Immer mehr Betrug bei Führerscheinprüfungen
Aktuelle Stunde . 20.08.2025. 35:45 Min.. UT. Verfügbar bis 20.08.2027. WDR. Von Per Quast.
Mini-Kameras und Kopfhörer: Mehr Betrug bei der Führerscheinprüfung
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In den vergangenen Jahren wurde bei der Führerscheinprüfung immer mehr geschummelt - mit Spickzetteln, aber auch mit Kameras oder Doppelgängern. Der TÜV-Verband vermutet kriminelle Netzwerke dahinter.
Es ist eine dieser Sachen, die die meisten auf keinen Fall zweimal machen wollen: die theoretische Führerscheinprüfung. Zahlen vom TÜV-Verband zeigen: Seit Jahren betrügen da immer mehr Leute. Vergangenes Jahr waren es zum Beispiel fast 50 Prozent mehr Fälle als noch 2020. Und im ersten Halbjahr 2025 wurden fast 2.200 Leute erwischt.
Führerschein: TÜV vermutet kriminelle Banden hinter den Betrügereien
Manche nutzen dafür einfach einen Spickzettel - dabei bleibt es aber längst nicht. Der TÜV sagt, dass mehr als die Hälfte der Täuschungsversuche ziemlich professionell sei. Zum Beispiel würden auch Personalausweise gefälscht oder Fahrschüler hätten kleine Kopfhörer bzw. Mini-Kameras in der Brille versteckt. Der TÜV vermutet deshalb, dass kriminelle Netzwerke dahinterstecken und mit den Betrügereien Geschäfte machen. Geschätzt 500 bis 1.500 Euro zahlen Prüflinge dafür, dass ihnen jemand beim Betrügen hilft.
Gegen drei Verdächtige aus Köln und Troisdorf ermittelt aktuell die Kölner Staatsanwaltschaft. Sie sollen den Betrug im großen Stil in NRW organisiert haben. Dabei sei so viel Material auf PCs, Handys und Festplatten sichergestellt worden, dass die Auswertung noch mehrere Monate in Anspruch nehmen werde.
Laut einer WDR-Recherche gibt es auf der Plattform Tiktok Accounts, die bestandene Führerscheine zum Kauf anbieten. Die Preise bewegen sich dabei zwischen 1.000 und 3.000 Euro - ohne dass man dafür eine Prüfung machen muss. Wer hinter diesen Profilen steckt, ist unklar.
"Ob die Führerscheine am Ende echt sind, schlecht gemachte Fakes oder das alles nur eine Abzocke ist, das kann ich nicht sagen. Aber die Angebote sind auf jeden Fall da und teilweise wirkten sie auf uns auch sehr glaubwürdig." Katharina Köll, WDR-Reporterin
Führerschein-Betrug hat bisher keine strafrechtlichen Folgen
Der TÜV-Verband warnt vor den Folgen: "Ergaunern sich die Fahrschüler ihren Prüfungserfolg und verfügen nicht über die entsprechenden Kenntnisse im Straßenverkehr, birgt das ein erhebliches Risiko für die Sicherheit anderer."
Die Zusammenarbeit mit Dritten, Passmissbrauch oder Urkundenfälschung sowie der Einsatz ausgefeilter technischer Hilfsmittel zeugten von einem hohen Maß an krimineller Energie, betont der TÜV-Verband. Aktuell gilt Betrügen bei der theoretischen Führerscheinprüfung aber weder als Straftat noch als Ordnungswidrigkeit.
Ex-Mitarbeiter der Stadt Kassel vor Gericht
In Kassel wird gerade ein Führerscheinbetrugsfall im großen Stil vor dem Landgericht juristisch aufgearbeitet. Dort sind zwei mutmaßliche Mitglieder einer Bande angeklagt. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Fahrerlaubnisstelle der Stadt Kassel soll Führerscheine an mindestens 112 Personen verkauft haben, obwohl die keine Prüfung abgelegt hatten.
Ein weiteres mutmaßliches Mitglied der Bande steht derzeit wegen besonders schwerer Bestechung und Anstiftung zur Falschbeurkundung in einem gesonderten Verfahren vor dem Landgericht Kassel.
Unsere Quellen:
- TÜV-Verband
- Staatsanwaltschaft Köln
- WDR-Recherche
- Nachrichtenagentur dpa
Über dieses Thema berichten wir am 20. August 2025 auch im WDR Fernsehen: Aktuelle Stunde, 18.45 Uhr.