Wie viel Geld bringt der Karneval ein? | Aktuelle Stunde
00:29 Min.. Verfügbar bis 09.02.2028.
Karneval kostet: Warum zahlen wir Eintritt in der Eckkneipe?
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Am Donnerstag startet der Straßenkarneval - das sechstägige Highlight der Session. Für feiernde Jecken kann das teuer werden, für Gastronomen aber sehr lukrativ.
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Zu den Kommentaren [4]Karneval ist ein Wirtschaftsfaktor - und zwar ein großer. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) schätzt, dass in der diesjährigen Karnevalssession rund 2 Milliarden Euro umgesetzt werden. In der vergangenen waren es noch rund 2,1 Milliarden, aber die ging auch 15 Tage länger. Köln ist dabei mit etwa 850 Millionen Euro vom bundesweiten Gesamtumsatz unangefochtene Hochburg.
Straßenkarneval ist das erste Highlight für Gastronomie
Die fünfte Jahreszeit ist mal länger und mal kürzer. Sie beginnt zwar immer am 11.11. um 11.11 Uhr, aber ihr Ende am Aschermittwoch variiert, weil es die 40-tägige Fastenzeit einläutet und sich damit vom Osterfest her berechnet. Dieses Fest wiederum liegt zwischen dem 22. März und 25. April, weshalb die Jecken mal längere und mal kürzere Freude an ihrer Session haben.
In diesem Jahr ist sie 100 Tage lang. Die sechs umsatzstärksten Tage beginnen am Donnerstag an Altweiberfastnacht mit dem Beginn des sechstägigen Straßenkarnevals. Das erste Highlight für die Gastronomie in diesem Jahr - eins dass die Branche allerdings auch dringend nötig hatte - geht bis Veilchendienstag: "Der Januar war völlig tot. Viele schieben Kosten im Minus vor sich her", sagt Christoph Becker, Dehoga-Bereichsleiter im Regierungsbezirk Köln.
Sie können Weiberfastnacht und Rosenmontag in Köln nichts anderes machen als Karneval feiern. Christoph Becker, Dehoga-Bereichsleiter im Regierungsbezirk Köln
Das sei für den Januar, der nach der Weihnachtszeit ein schweres Erbe antrete, nicht ungewöhnlich und habe nicht so viel mit dem "Dry January" zu tun. "Es ist eben nass, feucht und ungemütlich - da gehen die Menschen weniger raus", so Becker. Nun sind Karnevals-Enthusiasten gegen mieses Wetter nicht per se immun, aber deutlich leidensfähiger als der Durchschnittsfeiernde. Zumindest drängt sich dieser Eindruck im Straßenkarneval regelmäßig auf, wenn sie sich völlig unbeeindruckt von der Witterung in teils sehr luftige Kostüme werfen.
Sind diese Kostüme allerdings zu dünn, ist es ratsam sich an den Tagen des Straßenkarnevals nicht permanent im Freien aufzuhalten. Ein Platz im Warmen im schunkelnden Schulterschluss mit anderen Jecken, die im Idealfall ein auch den Nebenmann oder die Nebenfrau wärmendes Plüschkostüm anhaben, ist hilfreich. Einfach zu bekommen ist er indes nicht immer. An den jecken Hotspots ist nicht nur viel los, sondern neben einer Einlasskontrolle wird oft auch Eintritt verlangt.
So etwa im "Kürzer" an der Kurzen Straße in der Düsseldorfer Altstadt. Abschrecken würden die 10 Euro für den Eintritt aber niemanden, wie eine Mitarbeiterin auf WDR-Anfrage verrät. Für Altweiber und den Karnevalssamstag seien die Tische bereits alle vergeben. Ohne Reservierung sei maximal noch ein Platz an der Theke zu ergattern.
Das ist nicht mehr der Kneipenkarneval, den wir früher hatten. Maureen Wolf von "Oma Kleinmann" in Köln
Noch etwas schwieriger - sowohl für Gastronomen als auch für Jecke - ist die Lage im Kölner Kwartier Latäng, weiß Maureen Wolf, eine der Betreiberinnen von "Oma Kleinmann" auf der Zülpicher Straße. Auf der Kölner Partymeile herrscht an den Straßenkarnevalstagen Ausnahmezustand. Vor drei Jahren habe man die Gastro deshalb mal geschlossen, aber das könne man sich finanziell nicht leisten. So viele Tage ohne Umsatz bei laufenden Kosten seien nicht drin, weshalb man mittlerweile nur noch auf den Rosenmontag verzichte.
Absperrungen an der "Zülpicher" erschweren Weg in die Kneipe
Wie auch beim "Kürzer" in Düsseldorf - dort allerdings erst bei Einlass - verkauft "Oma Kleinmann" Tickets. Jecke müssen dort schon im Vorfeld 25 Euro (inklusive Wasser-Flat) zahlen. Grund seien die Absperrungen an der "Zülpicher", die eine große Herausforderung darstellen würden. Als Gastronomin gefällt es Wolf gar nicht, einen so hohen Eintritt zu nehmen, aber er sei nötig, um sicher gehen zu können, dass die Leute auch wirklich kommen.
Mit dem Ticket könne man die Absperrungen an speziellen Einlässen für Gäste und Anwohner zwar theoretisch zügiger passieren, aber das klappe nicht immer optimal, weil sich dort auch all die Feiernden sammeln, die auf der Zülpicher Straße und nicht in den dortigen Kneipen feiern. Die machen den Straßenkarneval für die dortigen Kiosk-Besitzer zu einem guten Geschäft, erschweren gleichzeitig aber auch den Weg in die Lokale.
Wolf beklagt zu wenig Karnevals-Angebote für Jugendliche
Dabei macht Wolf den Feiernden auf der Straße, die meisten seien zwischen 12 und 17 Jahren alt, gar keinen Vorwurf, sondern fühlt mit ihnen: "Es gibt in Köln ganz wenig Angebote für Kinder und Jugendliche."
Unsere Gäste kommen höchstens mit einem Wegbier hier an und bleiben dann hier. Maureen Wolf
Wolf hält nichts davon, Jugendlichen beizubringen, hinter "Zäunen zu feiern". Sie kämen mit großen Erwartungen in die Kölner Innenstadt, nur um dann ohne Musik und vielleicht sogar Handyempfang auf einer Straße zu stehen, weil sie als Minderjährige nirgendwo reinkommen. Das sei schon sehr traurig. Die meisten von ihnen seien auch keine "Feier-Touristen", sondern "unsere Kinder", also Kölner.
Feiernde mit Ticket bleiben der Gastronomie treu
Etwas traurig ist Wolf auch, dass der Kneipenkarneval von früher mit einem ständigen Kommen und Gehen weitgehend Geschichte ist. In ihrem Laden feiere man - aus Kostengründen in nur noch einer Schicht - mit mehr oder weniger denselben Gästen - die Fluktuation sei durch das Ticketsystem überschaubar. Nur wenn Tickets verfallen, lasse man Gäste rein, die draußen auf gut Glück warteten. Es sei Gästen generell nicht zuzumuten, sich erst zu einer Kneipe "zu kämpfen, um dann drei Stunden vor der Tür zu stehen".
Wenn der Verkauf von Tickets und der große Andrang für die Gastronomen einen großen Vorteil haben, dann wohl den, dass die Gäste ihrem einmal ergatterten Thekenplatz treu bleiben. Die Mitarbeiterin des "Kürzer" in Düsseldorf und Wolf sagen unisono, dass Gäste, die zum Feiern zu ihnen kommen, aber zum Trinken raus ans Kiosk gehen, kein Problem darstellen. Die Kioske profitieren wohl vor allem von jenen, für die es innen kein warmes Plätzchen gibt - entweder weil sie zu jung oder der Preis dafür zu hoch ist.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Christoph Becker, Dehoga-Bereichsleiter im Regierungsbezirk Köln
- WDR-Gespräch mit Maureen Wolf von "Oma Kleinmanns" in Köln
- Gastronomie "Kürzer" in Düsseldorf
- Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V.
Sendung: WDR.de, Kamelle, Kostüme, Kneipen: Wirtschaftsfaktor Karneval, 09.02.2026, 16.28 Uhr
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 09.02.2026, 13.30-14.00
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 09.02.2026, 18.45 Uhr
4 Kommentare
Kommentar 4: Heinz Günter Engels schreibt am 11.02.2026, 19:24 Uhr :
Keine Zeit zum Feiern bin bei der AWB alle Tage arbeiten 🥵
Kommentar 3: Anonym schreibt am 11.02.2026, 12:50 Uhr :
Schade schade - es ist nicht mehr der Karneval den ich kenne.darumbleib ich lieber zu Hause.
Kommentar 2: Anonym schreibt am 11.02.2026, 08:04 Uhr :
Hallo zusammen, ich alls kölscher Junge 62 Jahre sehe den Begriff "Volksfest" nicht mehr. Das Kölsch 0,2 für 3,20 € plus Eintritt, nein Danke. Die Gastronomen jammern aber die Kneipen sind immer voll. Dazu kommt das in den Brauheusern immer mehr TK Ware ist, das kann ich zuhause besser. Liebe kölsche Grüße W.Kuhn
Kommentar 1: Jupp schreibt am 10.02.2026, 15:44 Uhr :
moin, wir fliehen - wie jedes Jahr - ins ruhige Emsland!