Homosexualität im Breitensport: Deutscher Serienstart "Heated Rivalry"

Aktuelle Stunde 06.02.2026 11:19 Min. Verfügbar bis 06.02.2028 WDR Von Birgit Grigo

"Heated Rivalry": Kann eine Serie Homophobie im Sport bekämpfen?

Stand:

Sie sind attraktiv, Eishockey-Stars - und queer. Die Serie "Heated Rivalry" zeigt eine schöne Fiktion. Aber wie ist die Wirklichkeit?

Von Ingo NeumayerIngo Neumayer

Viele Serienfans warten seit Wochen sehnsüchtig, nun ist es soweit: "Heated Rivalry" läuft jetzt auch in Deutschland - ab dem 6. Februar bei HBO Max. Die sechsteilige Serie, die von zwei queeren Eishockeyspielern handelt, wird in den USA und Kanada viel diskutiert und gehypt, und das aus mehreren Gründen.

Connor Storrie und Hudson Williams in einer Szene aus der Serie "Heated Rivalry."

Connor Storrie und Hudson Williams

Ähnlich wie der Oscar-Erfolg "Brokeback Mountain" behandelt "Heated Rivalry" (dt.: "Hitzige Rivalität") das Thema "Homo- und Bisexualität" in einer klassischen Macho-Welt. Statt Cowboys sind es hier zwei konkurrierende Eishockeyspieler, die ihre Liebe zueinander entdecken und ihr Verhältnis in einem Umfeld aus Unverständnis, Abneigung und dummen Sprüchen zunächst geheim halten.

Dazu kommt ein Culture Clash, der die aktuelle Weltlage reflektiert: Shane Hollander ist Kanadier mit asiatischen Wurzeln, Ilya Rozanov stammt aus Russland, beide spielen in der amerikanischen Profiliga NHL. Und, nicht zu vergessen: Die Serie hat jede Menge Romantik und auch heiße Sexszenen zu bieten. In den USA lief sie "ab 18", bei uns hat sie die Altersfreigabe "ab 16" erhalten.

"Heated Rivalry": Sex auf dem Eis

COSMO 06.02.2026 03:01 Min. Verfügbar bis 06.02.2027 COSMO Von Mirxan Keles


Hauptdarsteller durften olympisches Feuer tragen

Die Vorschusslorbeeren sind also recht saftig, und dass gerade die Olympischen Winterspiele beginnen, passt natürlich wunderbar ins Konzept: Die Bilder, als die beiden "Heated Rivalry"-Hauptdarsteller Hudson Williams und Connor Storrie das olympische Feuer durch das Dolomiten-Städtchen Feltre trugen, gingen um die Welt.

Dieses Element beinhaltet Daten von Instagram. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Fan der Kölner Haie: Veraltetes Bild von harten Männern

James Barthel und seine Frau Bine sitzen gemeinsam mit ihrem Sohn am Esstisch

Die Fans der Kölner Haie

James Barthel ist schon seit seiner Kindheit Eishockey-Fan, er und seine Frau Bine haben seit Jahren Dauerkarten für die Kölner Haie. Barthel engagiert sich stark für LGBTQ+-Themen und hat mehrere Jahre den Christopher Street Day der Stadt mitorganisiert. Auch er will sich "Heated Rivalry" ansehen, sobald er die Möglichkeit dazu hat.

Prominente Profisportler, die öffentlich ihr "Coming Out" erklären - warum gibt es das bislang nur in einer fiktiven Serie, aber nicht in der Wirklichkeit? "Die gesellschaftliche Akzeptanz ist nicht vorhanden", glaubt Barthel. "Eishockey ist genauso wie Football ein harter Sport. Da herrscht leider immer noch das veraltete Bild vor, laut dem schwule Männer als verweichlicht gelten. Wer sich da outet, muss mit blöden Sprüchen und Kommentaren rechnen."

Ähnlich sieht es Frank Rösgen vom Haie-Fanclub "Hainis". "Bei einem schwulen Spieler wäre das ein Angriffspunkt", sagte er dem WDR. "Gerade in Kontaktsportarten wie Eishockey würde das von gegnerischen Spielern oder Fans genutzt werden, um einen zu provozieren oder aus dem Konzept zu bringen." Rösgen kann sich derzeit nicht vorstellen, dass sich ein aktiver Eishockey-Profi outet. "Höchstens zum Ende der Karriere."

Sportjournalist: Keine strukturellen Probleme überdecken

Portrait Sportjournalist Ronny Blaschke

Sportjournalist Ronny Blaschke

Kann eine Serie wie "Heated Rivalry" helfen, Verständnis zu wecken und Vorurteile abzubauen? Der Sportjournalist Ronny Blaschke hält es für hilfreich, "wenn solche gesellschaftlichen Themen in die Popkultur eindringen und von vielen Millionen Menschen diskutiert werden." Andererseits könne das aber auch strukturelle Probleme überdecken, sagte er dem WDR. Er befürchtet, "dass sich etwa ein Verband damit schmückt und die fiktionale Serie nutzt, um zu sagen: Ist doch gar nicht so schlimm bei uns."

Eishockeyspieler der Kölner Haie: Maximilian Kammerer (links) und Julius Hudacek (rechts)

Symbolträchtig: Regenbogenfarben auf dem Trikot

James Barthel hingegen hält es für möglich, dass die Serie einen positiven Effekt auf queere Sportler haben könnte: "Dass es die gibt, ist ja klar wie Kloßbrühe. Und vielleicht wird ja einer von ihnen zu einem Coming Out ermuntert, wenn er sieht, dass Millionen Zuschauer die Serie positiv aufnehmen." Auch in den Vereinen und ihrem Umfeld habe sich viel geändert, berichtet Barthel. So gebe es in Köln zwei große schwule Fanclubs, die vom Verein unterstützt würden. Zudem feiern die Haie einmal im Jahr den "Diversity Day", um auf LGBTQ+-Themen aufmerksam zu machen. Die Regenbogen-Trikots, die die Sportler an diesem Tag tragen, werden schnell zu begehrten Sammlerstücken, so Barthel.

US-Profiliga NHL schafft Regenbogentrikots ab

Allerdings gibt es auch einen entgegengesetzten Trend. Und zwar dort, wo "Heated Rivalry" spielt: In der amerikanischen Profiliga NHL. Dort wurden mehrere Jahre lang so genannte "Pride Nights" gefeiert: Um Diversität und Queerness zu feiern, schmückte man die Trikots und Tapes an den Schlägern mit Regenbogen. Doch für ein paar Spieler war das zuviel an Toleranz und Symbolik, die Liga knickte schließlich ein und untersagte das Tragen der bunten Trikots auf dem Eis. Und die Regierung unter US-Präsident Trump hat der Diversität insgesamt den Kampf angesagt.

Ob sich mit dem Erfolg der Serie auch dort etwas ändert? Zumindest wird das Thema nicht so schnell verschwinden: Eine zweite Staffel von "Heated Rivalry" wird gerade vorbereitet und soll bald gedreht werden.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagenturen dpa, KNA
  • WDR-Interviews mit Ronny Blaschke, James Barthel, Frank Rösgen

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 06.02.2026, 18:45 Uhr

Weitere Themen

Mehr Nachrichten