Symbolbild: Eine junge Frau steht mit ängstlichem Blick inmitten vieler Menchen.

Depression: Wie hilfreich sind digitale Angebote und KI?

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Am heutigen Dienstag ist das "Deutschland-Barometer Depression" vorgestellt worden. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hat fast 5.200 Personen gefragt, wie sich sich über die Krankheit informieren. Die Daten zeigen, dass digitale Angebote eine große Rolle spielen. Wie sie zu bewerten sind.

Von Catharina Coblenz, App-Reporterin im WDR NewsroomCatharina Coblenz

Rund jeder zweite Erwachsene in Deutschland hat der Umfrage zufolge bereits online nach Informationen über Depressionen gesucht. Unter den tatsächlich Erkrankten sind es 78 Prozent, wie aus dem aktuellen "Deutschland-Barometer Depression 2025" hervorgeht.

Seit 2017 untersucht das Barometer regelmäßig Einstellungen und Erfahrungen der Bevölkerung rund um das Thema Depression. Im September 2025 wurden bundesweit 5.196 Erwachsene im Alter von 18 bis 69 Jahren befragt. Zudem nahmen 103 Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren an der Umfrage teil.

Mögliche Ursachen für eine Depression

Die Studienteilnehmer wurden beispielsweise gefragt, was ihrer Meinung nach die wichtigsten Ursachen für die Entstehung einer Depression seien. 94 Prozent hielten hier einen Schicksalsschlag oder Probleme in der Familie für "bedeutsam" oder sogar "sehr bedeutsam". Für 93 Prozent der Befragten sind auch Einsamkeit, Überforderung und Stress sowie Beziehungsprobleme "bedeutsam" für die Entstehung einer Depression.

Infos über Depressionen: Digitale Angebote spielen wichtige Rolle

Digitale Angebote wie Suchmaschinen, Social Media und KI-Programme spielen für viele Betroffene eine wichtige Rolle bei der Suche nach Orientierung. Die Daten zeigen, dass 78 Prozent der Betroffenen online Informationen zu der Erkrankung gesucht hat - und zwar meist über Suchmaschinen, Websites von Krankenkassen, Websites von Kliniken und Ärzten, Social Media oder auch Künstliche Intelligenz.

Social Media als Weckruf zur Therapie?

Das Thema Depression ist in den sozialen Medien sehr präsent: 66 Prozent der von Depression Betroffenen gaben an, die Sozialen Medien täglich zu nutzen - gegenüber 60 Prozent der Gesamtbevölkerung. 35 Prozent der Befragten sagten, dass sie die sozialen Medien während einer depressiven Phase eher mehr nutzen. Gleichzeitig waren 51 Prozent der Betroffenen der Meinung, dass es besser wäre, die Nutzung sozialer Medien in einer depressiven Phase zu reduzieren.

Ein kleiner Teil der Betroffenen erlebte Inhalte in sozialen Medien nach eigenen Angaben dagegen als hilfreich. So gaben 17 Prozent an, dadurch motiviert worden zu sein, sich professionelle Hilfe zu suchen. Neun Prozent kamen durch die Beiträge erstmals auf die Idee, womöglich selbst an einer Depression erkrankt zu sein.

Ein brünette Frau mit einer Bluse im Portrait

Julia Brailovskaia, Ruhr-Universität Bochum

Julia Brailovskaia arbeitet am Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit (FBZ) der Ruhr-Universität Bochum und forscht zu Social Media-Nutzung und psychischer Gesundheit. Sie weist auf eine Wechselwirkung zwischen Depressionen und den sozialen Medien hin. Menschen mit Depressionen neigten dazu, die sozialen Medien mehr zu nutzen. Gleichzeitig führe eine verstärkte Nutzung sozialer Medien auch zu mehr Depressionen.

KI-Trend auch beim Thema Depression

Heike Friedewald von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe betont, dass die 17 Prozent der 18- bis 69-Jährigen, die sich durch Künstliche Intelligenz über Depression informierten, in der KI nicht automatisch einen Therapeuten-Ersatz sähen.

Der KI-Trend sei eben auch in diesem Bereich angekommen. Bei der Datenerhebung im vergangenen Jahr habe die Information über Depression mittels KI im Vergleich noch gar keine Rolle gespielt.

Depressionen Online-Suche

WDR Studios NRW 25.11.2025 01:26 Min. Verfügbar bis 25.11.2027 WDR Online


KI-Chatbots statt Therapeuten?

Doch was ist, wenn die KI-Chatbots doch als Therapeuten-Ersatz genutzt werden? Caroline Allenhof, Psychologin und ebenfalls Mitarbeiterin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, erklärt, dass die Forschung zu KI gestützter Psychotherapie noch jung sei - zu jung, um beurteilen zu können, welche Vor- und Nachteile aus einer solchen Nutzung entstehen.

Man könne sagen, dass die Modelle teilweise recht empathisch reagieren, es seien jedoch Sprachmodelle, die auf statistischen Modellen basieren - und die "die wahrscheinlichste Antwort auf eine Anfrage liefern."

"Diese Antworten mögen überzeugend klingen, doch sie sind keine Garantie für Korrektheit." Caroline Allenhof, Psychologin und Mitarbeiterin der deutschen Stiftung Depressionshilfe

Dass manche Menschen dazu neigen, KI-Chatbots als Therapeuten-Ersatz zu sehen, sieht Julia Brailovskaia "extrem kritisch", da die KI "nicht über die Empathiefähigkeit des Menschen verfügt".

Fehlende Empathie-Fähigkeit als Problem

Sie vergleicht die KI mit einem "sehr eifrigen Praktikanten", der die gestellten Fragen mit "bestem technischen Gewissen beantwortet". Antworten hingen sehr stark von den gestellten Fragen ab, da der KI-Chatbot "nicht darüber nachdenkt, wie es der Person geht, die fragt". Werden der KI beispielsweise Fragen zu suizidalen Aspekten gestellt, dann könne es im schlimmsten Fall passieren, dass die KI Möglichkeiten nennt, Suizid zu begehen. Daher ist Brailovskaia wichtig:

"Auf der anderen Seite muss ein Mensch sitzen, der ausgebildet ist." Julia Brailovskaia, Ruhr-Universität Bochum

Auch wenn man lange auf einen Therapieplatz warten müsse, sei es laut Brailovskaia nicht empfehlenswert, sich mit psychischen Problemen an einen KI-Chatbot zu wenden. Stattdessen empfiehlt sie in solchen Fällen, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen oder auch andere mögliche Online-Angebote in Anspruch zu nehmen.

Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden oder an Suizid denken, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten, die nächste psychiatrische Klinik oder wählen Sie den Notruf unter 112. Sie erreichen außerdem die Telefonseelsorge rund um die Uhr, anonym und kostenfrei unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222 oder unter telefonseelsorge.de.

Weitere Informationen zu Anlaufstellen und Hilfe finden Sie bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention.

Unsere Quellen:

  • "Deutschland-Barometer Depression 2025" der Stiftung Deutsche Depressionshilfe
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Interview mit Julia Brailovskaia, Ruhr-Universität Bochum
  • Interview mit Heike Friedewald, Stiftung deutsche Depressionshilfe
  • Caroline Allenhof, Psychologin und Mitarbeiterin der deutschen Stiftung Depressionshilfe

Über dieses Thema berichtete der WDR am 25.11.2025 auch in den Hörfunk-Nachrichten.

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