Konzerttickets werden teurer - das tut weh, ist aber richtig | MEINUNG

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Live-Events sind Luxus. Wenn wir wollen, dass die Beschäftigten in der Branche fair bezahlt werden, müssen wir uns damit abfinden.

Von Liz Shoo

"Will Smiiiiith!" Ich stehe mit ein paar Dutzend Fans am Zaun der Festhalle in Frankfurt. Wir sind noch berauscht vom Konzert und hoffen auf einen letzten Abschiedsgruß, bevor Smith wieder abreist. Und dann, tatsächlich: Die Tür geht auf. Es ist Will Smith!

Er steigt sogar aus dem Auto und kommt zum Zaun. Wir drehen durch, schreien seinen Namen, halten Autogrammkarten zum Signieren hin. Er klatscht bei so vielen ab wie möglich, schenkt uns sein Fresh-Prince-Lächeln, scheint auch nach dem Konzert richtig Bock auf seine Fans zu haben. Es ist der krönende Abschluss eines Mega-Abend.

Will Smith auf Tour | Bildquelle: getty Images/Andreas Rentz

In diesem Moment denke ich nicht darüber nach, dass mich das Ticket für einen guten Sitzplatz 110 Euro gekostet hat. Auch nicht an die Fahrtkosten von Köln nach Frankfurt und an die Hotelübernachtung schon gar nicht. Die Begegnung mit Will Smith war jeden Cent wert. Ich schaue noch am selben Abend, welche meiner Lieblingskünstler demnächst in Deutschland on Tour sind. Und die Preise hauen mich fast um.

Hohe Gagen und Veranstaltungskosten

Wenn es um Tickets geht, ist Eventim der nach eigenen Angaben größte Player in Deutschland. Und jetzt sagt der Firmenchef – die Preise werden wohl demnächst noch mehr steigen. Das ist hart, aber leider müssen wir Fans in den sauren Apfel beißen.

Konzertticketerlös | Bildquelle: WDR

Denn die Gründe sind größtenteils nachvollziehbar:

Laut dem Eventim-Chef sind die Kosten für Personal und Infrastruktur in der Event-Branche seit Corona um 45 Prozent gestiegen. Kein Wunder, dass sich das im Ticket-Shop bemerkbar macht. In der deutschen Musikbranche sind rund 156.000 Menschen beschäftigt, hinzu kommen gut 33.000 Freiberufler. Wenn wir wollen, dass diese Menschen ordentlich bezahlt werden, dann müssen wir auch steigende Preise in Kauf nehmen.

Eventim sagt Konzerttickets werden teurer WDR Studios NRW 24.07.2025 00:17 Min. Verfügbar bis 28.07.2027 WDR Online

Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass sich das Geschäftsmodell von Künstlern signifikant verändert hat. Die Haupteinnahmequelle für Musiker waren früher Plattenverkäufe. Die sollen für rund 85 Prozent gesorgt haben. Und jetzt sind wir mal ehrlich, wann habt ihr zuletzt eine CD gekauft? Wenn wir heute Musik hören wollen, dann streamen wir sie ganz bequem. Künstler werden zwar für die Streams bezahlt, aber richtig Cash machen nur die Superstars, deren Songs milliardenfach gehört werden.

Kurzum: Der Künstler will seine Gage, die Tontechnikerin, der Bühnenarbeiter und die Security in der Konzerthalle will auch bezahlt werden, und dann kommen noch Stromkosten dazu.

Angebot und Nachfrage

Das Interessante ist ja, dass die Preise kaum Fans abschrecken. Künstler wie Taylor Swift sind so sehr gefragt, dass sie an mehreren Tagen hintereinander ausverkaufte Konzerte in derselben Location geben. Bei den Konzerten in Gelsenkirchen zum Beispiel waren jeweils über 60.000 Fans dabei.

Karten sind oft so schnell weg, dass Menschen, die keine bekommen konnten, später horrende Summen zahlen, um ihren Favorite-Artist zu sehen. Für das Kölner Konzert von Superstar Billie Eilish sollen Menschen 1.000 Euro pro Ticket bezahlt haben!

Ich glaube, dass das ein Teil des Problems ist. Solange Menschen bereit sind, dieses Geld auf den Tisch zu legen, wird sich auf dem Ticketmarkt nichts ändern. Es ist der klassische Fall von Angebot und Nachfrage. Genauso wie Menschen für ihren Fußballverein bereit sind, viel Geld auszugeben, was ich als Nicht-Fan nur schwer nachvollziehen kann. Aber jeder darf mit seinem Geld so umgehen, wie er möchte.

Allerdings sehe ich zwei Probleme: Wie weit Ticketanbieter und Veranstalter gehen, um die Leidenschaft der Fans finanziell auszunutzen. Nach dem Motto: Wenn du unbedingt Billie Eilish sehen willst, dann verkaufe ich dir nicht nur das Ticket für schlappe 300 Euro, sondern ich haue noch eine Ticketversicherung oder Service-Gebühr drauf. Es darf Kunden nicht so schwer gemacht werden, Karten an Freunde oder Familie zu verschenken oder verkaufen, wenn man nicht zum Konzert kann.

Stars haben es mit in der Hand

Obwohl es kein Grundrecht auf Entertainment-Veranstaltungen gibt, ist es Tatsache, dass solche Events ein wichtiger Teil unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens sind: Man geht raus, man trifft gleichgesinnte Leute, man erlebt was und kann am nächsten Tag bei der Arbeit davon erzählen - mitreden, teilhaben. Hohe Preise für Veranstaltungen schließen einen Teil der Gesellschaft davon aus. Sie werden zu einer Exklusivveranstaltung.

Konzerttickets werden teurer | Hier und heute 09:44 Min. Verfügbar bis 28.07.2027

Natürlich kann es keiner den Top-Künstlern verübeln, hohe Gagen zu verlangen. Ganz ehrlich: Wenn ich Taylor Swift wäre und ich wüsste, wie riesig und loyal meine Fanbase ist, würde ich auch Top-Gagen nehmen. Aber Musiker sollten sich immer auch fragen, für wen sie eigentlich Musik machen und wen sie im Publikum haben wollen? Nur die, die ein paar Hundert Euro ausgeben, oder auch die vielen eingefleischten Fans, die die Texte zu jedem Lied kennen, aber sich einen teuren Live-Act nicht leisten können.

Wir brauchen mehr Modelle für soziale Teilhabe

Ich finde es lobenswert, dass einige Künstler bei ihren Auftritten ein bestimmtes Kontingent mit vergünstigten Eintrittskarten bereitstellen. Es sind allerdings ausgesprochen wenige. Die Toten Hosen bieten zum Beispiel auf ihrer 2026 Tour Sozialtickets für knapp 20 Euro statt knapp 90 Euro an. Ähnlich machen es die Ärzte mit Sozialtickets für Berliner. Knapp 20 Euro statt rund 82 für den regulären Preis. Coldplay macht jährlich einen Super-Sale mit Resttickets, die nur 20 Euro kosten, um ihre Konzerte allen zugänglich zu machen.

Man muss nur schnell sein. Auch Angebote wie die Kulturtafeln stellen sicher, dass ein Konzert- oder Theaterbesuch für ärmere Menschen kein unerreichbarer Luxus bleibt. Super wäre es, wenn mehr Stars und Veranstalter diesen Spirit hätten.

Sind euch Konzerte mittlerweile zu teuer? Lasst uns darüber diskutieren. In den Kommentaren auf WDR.de oder auf Social Media.

Kommentare zum Thema

  • Maximilian 04.08.2025, 17:13 Uhr

    Die Polarisisierung der Gesellschaft entwickelt sich bedenklich, auch im "globalen Dorf" Frankfurt. 110€ für ein Event-Ticket sind erheblich und für viele nicht leistbar. Aber jetzt reden wir mal über den Kulturbetrieb in Köln. 1,5 Milliarden werden für die Sanierung der Oper veranschlagt. Die Bühnen der Stadt Köln geben einschließlich Oper, Schauspiel, Tanz 250.000 Besucher jährlich an. Daraus resultiert, dass selbst bei einem Will-Smith-Ticket-Preis für alle Plätze und Veranstaltungen von 110€ sich die Sanierungskosten erst nach ca. 55 Jahren amortisiert hätten. Dabei ist noch keiner der 850 Mitarbeitenden bezahlt und die laufenden Betriebskosten sind auch noch nicht eingerechnet. Irgendwie wird das achselzuckend hingenommen. Ich halte das für unverhältnismäßigen Wahnsinn.

  • Dieter Möller 04.08.2025, 06:44 Uhr

    Da geht man einfach nicht mehr hin wenn man Fan ist kauft man sich eine cd kann man jeden Tag hören Konzert hat man drei Tage später vergessen

  • Anonym 03.08.2025, 11:41 Uhr

    Das Einzige, was unter der Berliner Laienspielschar noch läuft, ist der von ihr ständig daily intonierte Filmklassiker von Sergio Leone mit dem Filmhit "Spiel mir das Lied vom Tod !" aus 1968 , der von ihr praktisch umgesetzt wird mit ihrer Agenda "Wer nicht kommt zur rechten Zeit, muß sprengen, betteln ,klauen, begrabschen, abzocken, was übrig bleibt !

    • Anonym 04.08.2025, 07:08 Uhr

      Das ist auch kein Wunder, weil Rentnerschreck und Schreck der "kleinen Leute",Veronika Grimm, von der sich die Berliner Luschenschar beraten läßt, offenkundig eine veritable Meise unterm Pony hat, sozusagen, die inzwischen täglich in Springers BILD zwitschert, gemäß Motto : Unsere tägliche Veronika, der Lenz ist da; die Mädchen singen Trallala ! in BILD, gib uns heute ! Das wird besonders für alle Rentner in der Nation noch einmal richtig,richtig,richtig gefährlich werden, besonders für die mit schwachen Nerven .

    • Anonym 04.08.2025, 12:56 Uhr

      Die tägliche Veronika in Bild müßte für Springer auch bald geschäftsschädigend sein, denn welcher gewöhnlich total kaputt malochte Rentner kauft noch Bild, wenn er permanent von der zwitschernden Wirtschaftslobbyistin Veronika in Bild. die da ein Bett rumstehen haben muß, so oft, wie sie da immer rumsitzt, ständig totgelabert wird

    • Anonym 04.08.2025, 13:46 Uhr

      Früher gabs in BILD immer das spärlichst bekleidete Girl des Tages als Augenschmaus kurz vor dem zu Bette gehen, sozusagen . Ich weiß nicht, obs das noch gibt; möglicherweise ist jetzt Veronika aus Nürnberg immer das Girl des Tages in BILD . Weiß Jemand Bescheid ?