Viele kennen es: Qualifizierte Handwerker sind rar - und häufig erst nach Wochen oder sogar Monaten zu bekommen. Einer der Gründe dafür: Viele Fachfirmen haben Schwierigkeiten, Nachwuchs zu gewinnen. Das zeigt auch die Statistik - die Zahl der Azubis im Handwerk ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Gab es im Jahr 1997 noch rund 633.000 Azubis in Deutschland, waren es 2007 nur noch und 483.000 Lehrlinge - und im Jahr 2024 waren es etwas mehr als 341.000 Azubis.
Die Berufsausbildungsstatistik für NRW zeigt ebenfalls einen Rückgang bei der Zahl der Auszubildenden im Handwerk, allerdings nicht ganz so deutlich wie bundesweit: 2015 waren es mehr als 78.500 Lehrlinge, 2024 knapp 75.000.
Warum die Zahl der Azubis im Handwerk zurückgegangen ist
Laut Berufsbildungsbericht 2025 blieben im Handwerk deutschlandweit zuletzt rund 19.000 und damit 18 Prozent aller betrieblichen Ausbildungsstätten unbesetzt. Verschiedene Ursachen wurden dafür genannt:
Demografischer Wandel: Es gibt generell weniger junge Menschen, wie nicht zuletzt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) festgestellt hat.
Beliebtes Studium: Viele junge Menschen beginnen laut ZDH nach wie vor lieber ein Studium - auch, weil sie die veraltete Vorstellung hätten, dass sie nur mit einem Studienabschluss gutes Geld verdienen könnten.
Schlechter Ruf: Nicht wenige Jugendliche befürchten offenbar, dass sie in der Gesellschaft einen niedrigeren Status hätten als jemand mit einem akademischen Abschluss. Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) verbinden junge Menschen mit Hochschulreife eine Arbeit in Berufen, die auch Hauptschülern offenstehen, mit einem Prestigeverlust.
Was für eine Tätigkeit im Handwerk spricht - 5 Gründe
Eine Ausbildung in einem Handwerksbetrieb kann durchaus attraktiv sein - 5 Gründe, die dafür sprechen:
1. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig - laut der Handwerkskammer für Schwaben gibt es über 130 verschiedene Ausbildungsberufe.
2. Handwerksberufe sind außerdem zukunftssicher, sagt die ZDH - qualifizierte Handwerkerinnen und Handwerker würden auch in Krisenzeiten gebraucht. Insofern biete die Branche gut ausgebildeten Fachkräften sichere Arbeitsplätze bei geregelten Arbeitszeiten und attraktiven Verdienstmöglichkeiten, auch schon während der Ausbildung.
3. Die Aufstiegschancen sind nach ZDH-Angaben top - in einem Handwerksberuf mit anschließenden Weiterbildungen sei oft eine bessere Karriere möglich als mit einem Studium.
4. Ebenfalls für die Wahl einer Ausbildung im Handwerk spricht aus ZDH-Sicht, dass die Aussichten für eine spätere Selbstständigkeit gut seien - nicht zuletzt wegen der Möglichkeit der Meisterprüfung, die auf eine Betriebseröffnung ausgelegt sei.
5. Und schließlich bietet laut dem Portal deutschland.de, das im Auftrag des Außenministeriums betrieben wird, handwerkliche Ausbildung auch die Gelegenheit, zeitweise im Ausland zu arbeiten: Die Ausbildung und die Qualifikationen seien in der Regel international anerkannt.
Unsere Quellen:
Sendung: WDR.de, Handwerkstag: Immer weniger Azubis im Handwerk, 04.12.2025, 05.58 Uhr