Klingt komfortabel für die Kunden, hat aber Tücken - zum Beispiel für alle, die umziehen. Was die neue 24-Stunden-Wechsel-Garantie in der Praxis bedeutet.
Warum wird diese 24-Stunden-Regel eingeführt?
Das geht zurück auf eine EU-Richtlinie, die jetzt in nationales Recht umgesetzt ist und in Kraft tritt. Die Idee dahinter ist, den ganzen Strommarkt weiter zu digitalisieren und zu standardisieren.
Allein in Deutschland gibt es mehr als 1.300 Stromanbieter und knapp 900 Netzbetreiber. Und bislang war deren Datenaustausch sehr kompliziert. Wenn das aber künftig viel schneller und einfacher klappt, dann ist die Hoffnung, dass dadurch ganz neue Tarife möglich werden.
"Also zum Beispiel Angebote, wo ich eben ganz schnell den Versorger wechseln kann, mit kurzen Kündigungsfristen oder Anbietern, die vielleicht irgendwann mal sagen, ich wechsele für dich jede Stunde automatisch zum günstigsten Lieferanten", sagt Jörg Marksteiner aus der WDR-Wirtschaftsredaktion.
Das ist zwar noch Zukunftsmusik. Trotzdem werden dafür jetzt schon mal die technischen Grundlagen geschaffen.
Was ändert sich jetzt für die Verbraucher?
Wer einen laufenden Vertrag hat, für den ändert sich erst einmal gar nichts. Aber wenn ich dann irgendwann mal fristgerecht zu einem neuen Stromanbieter wechsele und der mich als Kunden angenommen hat, dann wird alles massiv schneller laufen. Jörg Marksteiner, WDR-Wirtschaftsjournalist
Das heißt: Alle Prozesse im Hintergrund. Also die Absprachen zwischen dem alten und dem neuen Anbieter mit dem Netzbetreiber und dem Messstellenbetreiber. Dieser ganze Datenaustausch wird sehr viel schneller gehen.
Jörg Marksteiner
Marksteiner zufolge habe das in der Vergangenheit oft acht bis zehn Tage gedauert. Künftig aber soll es "an einem Werktag passieren, weil die Abläufe standardisiert und automatisiert werden. Im Idealfall werde ich dann viel schneller vom neuen Lieferanten versorgt."
Wichtig: Die Kündigungsfrist für Verträge bleibt unverändert. Sie beträgt einen Monat zum Ende der Vertragslaufzeit.
Was müssen Kunden beachten, wenn sie den Anbieter wechseln?
Zwei Dinge. Zum einen wird der Anbieter künftig wahrscheinlich nicht mehr nach der Nummer des Stromzählers fragen, sondern nach der Marktlokationsidentifikationsnummer, kurz MaLo-ID.
Klingt kompliziert, aber diese elfstellige Nummer steht tatsächlich schon seit einigen Jahren auf jeder Stromrechnung. Wahrscheinlich ist das niemandem groß aufgefallen. Der Wechsel klappt zwar auch ohne, dauert dann aber vielleicht länger.
Die zweite wichtige Änderung betrifft diejenigen, die umziehen. Künftig ist es nicht mehr möglich, sich nach einem Umzug rückwirkend beim Stromversorger mit der neuen Adresse anzumelden. Das ging bislang bis zu sechs Wochen - jetzt geht das nur noch im Voraus. "Denken Sie also vor einem Umzug daran, rechtzeitig den Stromversorger zu informieren", rät Marksteiner.
Unsere Quellen:
- WDR-Wirtschaftsjournalist Jörg Marksteiner
- Verbraucherzentrale Niedersachsen