Junge Landwirte wollen mehr Mitbestimmungsrecht in der Landwirtschaft
Stand:
Die Landwirtschaft sucht Nachwuchs – doch die junge Generation will anders arbeiten als bisher. Sie fordern jetzt mehr Mitsprache.
Von Andreas Schneider
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Zu den Kommentaren [1]Fachkräftemangel – gibt es überall und auch die Landwirte hier in NRW und in Deutschland sagen: "Wir haben Probleme, Nachwuchs zu finden." Aber die jungen Leute sagen: Wir sind da, aber so wie ihr alten Landwirte euch das vorstellt, so wollen wir nicht arbeiten. Und die Zahlen geben ihnen recht.
Zahl der Ausbildungen steigt
Etwa 4.773 Menschen in Deutschland haben 2023 eine Ausbildung zum Landwirten oder Landwirtin angefangen. Das sind rund 753 mehr als im Vorjahr. Zuletzt hatten 2007 ähnlich viele Menschen ihre Ausbildung in der Landwirtschaft begonnen. Insgesamt waren 2023 9.084 Menschen in Ausbildung zum Landwirten oder zur Landwirtin.
Wollen ernst genommen werden
Viele junge Landwirte fühlen sich zurzeit nicht ernstgenommen. Das wird aus einem Positionspapier der Landjugend - einem Interessenverband für Landwirtinnen und Landwirte bis 35 Jahre - deutlich. In zwölf Forderungen geht es im Kern darum, von älteren Landwirtinnen ernst genommen zu werden und auch selbst mitbestimmen zu können.
Innovationen zulassen
Ein großes Anliegen der jungen Landwirtinnen und Landwirte ist, dass ihre Ideen ernst genommen werden. Sie schreiben in ihrem Positionspapier:
Junge Menschen haben oft mehr Veränderungsbereitschaft und bringen frische Ideen ein. Wenn energische Junglandwirt:innen-Arbeit nicht abgelehnt, sondern eingebunden wird, entsteht Erneuerung. Bund der Deutschen Landjugend
Aber sie wollen auch mehr Mitspracherecht. Zurzeit werden viele Entscheidungen innerhalb der Bauernverbände getroffen, ohne dass die Landjugend miteinbezogen wird, sagen sie.
Die Landjugend fordert außerdem eine familienfreundliche Agrarpolitik mit Fokus auf Work-Life-Balance, also eine realistische Balance zwischen Berufsleben und Familie, sowie klare und faire Regeln für Hofnachfolge, um den Generationswechsel zu fördern. Damit solche Themen auch in Zukunft relevant sind, fordern sie, dass der Präsident des deutschen Bauernverbands nicht älter als 45 sein darf. Ein Seitenhieb an den amtierenden Präsidenten Joachim Ruckwied, der 64 Jahre alt ist.
Erneuerung könnte vielen Höfen helfen
Der deutsche Bauernverband wollte sich heute gegenüber dem WDR nicht zu dem Positionspapier der eigenen Jugend äußern, aber die Wissenschaft gibt den jungen Landwirten recht: Studien zeigen: Junge Landwirtinnen und Landwirte sind innovativer, unternehmerischer und anpassungsfähiger - und legen mehr Wert auf Umweltfragen. Etwas, das heute wichtiger ist denn je. Viele setzen außerdem auf moderne Technik und schauen stärker auf die Wirtschaftlichkeit ihres Hofs.
Unsere Quellen:
- Positionspapier "Who's next?" des Bunds der Deutschen Landjugend
- Anfrage beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
- Anfrage beim deutschen Bauernverband
- Wissenschaftliche Literatur: Wie sehen junge Landwirt*innen auf die neue Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik – und darüber hinaus auf ihre Zukunft?
Hinweis der Redaktion vom 26. August 2025, 10:56 Uhr: In einer ersten Version hieß es, dass 9.084 Menschen 2023 ihre Ausbildung begonnen haben, 9.084 waren aber in dem Jahr insgesamt in Ausbildung.
1 Kommentar
Kommentar 1: Tom schreibt am 26.08.2025, 20:40 Uhr :
Kann man verstehen, dass altbackene konservative Urgestein in CDu/CSU, die die Weisheit gepachtet haben und die Mentalität der Hofübergebenden behindern den Fortschritt. Aktuell auch bei der Bundesregierung zu sehen. Ich wünsche allen Innovativen viel Kraft und Ausdauer, ihr seid die Zukunft, haut rein.