Linke und Grüne wollen ausgefallene Feiertage nachholen

Aktuelle Stunde 18.12.2025 24:17 Min. UT Verfügbar bis 18.12.2027 WDR Von Sascha Schwarz

Feiertage nachholen: Grüne und Linke fordern Ersatz-Feiertage

Stand:

Grüne und Linkspartei wollen Feiertage nachholen, wenn sie auf ein Wochenende fallen. Was dafür und was dagegen spricht.

Von Stefan Haase

Gut erholte Mitarbeiter seien gut für die Firma, argumentieren die Parteien. Ein Recht darauf, diese Feiertage nachzuholen, gibt es jedoch nicht.

Erholung ist wichtig, um Arbeitsfähigkeit zu erhalten

Neben Grünen und Linken befürwortet auch das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund, ausgefallene Feiertage nachzuholen: "Nicht jeder Arbeitnehmer nimmt seine vollen Urlaubstage in Anspruch, weil zu viel zu tun ist." Gerade deshalb seien freie Tage zur Erholung wichtig, um die Arbeitsfähigkeit zu erhalten.

Hans-Böckler-Stiftung: Mehr Arbeit bringt nicht mehr Wirtschaftskraft

DGB: Hans Böckler Haus

Hans-Böckler-Haus des DGB in Düsseldorf

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat die letzten 30 Jahre in der deutschen Wirtschaft analysiert. Das Ergebnis: Ein Feiertag mehr oder weniger würde keinen Unterschied machen. Die Stiftung nennt ein Beispiel aus den 1990er-Jahren, wo die Einführung der Pflegeversicherung durch die Abschaffung des Buß- und Bettages finanziert werden sollte. Alle Bundesländer hätten damals den Feiertag gestrichen, außer Sachsen.

Überraschendes Ergebnis: Trotz des zusätzlichen freien Tages wuchs die Wirtschaft in Sachsen stärker, als in den Nachbarbundesländern mit gestrichenem Feiertag. Freie Tage würden vor allem der Gastronomie und der Tourismusbranche zusätzlichen Umsatz bringen, so die Argumentation.

Ferien NRW: Auch Schüler holen ausgefallene Feiertage nach

Das Modell nachgeholter Feiertage gibt es in NRW bereits: Liegen Feiertage in den Schulferien, werden diese nach den Ferien nachgeholt. Das ist vergleichbar mit Arbeitnehmern, die Urlaub einreichen: Für einen Feiertag muss man keinen extra Urlaubstag einreichen, sondern kann sich den Urlaubstag sparen.

Deutschland wäre nicht das erste Land, das Feiertage nachholt. In Großbritannien werden Feiertage, die auf ein Wochenende fallen, direkt am nächsten Werktag nachgeholt. In Spanien, Belgien und den USA werden Wochenend-Feiertage ebenfalls nachgeholt, in Polen gilt das nur für Feiertage, die auf einen Samstag fallen.

Bereits viele Urlaubstage und Feiertage in Deutschland

Gegen den Vorschlag sprechen jedoch die Arbeitsstunden in Deutschland. Wir haben im Vergleich eine der geringsten Jahresarbeitszeiten und liegen mit der Zahl an geleisteten Arbeitsstunden EU-weit auf dem drittletzten Platz. Das liegt auch daran, dass wir mehr Urlaubstage haben, als Arbeitnehmer in anderen Ländern. Im Schnitt sind es in Deutschland zwischen 28 und 30 Urlaubstagen im Jahr. Dazu kommen bei uns in NRW noch elf gesetzliche Feiertage.

Feiertage - Pro und Contra

WDR Studios NRW 19.12.2025 02:52 Min. Verfügbar bis 19.12.2027 WDR Online


Feiertage NRW 2026: So viele Feiertage fallen aufs Wochenende

Nächstes Jahr fallen in NRW der Tag der deutschen Einheit (3. Oktober) und der zweite Weihnachtstag (26. Dezember) auf einen Samstag, Allerheiligen (1. November) auf einen Sonntag.

Grafik: Feiertage 2026

Zusätzlicher Werktag würde acht Milliarden Euro bringen

Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat ausgerechnet, dass es über acht Milliarden Euro an zusätzlicher Wirtschaftsleistung bringen würde, einen Feiertag in einen Werktag umzuwandeln. Deutschland befinde sich im dritten Jahr der Rezession und es wäre aus wirtschaftlicher Sicht besser, mehr zu arbeiten und nicht weniger, so das Institut.

Ein nachgeholter Feiertag würde die Kosten für die Unternehmen vor allem wegen der damit zusammenhängenden Produktionsausfälle und fälliger Feiertagszuschläge erhöhen.

Noch im Juni sprach Bundeskanzler Friedrich Merz darüber, Deutschland produktiver machen zu wollen, indem mehr gearbeitet wird. Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance würde Deutschland den internationalen Anschluss verlieren, so der Kanzler damals.

WDR 2-Hörer Mario sieht das anders. Er hat sich im WDR 2-Format "Pro & Contra" gemeldet und sagt, man solle die deutschen Arbeitnehmer nicht als "faul" einstufen.

Wir haben hier in Deutschland mit die höchste Anzahl an unbezahlten Überstunden, da wäre ein Nachholen von Feiertagen ein fairer Ausgleich. WDR 2-Hörer Mario

Viele WDR 2-Hörer gegen Nachholen von Feiertagen

Die WDR 2-Hörer-Meinungen zeigen jedoch auch, dass viele gegen ein Nachholen von Feiertagen sind. So schreibt ein Facebook-User, dass die bisherige Feiertagsregelung jahrzehntelang funktioniert habe und unsere Wirtschaft solche Forderungen nicht brauchen könne, da sie viel Geld kosten würde. Andere User weisen darauf hin, dass Feiertage nicht dafür gedacht seien, frei zu haben und um sich zu erholen, sondern um dem eigentlichen Grund zu gedenken.

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So sieht das auch Hörer Swen. Er sagt, die Mehrzahl der Feiertage in Deutschland sind christliche Feiertage. "Da immer mehr Leute aus den Kirchen austreten, finde ich, dass sie auch kein Anrecht mehr auf christliche Feiertage haben", findet Swen.

Feiertage nachholen? Das sagen WDR 2-Hörer

WDR Studios NRW 19.12.2025 01:11 Min. Verfügbar bis 19.12.2027 WDR Online


Unsere Quellen:

  • Institut der Deutschen Wirtschaft (IW)
  • Hans-Böckler-Stiftung
  • Leibniz-Institut für Arbeitsforschung
  • Eigene Recherche

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 18.12.2025, 18:45 Uhr

Kommentare zum Thema

16 Kommentare

  • 16 Urlaub 21.12.2025, 11:00 Uhr

    Da fordern die Grünen und die Linken Ersatz-Feiertage. Bei Grünen ist es zur Zeit so, mit Klimarettung lockt man zur Zeit keinen hinter dem Ofen hervor, da versucht man es eben auf diese Weise. Die Linken fordern immer höheres Geld in der Grundsicherung, da braucht diese Klientel doch nicht noch Ersatz-Feiertage. Der Schuss geht nach hinten los, beide liegen bei ca. 10 % Meinungsumfrage, durch diese Forderung wird ihr Anteil bestimmt nicht wachsen, von dem Bezahlen dieser Forderung sprechen beide Parteien natürlich nicht,die Anderen!

  • 15 Hausärztin 19.12.2025, 19:22 Uhr

    Ich bin für die Abschaffung von wenigstens 2 kirchlichen Feiertagen. Am liebsten Fronleichnam und Himmelfahrt. Als christliche Feste begeht sie fast keiner, und der Vatertag bringt so viele Gesundheitsschäden wie Silvester. Die Brückentage bringen Schulausfall und Stress für alle Schülereltern, vor.allem denen, die behinderte Kinder haben. Außerdem ... stopfen wir dich das Milliardenloch durch Arbeit. Wir Selbstständige sowieso am Werk.

    Antworten (3)
    • Fred 19.12.2025, 20:04 Uhr

      Vorschlag abgelehnt

    • Willy 19.12.2025, 20:16 Uhr

      Das sehe ich auch so.

    • Thomas aus Detmold 20.12.2025, 16:14 Uhr

      „Die Wirtschaft in ihrem heutigen Zustand ist ein an chronischem Völlegefühl leidender Herz- und Hirnpatient, der wegen der Arbeitsplätze seiner Pflegekräfte künstlich am Leben erhalten werden muss. Wäre der Markt nicht übersättigt, so bestünde kein Bedarf an Gehirnwäschereien (Werbeagenturen), Messestand-, Schaufenster- und Internetseitengestaltern, Bewerbungshelfern und theatralisch geschulten Verkaufsförderungspredigern.“ (Marke Eigenbau)

  • 14 Teausha 19.12.2025, 18:16 Uhr

    Ich kann nur wieder die Niederlande anbringen, da wird an 7 Tagen in der Woche normal gearbeitet. Heißt im Umkehrschluss: Jeder hat dann an Feiertagen frei.......und es würde sogar der Wirtschaft helfen😅 (Nur so als Fußnote: keiner arbeitet da ständig 7 Tage, die haben natürlich auch ihre Schichten und freien Tage, aber halt jeder Einzelne flexibel.)

  • 13 Peter Sendatzki 19.12.2025, 18:13 Uhr

    Hoch habe 52 Jahre gearbeitet und mich nicht beschwert.Heute möchte man möglichst eine vier Tage Woche,36 Tage Urlaub und mindestens 5000.-€ Netto.Hat sich jemand Gedanken gemacht wer das bezahlen soll? Ich frage mich wann die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird, es täte vielen gut etwas bescheidener zu sei .

  • 12 pro nachholen 19.12.2025, 17:59 Uhr

    Lasst uns von den Nachbarn lernen, und die Feiertage nachholen. Diese kleinen Pausen sind wertvoll, um danach wieder voll dabei zu sein. Und wirtschaftlich macht das gar nichts - sonst hätten wir die Jammerarien ja in jedem Jahr wo die Feiertage nicht aufs Wochenende fallen.

  • 11 MG Sprinter 19.12.2025, 17:52 Uhr

    Diese beiden Parteien sägen an ihrem Ast auf dem sie sitzen. Wer wählt diese Verrückten noch ?

  • 10 Martin 19.12.2025, 17:30 Uhr

    "Wir haben im Vergleich eine der geringsten Jahresarbeitszeiten und liegen mit der Zahl an geleisteten Arbeitsstunden EU-weit auf dem drittletzten Platz. Das liegt auch daran, dass wir mehr Urlaubstage haben, als Arbeitnehmer in anderen Ländern." Für diese beiden Behauptungen bitte ich um Angabe der zugrunde liegenden Quellen.

  • 9 Rainer Kluge 19.12.2025, 17:27 Uhr

    Mir scheint, die Grünen probieren alles aus was Wählerstimmen bringen könnte, denn deren große Ära ist vorbei. Schlimmer finde ich aber bei dieser Forderung, dass die überhaupt nicht darüber nachdenken, wie das aktuell der Wirtschaft schaden könnte. Blinder Fanatismus!!!

    Antworten (1)
    • Michl 19.12.2025, 18:32 Uhr

      Da habe ich wohl etwas verpaßt. Wann soll denn die "große Ära " der Grünen stattgefunden haben? Richtig ist das die Grünen selten Nachdenken über die Folgen ihrer Forderungen.

  • 8 Martin 19.12.2025, 17:23 Uhr

    Im "WDR aktuell"-WhatsApp-Channel wurde zur Bewerbung dieses Artikels eine pauschale, nicht eingeordnete Aussage zur Arbeitsleistung in Deutschland verbreitet. Eine solche Zuspitzung zur Reaktionssteigerung widerspricht dem öffentlich-rechtlichen Anspruch an sachgerechte und differenzierte Berichterstattung.

  • 7 Theo Kurt 19.12.2025, 17:13 Uhr

    Wir arbeiten zu wenig. Da kann man alle Wirtschaftswissenschaftler fragen. Wir sollten mal wieder in die Hände spucken und anpacken.

    Antworten (2)
    • Thomas aus Detmold 19.12.2025, 18:43 Uhr

      Was sollen wir denn noch produzieren? Wir haben doch Alles. Schauen Sie sich nur einmal die Parkplätze der Autofabriken an! Unverkaufte Autos, auf Halde produziert. Die Bosse in den Lehnsesseletagen sollten einmal gründlich abspecken, nicht immer deren Diener. Aber die hohen Herrschaften sind sich dafür zu fein. Warum müssen die Einen in Überstunden ersticken, während Andere bei den Arbeitsagenturen betteln müssen? Arbeitsumverteilung ist angesagt, nicht Arbeitsverdichtung.

    • Michl 19.12.2025, 18:49 Uhr

      Ich möchte mich nicht als Maßstab verstanden wissen. Meine Arbeitsleistung nach 45 Berufsjahren ordne ich als durchschnittlich ein. Ich werde fuchsteufelswild wenn jemand behauptet meine oder die Arbeitsleistung der meisten berufstätigen Menschen wäre zu gering. Besonders dann wenn die deutlich zu niedrigen Gehälter und Freizeitvergütungen deutscher Unternehmer berücksichtigt werden. Von den mickrigen Rentenleistungen eines der reichsten Länder der Welt abgesehen.

  • 6 Raimund 19.12.2025, 17:05 Uhr

    Grüne und Linke verstehen nichts mehr, nicht mal den Unterschied zwischen Feiertage und Urlaubstage. Es gibt eine Menge Verrücktheiten aber das hier stellt alles in den Schatten. Soll das Wählerstimmen bringen?

  • 5 mynona 19.12.2025, 16:45 Uhr

    Das Problem wäre ganz einfach zu lösen: Umwandlung sämtlicher Samstage und Sonntage in Arbeitstage, dann würden den Arbeitnehmern in 2026 keine Feiertage mehr verloren gehen. Im Gegensatz würden sie sicherlich gern in Kauf nehmen, etwa 100 Tage mehr zu arbeitren.

    Antworten (1)
    • Thomas aus Detmold 19.12.2025, 17:11 Uhr

      Das würde dem Kulturleben schweren Schaden zufügen und dort massenweise Arbeitsplätze vernichten! Das Leben würde eintönig, wenn es diese gelegentlichen Pausen nicht gäbe. „Die Wirtschaftsbranchen sind die körperlichen, die Kulturbranchen die seelischen Ernährer. Sind Beide gleichzeitig aktiv, so nehmen sie zum beiderseitigen Schaden einander die Kundschaft weg.“

  • 4 Bernd 19.12.2025, 16:24 Uhr

    Völliger Unsinn! Die Feiertage wurden eingeführt, um bestimmte religiöse oder gesellschaftliche Feste/Ereignisse zu begehen. Damit dies ungestört möglich ist, wurde die "Arbeitsbefreiung" für die meisten Berufsgruppen eigeführt. Fällt der Feiertag ohnehin auf einen arbeitsfreien Tag, besteht absolut kein Grund für eine "nachgeholte" Arbeitsbefreiung. ich kann nur staunen, was für ein Unsinn manchen Menschen einfällt...

  • 3 Michl 19.12.2025, 16:12 Uhr

    Die meisten Feiertage in Deutschland begründen sich auf christlichen Glauben und die christlichen Kirchen. So finden diese an Tagen statt die durch den Kirchenkalender bestimmt sind. Es gibt keinen Grund daran etwas zu ändern.

  • 2 Thomas aus Detmold 19.12.2025, 16:11 Uhr

    Das ersatzlose Abschaffen von Feiertagen beschleunigt den Prozess der Marktsättigung, an deren Ende Arbeitslosigkeit steht. Ich bin dafür, auf Wochenenden fallende Feiertage zu ersetzen. Eine Kompromiss-Alternative wäre vielleicht, den Jahresurlaub um die Zahl der betroffenen Feiertage zu erhöhen. Die Betriebe hätten zwar dann keinen zusätzlichen Ruhetag, wohl aber die Belegschaften.

  • 1 Jakob 19.12.2025, 15:39 Uhr

    Da merkt man das die beiden Parteien keine Themen mehr haben. Ich war Jahrzehnte Mitglied der IGM und Betriebsrat. Es wäre mir im Traum nicht eingefallen, solche aberwitzigen Forderungen wie die von linken und grünen zu stellen und das zu einer Zeit wo es der deutschen Wirtschaft eh nicht besonders gut geht.

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