Fast 67.000 Menschen sind im Jahr 2024 in NRW Opfer von häuslicher Gewalt geworden. Das zeigt das aktuelle Lagebild des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen. Im Vergleich zum Vorjahr sind die gemeldeten Fälle um etwa zwei Prozent gestiegen.
Immer noch hohe Dunkelziffer
Die Ermittler gehen von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus, obwohl inzwischen schon mehr Fälle angezeigt werden als früher. Noch immer trauten sich viele Opfer nicht, sich bei der Polizei zu melden.
Die Statistik unterscheidet zwischen Partnerschaftsgewalt - also innnerhalb einer Beziehung oder unter Ex-Partnern - und innerfamiliärer Gewalt, bei der meistens Kinder Opfer der eigenen Eltern werden. Bei den Fällen partnerschaftlicher Gewalt sind über 80 Prozent der Opfer weiblich.
In den meisten Fällen im Jahr 2024 ging es um Körperverletzung, gemeldet wurden aber auch Bedrohungen, Nötigungen und Stalking. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 51 Menschen durch häusliche Gewalt getötet: 32 Menschen starben im Zusammenhang mit Partnerschaftsgewalt - 29 Opfer waren Frauen. In Familienkonflikten kam es 19 mal zur Tötung des Opfers.
Betrachtet man die Entwicklung der vergangenen vier Jahre, wird deutlich, dass bei innerfamiliärer Gewalt die Fälle von Bedrohung und Stalking deutlich zugenommen haben, aber auch sexuelle Übergriffe und gefährliche Körperverletzung. Bei der Partnerschaftsgewalt sieht es genauso aus. Hier kommt noch eine starke Zunahme der Fälle von Zwangsprostitution hinzu.
Viele Opfer und Tatverdächtige sind jung
Den Zahlen zufolge kommt häusliche Gewalt vor allem unter jüngeren Menschen vor. Die meisten Opfer und Tatverdächtigen waren unter 40. Bei Gewalt innerhalb der Familie war fast die Hälfte der Opfer sogar unter 21.
"Immer mehr Frauen, Männer und Kinder erleben die Hölle in den eigenen vier Wänden", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul. "Türen schlagen, Fäuste fliegen und Angst füllt Kinder- und Wohnzimmer." Hinter jeder Zahl steckten "Menschen, die leiden, zerbrochene Partnerschaften oder Kinder, die nicht mehr gerne nach Hause kommen."
Häusliche Gewalt sei "kein Privatproblem, sondern etwas, was uns alle angeht". Opfer will Reul ermutigen, sich bei der Polizei zu melden: "Niemand muss Gewalt und Schikane zu Hause aussitzen".
Häusliche Gewalt in NRW gestiegen. WDR Studios NRW. 01.10.2025. 00:53 Min.. Verfügbar bis 01.10.2027. WDR Online.
Im Februar hatte der Bundesrat - nach dem Bundestag - einem Gesetz für einen besseren Schutz von Opfern zugestimmt. Damit werden die Länder dazu verpflichtet, ausreichend Schutz- und Beratungsangebote zu schaffen. Allerdings gilt der Rechtsanspruch auf kostenlosen Schutz und Beratung erst ab 2032. Bis dahin können Betroffene nur darauf hoffen, dass ihnen geholfen wird und genügend Kapazitäten, etwa in Frauenhäusern, vorhanden sind.
SPD: "Schlag ins Gesicht"
Die SPD-Fraktion im Landtag kritisierte das: "Die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt steigt, doch die Landesregierung stoppt den dringend notwendigen Ausbau der Frauenhausplätze", erklärte die frauenpolitische Sprecherin Anja Butschkau. NRW verfüge zwar über ein relativ starkes Hilfenetz, aber die vorhandenen 700 Plätze reichten längst nicht aus, um allen Schutzsuchenden Sicherheit zu bieten.
Die Landesregierung habe der SPD mitgeteilt, dass der geplante Bau eines Frauenhauses in Düsseldorf auf Eis gelegt worden sei – "mit dem Hinweis, dass erst ab 2028 neue Plätze gefördert werden". Dann nämlich würden erstmals die Fördermittel des Bundes aus dem Gewalthilfegesetz fließen. "Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Betroffenen", so Butschkau. "Frauen, die vor Gewalt fliehen, brauchen heute Hilfe – nicht erst in drei Jahren."
Unsere Quellen:
- Lagebild "Häusliche Gewalt" 2024 des Landeskriminalamts
- Pressemitteilung des NRW-Innenministeriums
Kommentare zum Thema
Betrifft mich auch ! Sexualisierte Gewalt durch meine Schwester, und durch meinen Exmann ! Desweiteren durch eine Ärztin in Oberkassel, die den 50-Ziger gemacht und dafür gesorgt hat, das ich mit Drogen vollgepumpt weil ich angeblich psychotisch war !.Hat aber absolut nichts damit zu tun sondern mit der Diagnose F 20 die aber so auch ein Psychotherapeut in der LVR in meinem Alter überhaupt nicht mehr vorkommen kann ! Des Weiteren mit der Tour 58 die sowieso Missbrauch war ! Danke für den Artikel ❤️ Auch wenn mir damit jetzt nicht geholfen ist ! Ich habe ein Friedensangebot gemacht !.500.000,00 Euro und die Rücknahme der Diagnose und die Zerstörung meines Körpers , die vielleicht sogar noch einigermaßen in Ordnung gebracht werden kann ! Psychiater und Ärzte haben bekanntlichermassen eine Haftpflichtversicherung sodass kein Problem sein müsste ! Bitte unterstützen sie mich Herr Reul!.Ich habe grossen Respekt vor Ihnen vor allen Dingen wegen der Aufdeckung des Kinderporno Rings Darknet!
Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen das Ihre Bitte an Herrn Reul vom WDR weitergegeben wird. Zudem habe ich großen Respekt für Ihre Offenheit! Als Sozialarbeiterin weiś ich wovon ich spreche und habe mir immer Offenheit von Betroffenen gewünscht. Leider dauert es oft Jahre wo das Leid nach Außen getragen wird. Meine Fassungslosigkeit ist bis heute über derartige Straftaten an Menschen sehr groß.