Eierknappheit: Ostern ohne Eier?!

Aktuelle Stunde 21.03.2026 25:47 Min. UT Verfügbar bis 21.03.2028 WDR Von Cengiz Ünal

Kurz vor Ostern: Warum es gerade weniger Eier in NRW gibt

Stand:

Ein leeres Eierregal vor Ostern kann einen Schreck einjagen. Fünf Gründe, warum es gerade wenig Eier in NRW gibt.

Von Johanna Esch

Wer abends noch eben einkaufen geht, findet in letzter Zeit häufig mal leere Eierregale vor. Einige Supermärkte in NRW haben sogar Schilder aufgehängt und entschuldigen sich, weil es bei Produkten mit Ei zu Lieferengpässen kommt. Das sind fünf Gründe, warum es wenig Eier gibt. Und die Antwort auf die Frage: Gibt es kein Osterei zum Fest?

Grund 1: Kult ums Ei zu Ostern

Das bemalte Hühnerei gehört für viele zu Ostern einfach dazu. Deswegen steigt der Bedarf an Eiern zu Ostern traditionell jedes Jahr, nur in der Plätzchenbackzeit vor Weihnachten ist er noch höher. Gleichzeitig kauft die Lebensmittelbranche vor Ostern viele Eier auf, um sie gefärbt zu verkaufen. Diese Eier fehlen im Supermarkt.

Graphische Darstellung der gestiegenen Eierpreise von bis zu 25 Prozent

Steigende Eierpreise


Die Preise für Eier steigen insgesamt. Die klassische Zehnerpackung Eier aus Bodenhaltung kostete bei Discountern lange weniger als zwei Euro. Inzwischen liegt sie bei etwa 2,49 Euro – etwa 25 Prozent mehr.


Dazu kommt noch das Phänomen, dass es im ersten Quartal des Jahres immer eher weniger Eier gibt. Dahinter steckt, dass Legehennen nach rund zwei Jahren geschlachtet werden, weil sie dann auf Grund ihres Alters weniger Eier legen. Die neuen Hennen müssen sich zwei bis drei Wochen an den Stall gewöhnen. In der Zeit legen sie keine Eier. Den Hennen-Wechsel vollziehen viele Betriebe nach der Weihnachtssaison, also zu Beginn des Jahres.

Grund 2: Vogelgrippe

In Deutschland mussten in dieser Saison hunderttausende Legehennen wegen der Vogelgrippe getötet werden. In Polen traf es sogar mehrere Millionen Tiere, auch andere Länder in Europa waren betroffen. Betriebe schützen ihre Tiere seitdem besonders vor der Krankheit. Sie bleiben im Stall und da legen sie weniger Eier als an der frischen Luft.

Grund 3: NRW schon immer knapp mit eigenen Eiern

NRW konnte sich laut dem Halter-Verband "mein-ei.nrw" seit jeher nicht selbst mit Eiern versorgen. Schon lange muss aus den Nachbarländern zugekauft werden, dabei sind Eier aus der Region besonders gefragt. 

Dieses Phänomen gilt insgesamt für Deutschland. Nur etwa 72 Prozent des Bedarfs stammen aus heimischer Produktion. Der Rest wird importiert – vor allem aus den Niederlanden und aus Polen.

Eier werden in einer Fabrik automatisiert gefärbt

NRW schon immer knapp bei Eiern

Hinzu kommt ein weiteres Problem: In den Niederlanden werden derzeit viele landwirtschaftliche Betriebe geschlossen oder verkleinert, weil strengere Umweltauflagen gelten. Dadurch fehlen Deutschland rein rechnerisch bis zu 300 Millionen Import-Eier pro Jahr.

Grund 4: Auflagen erschweren Stallneubauten

Der Halter-Verband "mein-ei.nrw" kritisiert die Politik. Im Koalitionsvertrag der schwarz-grünen Landesregierung steht, dass mehr Tierwohl gefördert werden soll. Viele Halter wollen das umsetzen und dafür neue Ställe bauen, auch, um mehr Hühner gegen die Eierknappheit zu halten. Das Baugesetzbuch des Bundes bremst aus ihrer Sicht allerdings die nötigen Baugenehmigungen, etwa für neue Ställe aus.

Grund 5: Hühnereier im Trend

Zwei Spiegeleier und eine Scheibe Brot sind auf einem Teller serviert

Der Klassiker: Das Spiegelei

Es werden mehr Eier gegessen als früher. Im Jahr 2025 waren es 253 Eier pro Kopf, das sind 14 Eier pro Kopf mehr als noch vor zwei Jahren. Beliebt sind nicht nur Frühstückseier. Auch in Nudeln, Backwaren, Mayonnaise oder Süßspeisen stecken Eier. "Das Ei hat seinen Status als Cholesterinbombe verloren und gilt heute als hochwertiger Proteinträger", sagt der Vorsitzende des Bundesverbands Ei, Hans-Peter Goldnick.

Hinzu kommt, dass Eier in der Regel immer noch günstiger sind als die Proteinquelle Fleisch.

Gut zu wissen: Proteine nicht immer vom Huhn

Eine ausgewogene Mischkost deckt im Alltag meistens den Proteinbedarf. Dennoch sind High-Protein-Produkte nach wie vor im Trend. Bei den Produkten stammt das Protein in fast allen Fällen nicht aus Hühnerei. Herkömmliches Proteinpulver für Shakes bekommt sein Eiweiß durch die Zugabe von Molke oder aus pflanzlichen Quellen.

Das Eiweiß in Pudding, Milchreis oder Schokoriegeln stammt ebenfalls nicht von Hühnereiern, sondern etwa aus Milchprotein-Konzentrat.

Auch manche Brote werden mit einem hohen Eiweißanteil beworben. Dieses Eiweiß kommt in der Regel nicht aus Hühnereiweiß, sondern aus pflanzlichen Quellen wie Soja, Lupinen oder Weißenproteinen.

Fazit: Gibt es eine Eierknappheit vor Ostern?

Eierfans müssen zu Ostern nicht ums Ei bangen. Die Anfrage nach Eiern kann noch bedient werden. Allerdings arbeitet der Markt ohne große Reserven. Dass manche Supermärkte besonders leere Regale haben, liegt auch an der Sortimentsstrategie. Wenn bestimmte Größen oder Haltungsformen fehlen, wirken Regale schnell leer.

Udo Baumeister, Landwirt aus Breckerfeld ist seit über 60 Jahre in der Eierbranche. So eine Situation wie jetzt hat er noch nie erlebt. Trotzdem bleibt er dabei:

Landwirt Udo Baumeister aus Breckerfeld

Landwirt Udo Baumeister aus Breckerfeld will keine Panik machen

"Wir wollen keine Panik machen. Es ist jetzt nicht so, dass wir keine Ostereier dieses Jahr auf dem Tisch kriegen in Deutschland. Aber es ist wirklich eng. Wir werden sie nicht alle zusammen kriegen. Das ist ziemlich sicher.“

Die gute Nachricht: Die Eier, die es vor Ostern in die NRW-Regale schaffen, sind richtig frisch.

Wir brauchen Eier!

WDR Studios NRW 21.03.2026 02:15 Min. Verfügbar bis 20.03.2028 WDR Online


Unsere Quellen:

  • Andere WDR-Beiträge
  • Verband mein-ei.nrw
  • Interview mit Udo Baumeister, Landwirt Breckerfeld

Sendung: WDR 5, Tag um Sechs, 21.03.2026, 18.00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 21.03.2026, 18:45 Uhr

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