Fußfesseln sollen Opfer vor häuslicher Gewalt schützen

Aktuelle Stunde 23.08.2025 15:29 Min. UT Verfügbar bis 23.08.2027 WDR Von Dorothea Schluttig

Elektronische Fußfessel - NRW als Vorbild?

Stand:

Bundesjustizministerin Hubig will Opfer häuslicher Gewalt besser schützen und plant eine Neuregelung zur elektronischen Fußfessel. In NRW ist diese Technik schon seit etwa fünf Monaten im Einsatz. Die Ministerin plant nun ein bundesweites Gesetz.

Mehr als 250.000 Menschen sind deutschlandweit allein im Jahr 2023 Opfer häuslicher Gewalt geworden. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) plant nun ein neues Gesetz zur elektronischen Fußfessel.

Damit würden Täter und Opfer jeweils ein Ortungsgerät tragen. Wenn sich der Täter zu sehr nähert, wird beim Opfer und der Polizei ein Alarm ausgelöst. Für die Opfer soll das Tragen des GPS-Trackers freiwillig sein.

Fußfessel-Einsatz bei "Hochrisikofällen"

Die Fußfessel soll bei sogenannten "Hochrisikofällen" und zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Die Richter sollen sie zunächst für höchstens ein halbes Jahr anordnen dürfen. Eine Verlängerung um jeweils drei Monate ist möglich, wenn das Opfer einen entsprechenden Antrag stellt und die Gefahr nach Einschätzung der Richter weiter besteht, heißt es in dem Entwurf des Ministeriums.

NRW: Schon mehrere Personen mit Ortungsgerät für Fußfessel

Hubig plant ein bundesweites Gesetz. In einigen Bundesländern ist die Technik bereits im Einsatz, unter anderem seit März auch in Nordrhein-Westfalen.

Nach Angaben des Landeskriminalamtes haben in NRW inzwischen neun gefährdete Personen ein Ortungsgerät. Sie werden vor drei potenziellen Tätern geschützt, die eine elektronische Fußfessel tragen. "Die Diskrepanz ergibt sich daraus, dass es teilweise mehrere gefährdete Personen, beispielsweise Frau und Kinder, geben kann", so das LKA.

Als Vorbild gilt Spanien. Dort sei seit 2009 kein Opfer mehr getötet worden, wenn der Täter eine elektronische Fußfessel trug, heißt es in dem Gesetzentwurf.

Frauenhaus-Vertreterin ist skeptisch

Dorothea Hecht vom Verein "Frauenhauskoordinierung" hat sich in der vergangenen Woche skeptisch zu den Plänen geäußert. Hecht befürchtet, dass die Fußfessel aufgrund der hohen verfassungsrechtlichen Hürden in der Praxis nur äußerst selten zum Einsatz kommen werde.

Eine Fußfessel und der zugehörige GPS-Tracker liegen auf dem Tisch

Mit GPS-Trackern sollen potentielle Opfer vor Gewalt geschützt werden.

Die Zahlen häuslicher Gewalt sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. In zwei Dritteln der Fälle handelt es sich um Partnerschaftsgewalt, beim anderen Drittel geht es um innerfamiliäre Gewalt. Die Opfer sind mehrheitlich weiblich. Das Bundesjustizministerium strebt an, dass die neue Regelung Ende kommenden Jahres in Kraft tritt.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • Funke Mediengruppe
  • ARD-Hauptstadtstudio
  • Innenministerium Nordrhein-Westfalen

Kommentare zum Thema

3 Kommentare

  • 3 Doris Mehlhart 24.08.2025, 20:11 Uhr

    Die Frauen sollten endlich aus ihrer Opferrolle raus treten und sich zur Wehr setzen! Schlagt zurück! In welcher Zeit leben wir denn? Selbstverteidigung ist das A und O zum Überleben! Es nützen keine Beratungen sowie Gesetzes-Entwürfe/-Änderungen allein, Frauenhäuser usw., sie sind sowieso restos überfüllt; sondern allein die Abwehr des Täters! Uns Frauen sind Selbstverteidiungs-Kurse wie Judo, Ju Jutsu sowie Karate eine absolute Hilfe!

    Antworten (2)
    • Franziska 1 24.08.2025, 22:51 Uhr

      Sie schreiben "uns Frauen" sind Verteidigungs-Kurse eine große Hilfe. Beib den "uns" können aber leider nicht alle Frauen daran teilnehmen. Die Kurse sind geeignet bei Angriff auf der Straße, aber bestimmt nicht gedacht zur Abwehr der häuslichen Gewalt. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass diese Verteidigung gimpflich gut ausgeht zuhause und das Paar sitzt dann vereint wieder lieb auf der Couch. Ich würde beim erstenmal schlagen meine Kinder nehmen und sofort das Haus verlassen ohne wenn und aber. Somit bedarf es keine Opferrolle einnehmen zu müssen und die Kinder sind geschützt vor der sichtbaren Gewalt. Wegen Geld und Besitz bleiben- NEVER!

    • Jan 25.08.2025, 09:26 Uhr

      Ja, Selbstverteidigung ist wichtig für Frauen - leider. Auch unabhängig der häuslichen Gewalt passiert leider zu viel. Ich selber stelle fest, dass hauptsächlich Männer im Kampfsport unterwegs sind. Wie soll man den Frauen das Training denn "schmackhaft" machen? In unserem JuJutsu Verein sind zwar viele interessiert, kommen aber dann trotzdem nicht zum (Probe-)Training. Dennoch ist die Prävention wesentlich wichtiger! Selbstverteidigung darf immer nur das letzte Mittel sein.

  • 2 Handeln 24.08.2025, 14:46 Uhr

    Aus meiner Sicht sind Fußfesseln ein gutes Mittel um Gewalt gegen Partner:innen zu minimieren. Allerdings stört mich der Zeitfaktor, bis dies umgesetzt werden kann. Wenn häusliche Gewaltdelikte angezeigt werden, ist in meinen Augen "Gefahr in Verzug" und dies rechtfertigt Fußfesseln als Sofortmaßnahme, um das "Opfer zu schützen" - mit sofortiger richterlicher Genehmigung - Es geht darum das Opfer zu schützen und nicht Täter:innen. - für mich wäre dies ein überlegenswerter Ansatz . . .

  • 1 Franziska 1 23.08.2025, 23:16 Uhr

    Wenn es um häusliche Gewalt geht wird meistens nur über Frauen und Kinder berichtet. Wobei 39% auch Männer unter psychischer Gewalt leiden, 29% unter körperlicher. In der heutigen Zeit, wo geschlechtliche Menschen miteinander leben ob verheiratet oder in einer Partnerschaft, sollte man gleichberechtigt von Gewalt an Mann und Frau reden. Die Zeiten ändern sich, dann sollte es nicht einseitig sein und sich um beide Seiten zum Schutz kümmern. Ich bin überzeugt, dass die Dunkelziffer, weil Gewalt nicht jeder meldet und anzeigt, auch bei den Männern zunimmt. Es entsteht sonst ein Bild, als würden nur Männer Gewalt anwenden.

    Antworten (1)
    • Birgit 25.08.2025, 09:17 Uhr

      Dass Männer (und Jungen) auch Opfer von häuslicher Gewalt werden/sind, bedeutet nicht zwangsläufig, dass dann immer Frauen die Täterinnen sind. Zu häuslicher Gewalt zählen auch Fälle von Gewalt von Eltern gegen (auch männliche) Kinder und Jugendliche oder Partnerschaftsgewalt zwischen Männern. Das fließt ebenfalls in die Statistik ein. Und ist leider so, dass die wiederholte Gewalt, die teilweise von einem regelrechten Vernichtungswillen motiviert ist, ganz überwiegend von Männern ausgeübt wird.

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