa zwei bis drei Minuten; auf Wunsch aber auch kürzer.
Kostenlos testen, dann kostenpflichtig
Auf Wunsch erzeugt die KI auch Vocals (Stimmen) und einen Refrain
Wer mag, kann die neuen Musikfunktionen von ElevenLabs kostenlos ausprobieren – allerdings ist eine Registrierung erforderlich. Der kostenlose Plan umfasst 10.000 „Credits“ monatlich, was für etwa 10 Minuten Audiogenerierung reicht. Wer einen kurzen Song für die Party oder Freunde erzeugen möchte, kann das. Für kommerzielle Nutzung (dazu zählt auch die Verwendung auf Plattformen wie Youtube oder Instagram) sind jedoch kostenpflichtige Pläne ab 5 Euro pro Monat erforderlich.
Wer zahlt, hat nahezu freie Hand: Die generierten Songs können "für nahezu alle kommerziellen Nutzungen verwendet werden, von Film und Fernsehen bis zu Podcasts und Social-Media-Videos, von Werbung bis Gaming". Das macht den Dienst besonders für Content-Creator, Podcaster und Werbeagenturen interessant, die bisher auf teure Lizenzmusik angewiesen waren und jetzt für jeden Zweck einen individuellen Track erstellen können.
Faire Deals mit der Musikbranche
Apropos Lizenzen: Anders als Konkurrenten wie die KI-Modelle Suno oder Udio, die wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt wurden, geht ElevenLabs einen anderen Weg. Das US-Unternehmen hat im Vorfeld Vereinbarungen mit den großen Musikrechte-Agenturen Merlin Network und Kobalt Music Group getroffen. Diese vertreten unter anderem Künstler wie Adele, Bon Iver und Childish Gambino.
Die Künstler können freiwillig zustimmen, ihre Musik für das KI-Training zu lizenzieren und erhalten dafür eine Vergütung. Das KI-Modell von Elevenlabs wurde nur mit Musik trainiert, für die auch Lizenzen gezahlt wurden. Das ist fair – und macht die Verwendung für die User rechtssicher.
Social Media wird zur Bühne
KI von Elevenlabs
Noch nie war es so einfach, mit wenigen Klicks Musik zu erzeugen, die von im Studio produzierter Musik nicht mehr zu unterscheiden ist. Es ist abzusehen, dass mit dem Start von Eleven Music eine regelrechte Welle KI-generierter Musik in sozialen Netzwerken auftauchen wird. Denn erstmals können Menschen ohne musikalische Vorkenntnisse professionell klingende Songs für Geburtstage, Hochzeiten oder Social-Media-Posts erstellen. Die Hürde für Musikproduktion sinkt drastisch – jeder kann nun zum Komponisten werden.
Es steht zu befürchten, dass auch Youtube, aber auch Streamingdienste wie Spotify mit solchen Musik-Tracks geflutet werden.
Für die Musikbranche bedeutet das neue Herausforderungen: Während etablierte Streaming-Dienste und Werbeagenturen neue Konkurrenz durch KI-Musik bekommen, eröffnet sich gleichzeitig ein neuer Markt für Lizenzvergütungen. Die rechtssichere Herangehensweise von ElevenLabs könnte dabei zum Vorbild für die gesamte Branche werden.
Die KI-Revolution der Kreativbranchen geht weiter – nach Text, Bild und Video ist nun auch die Musik an der Reihe.
Unsere Quellen:
- Elevenlabs