Neue Führung, Bahn macht Milliardenverlust | Aktuelle Stunde

Aktuelle Stunde 27.03.2026 23:37 Min. UT Verfügbar bis 27.03.2028 WDR Von Gereon Helmes

Die Bahn und die Pünktlichkeit: Sanieren allein reicht nicht

Stand:

Die Bahn gibt vor allem der maroden Infrastruktur die Schuld an Verspätungen, doch laut Experten liegen die Probleme tiefer.

Von Sebastian Tittelbach

Während der Vorstand der Deutschen Bahn seine Geschäftszahlen präsentiert und einen neuen Milliardenverlust verkündet, haben Bahnkunden zwischen Köln und Hagen andere Sorgen. Kein Fernzug, keine S-Bahn, nichts rollt mehr durch den Bahnhof Wuppertal-Barmen. Die Strecke ist bis in den Sommer eine Großbaustelle und deshalb teilweise oder ganz gesperrt. Stattdessen fahren seit Februar purpurfarbene Ersatzbusse.

Bahn lässt zehn Korridore in NRW sanieren

Großbettungsmaschine im Einsatz bei Wuppertal

Eine Großbettungsmaschine ist bei Wuppertal im Einsatz

Es ist die zweite sogenannte Korridorsanierung in NRW, in den nächsten Jahren sollen laut DB noch acht weitere Folgen. Personenverkehrsvorstand Michael Peterson weist auf alte Fehler hin: "Wir wissen, dass in die Schiene und in die Weichen seit Jahrzehnten zu wenig investiert worden ist. Und wir sind sehr froh, dass wir jetzt einen entsprechenden Rückenwind auch aus der Politik haben."

Bahnexperte: Marode Gleise nicht das einzige Problem

Solche Sätze fallen bei der Bahn häufig: 80 Prozent der Verspätungsursachen seien auf den Zustand der Infrastruktur zurückzuführen. Doch Christian Böttger, Bahnexperte und Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, will das so nicht stehen lassen: "Das Narrativ der Bahn geht sehr stark dahin, dass sei unser einziges Problem. Aber es gibt eben noch weitere Probleme, über die die Bahn nicht so gerne spricht."

Bahn fehlen Abnahmeprüfer, um sanierte Strecken freizugeben

Dr. Christian Böttger

Christian Böttger, Bahnexperte und Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

Gemeint sind Managementprobleme: Eine aufgeblähte Konzernzentrale, eine schlechte Personalplanung, der Bahn fehlen nicht nur Lokführer, sie soll auch zu wenige Abnahmeprüfer ausgebildet haben. Diese Experten geben nach einer Baustelle die Strecke wieder frei. Fehlen sie, rollt kein Zug über die frisch sanierten Schienen: "Die sind jetzt so knapp, dass wir Verzögerungen in den Bauarbeiten haben", sagt Böttger, "und das bedeutet eben länger Schienenersatzverkehr, längere Störungen des Betriebes und eine Belastung der Fahrgäste." Die Bahn bestätigt, dass ihr Bedarf an Abnahmeprüfern gestiegen ist - auch eine Folge des höheren Bautätigkeit.

Bundesrechnungshof kritisiert Management und Bund

Vor einer Treppe am Bahnhof Wuppertal-Barmen hängt das Schild "Bahnsteig bis zum 10.07.2026 gesperrt"

Gesperrter Bahnsteig in Wuppertal-Barmen

Der Bundesrechnungshof hatte der Bahn schon im vergangenen Jahr ein miserables Zeugnis ausgestellt: Das Management habe Verbesserungen nur angekündigt, aber nicht geliefert. Und der Bund als Alleineigentümer habe tatenlos zugesehen.

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) konzentriert sich dagegen auf die Sanierungsarbeiten und sieht besonders in NRW Bedarf: "Nordrhein-Westfalen hat das schlechteste Bahnnetz aller Bundesländer. Deshalb erwarte ich vom Bund und von der Deutschen Bahn, dass auch in Nordrhein-Westfalen prioritär in die Sanierung investiert wird."

Zu viele Züge im deutschen Schienennetz unterwegs

Doch selbst wenn die Strecken wieder in Schuss sind, heißt das nicht, dass alle Züge wieder pünktlich sind, meint Bahnexperte Christian Böttger, dafür seien es zu viele: "Das Netz ist nicht gewachsen, man hat immer mehr Züge in das bestehende Netz reingequetscht und jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem das nicht mehr geht."

Experten raten zu ausgedünnten Fahrplänen

Mit dieser Idee sieht er sich auf einer Linie mit anderen Fachleuten: Es müssen Züge gestrichen werden, betroffen wäre davon am ehesten der Regionalverkehr. Die Deutsche Bahn bestätigt auf Anfrage, dass das Schienennetz teilweise überlastet ist. Ob deshalb weniger Züge fahren sollten, lässt sie offen.

Unsere Quellen


  • Deutsche Bahn AG
  • Interview Prof. Christian Böttger, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
  • Interview Oliver Krischer (Grüne), NRW Verkehrsminister

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 27.03.2026, 12:45 Uhr
Sendung: WDR Fernsheen, Aktuelle Stunde, 27.03.2026, 18:45 Uhr

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