Freibad: Gefährliche Ablenkung durch das Handy
Aktuelle Stunde . 22.06.2025. 23:46 Min.. UT. Verfügbar bis 22.06.2027. WDR.
Badeunfälle mit Kindern: So können Eltern vorbeugen
Stand:
In Deutschland sterben jedes Jahr Kinder bei Badeunfällen. Erst kürzlich ertrank ein Dreijähriger in Köln. Was können Eltern tun, um solche Unfälle zu verhindern?
Von Jörn Seidel
Die Sorge schwingt immer mit, wenn Eltern mit ihren Kindern einen schönen Tag im Freibad oder am Badesee verbringen wollen. In Köln ertrank in der vergangenen Woche ein Dreijähriger in einem Badesee. Besucher hatten das Kleinkind erst entdeckt, als es bereits leblos im Wasser trieb. Auch die alarmierten Rettungskräfte konnten dem Kind nicht mehr helfen.
Die Sorge vor Badeunfällen ist berechtigt, denn schon einmal kurz nicht aufpassen, kann fatale Folgen haben. Besonders tückisch: Ertrinken passiert meist lautlos - und innerhalb kürzester Zeit.
In Filmen und Serien werden Ertrinkende meist laut rufend und mit wild rudernden und winkenden Armen dargestellt. Dieses Bild entspricht aber in der Regel nicht der Realität, denn Ertrinken geschieht oft leise und unbemerkt. DLRG
So läuft es ab, wenn jemand ertrinkt
Wenn Kinder (oder Erwachsene) ertrinken, gibt es laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) fünf Phasen:
- Abwehrphase (sehr kurz!): Das Kind schlägt panisch mit den Armen, paddelt mit Kopf im Wasser nach unten - kann nicht rufen oder winken; das Ganze dauert häufig nur 20 bis 60 Sekunden. Danach sinkt der Ertrinkende unter die Wasseroberfläche.
- Atemstillstand: Eingeatmetes Wasser löst einen Schutzreflex aus - dadurch verschließt sich die Luftröhre. Jetzt kann zwar kein Wasser mehr in die Lungen, aber es kann auch kein Sauerstoff mehr eingeatmet werden. Das Kind wird bewusstlos.
- Wasser in Lungen: Der Schutzreflex lässt nach; jetzt kann das Wasser ungehindert in größeren Mengen in die Lungen eindringen.
- Muskelkrämpfe: In Folge von Sauerstoffmangel treten am ganzen Körper Muskelkrämpfe auf.
- Finale Phase: Letzte Atemzüge, dann Atem- und Kreislaufstillstand - biologischer Tod
Badeunfälle verhindern: Worauf Eltern achten sollten
Was sollten Eltern beachten, um das Risiko von solchen Badeunfällen mit Kindern und Jugendlichen zu verringern? Einige Sicherheitstipps der DLRG:
Aktive Aufsicht: "Unabhängig davon, ob Kinder mit oder ohne Hilfsmittel ins Wasser gehen: Erziehungspersonen haben immer, auch bei vorhandener Badeaufsicht, die Pflicht zur aktiven und konsequenten Aufsicht", teilt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft auf ihrer Website mit. Grundsätzlich sollten Eltern auch beachten, dass Kinder noch nicht in der Lage sind, "die gesamte Tragweite ihres Handelns" zu überschauen, so der DLRG. "Aus diesem Grund benötigen sie eine verantwortungsbewusste Erziehungs- bzw. Aufsichtsperson."
In Reichweite sein: "Wichtig ist auch immer, dass man Kinder, wenn sie noch nicht schwimmen können, nie aus den Augen lässt, auch wenn sie nur am Wasserrand spielen", sagte Frank Zantis, Sprecher des DLRG Nordrhein, dem WDR. Das sollte man aber nicht aus 20 Metern Entfernung tun. "Da kann die Hilfe in gewissen Situationen schon zu spät kommen." Auch auf Schwimmflügel dürfe man sich nicht verlassen.
Individuelle Voraussetzungen beachten: Zu beachten seien beim Baden und Schwimmen auch die individuellen Voraussetzungen des Kindes, also der aktuelle Entwicklungs- und Gesundheitszustand in psychischer wie auch physischer Hinsicht.
Gefahren erkennen: Gefahrenpunkte und Gefahrenorte sollten möglichst vorausschauend erkannt werden, so die Rettungsschwimmer.
Regeln wiederholen: Kinder müssten außerdem genau wissen, was erlaubt bzw. verboten ist, so der DLRG. "Sicherheit ist jedoch nicht allein durch Gebote und Verbote zu erreichen. Vor allem jüngere Kinder müssen häufiger an die wichtigsten Verhaltensregeln und Sicherheitsmaßnahmen erinnert werden, da einmalige Belehrungen vergessen werden. Deshalb: besser regelmäßige und situative Wiederholung von sicherheitsrelevanten Anweisungen."
Alle vier Schwimmabzeichen: Seepferdchen, Bronze, Silber und Gold
Seepferdchen-Abzeichen reicht nicht: Das Schwimmabzeichen Seepferdchen sei "nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zum sicheren Schwimmer". Erst mit dem Abzeichen Bronze könne man recht sicher schwimmen, so die DLRG.
DLRG-Statistik: Zahlreiche tote Kinder durch Ertrinken
Deutschlandweit starben im vergangenen Jahr 353 Menschen durch Ertrinken, teilt die DLRG mit. Darunter waren 14 Kinder zwischen einem und zehn Jahren. Die meisten Menschen ertranken demnach in Flüssen und Seen. Aber auch in Schwimmbädern kam es immer wieder zu Badeunfällen.
Unsere Quellen:
- Website der DLRG
- Frank Zantis, Sprecher des DLRG Nordrhein, im WDR-Gespräch
- Mitteilung der Polizei Hagen
- DLRG: Augen auf - Ertrinken verhindern
- DLRG Burscheid: Ertrinkungsnotfall
- DLRG Augsburg: Ertrinken erkennen!