50 Jahre ESA: NRW will in der Raumfahrt Gas geben | Aktuelle Stunde

02:57 Min. Verfügbar bis 30.05.2027

50 Jahre ESA: Was bringt uns die Weltraumforschung?

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Vor 50 Jahren wurde die Europäische Weltraumorganisation ESA gegründet. Wie ihre Forschung unseren Alltag prägt.

Von Catharina Coblenz, App-Reporterin im WDR NewsroomCatharina Coblenz

Die Europäische Weltraumorganisation ESA wurde vor 50 Jahren gegründet, um die europäische Raumfahrt zu fördern und zu koordinieren. Aber wozu brauchen wir die Raumfahrt überhaupt? Sie ist teuer und umweltschädlich, so eine häufige Kritik. Unser Alltag sähe ohne sie allerdings ganz anders aus.

Was hat die Weltraumforschung bisher gebracht?

Ohne die unbemannte Raumfahrt wäre unser Leben so, wie wir es heute kennen, gar nicht möglich, sagt WDR-Wissenschaftsjournalistin Magdalena Schmude von Quarks. Ergebnisse dieser Forschung prägen unseren Alltag. Außerdem profitieren wir von ihr in Bereichen wie Sicherheit, Klimaschutz und Wirtschaft.

Zwar könnten einige Formen der bemannten Weltraumforschung durchaus kritisch betrachtet werden. "Aber auch da würde ich unterscheiden zwischen Flügen, die zum Beispiel Menschen auf eine Raumstation bringen, um da Experimente durchzuführen. Oder den medienwirksamen Weltraumausflügen von zahlenden Weltraumtouristen und Touristinnen, die keinen wissenschaftlichen Auftrag haben", sagt Schmude.

Es sind sehr verschiedene Bereiche, in denen wir uns die Forschung zu Nutze machen:

Navigationssysteme

Navigationssysteme würden ohne Weltraumforschung und Raumfahrt nicht funktionieren, denn sie laufen über ein Netz von Satelliten. Die ESA hat hier das Satellitensystem "Galileo" zur Navigation entwickelt.

GPS und Satelliten sorgen dafür, dass Navis funktionieren und unübersichtliche Papierpläne weitgehend ausgedient haben. Der öffentliche Personenverkehr und auch der weltweite Transport von Waren zu Land, zu Wasser und in der Luft wäre ohne verlässliche Satellitendaten stark beeinträchtigt.

Kommunikationssysteme

Chatten und Videocallen mit Freunden und Familie, aber auch Liveübertragungen und der Radioempfang wären in der Form, wie wir es gewöhnt sind, nicht möglich. Fernsehen und Internet könnte man zwar auch von der Erde aus aufrechterhalten - bräuchte aber Funkmasten mit ausreichender Reichweite.

Auch bei Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und militärischen Streitkräften wäre keine störungsfreien Kommunikation und keine präzise Ortung mehr möglich. Bei Hilfsmaßnahmen ginge dadurch wichtige Zeit verloren.

Zeitsynchronisation

Die Zeitsynchronisation mit Satelliten hilft in verschiedenen Bereichen. Dabei werden verschiedene Geräte und Systeme aufeinander abgestimmt. Das hält unsere zunehmend dezentrale Energieversorgung am Laufen. Ohne die Zeitsignale der Satelliten würden ganze Stromnetze instabil. Es käme zu Stromausfällen bis hin zu großflächigen Blackouts.

Auch die Finanzmärkte sind von der Zeitsynchronisation durch Satelliten abhängig. Sie ermöglicht es, Bargeld am Automaten abzuheben, Geldtransfers, Aktienkäufe und Kreditgeschäfte zu tätigen.

Meteorologie

Wichtig sind auch die Beobachtungssatelliten im All, beispielsweise für die Wettervorhersage. Sie liefern auch Informationen über Extremwetter-Ereignisse und können Vorgänge erfassen, die wir von der Erde aus nicht sehen können, wie beispielsweise Verschmutzungen in der Atmosphäre. Dadurch leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Katastrophen- und Klimaschutz.

Wirtschaft

Die Raumfahrtindustrie selbst ist ein wachsender Wirtschaftszweig bei Innovation und Technologieentwicklung von Unternehmen und Start-ups, die beispielsweise mit frei zugänglichen Daten von Erdbeobachtungsprogrammen arbeiten können.

Zum anderen profitieren auch Wirtschaftsunternehmen abseits der Raumfahrt von ihren Forschungsergebnissen: In NRW hat das Unternehmen "nunos" von der ESA profitiert, die im All ein Verfahren entwickelt hat, womit Astronauten aus Urin Dünger zum Anbau von Pflanzen herstellen konnten. Nun produziert Nunos einen geruchsneutralen Pflanzendünger aus Gülle.

Wissenschaft

Die Weltraumforschung untersucht Objekte im Weltall, angefangen in unserem Sonnensystem bis hin zu weit entfernten Galaxien und dem Universum als Ganzes.

Laut der deutschen Raumfahrtagentur ist die Weltraumforschung darüber hinaus wichtig, um die fundamentalen Gesetze der Physik zu erforschen. Diese können im Weltraum, wo Schwerelosigkeit, Erschütterungsfreiheit und Ultrahochvakuum herrschen, besser erforscht werden als auf der Erde.

Was kostet die Weltraumforschung?

Preiswert ist Weltraumforschung wirklich nicht. 3,5 Milliarden Euro zahlt Deutschland jährlich an die ESA. Damit ist die Bundesrepublik, gefolgt von Frankreich und Italien, der größte Beitragszahler. Ein Großteil der ESA-Mittel wird für Erdbeobachtung, Navigation und Weltraumtransport eingesetzt.

Das Budget der ESA im Jahr 2025 beträgt knapp 7,7 Milliarden Euro. Das ist der zweithöchste Wert seit Bestehen der Organisation. Zum Vergleich: Die USA geben jährlich rund 25 Milliarden US-Dollar für ihre Weltraumbehörde NASA aus.

Deutschland zahlt darüber hinaus dem DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) jährlich rund 1,3 Milliarden Euro für Forschung und Betrieb. Davon entfallen etwa 550 Millionen Euro auf die Raumfahrtforschung.

Auch verschiedene Unternehmen beteiligen sich an der Weltraumforschung in Deutschland, wie beispielsweise Airbus, das unter anderem Satelliten und Raketen entwickelt und produziert. Außerdem sind auch viele "New Space Start-ups" in der Raumfahrtindustrie tätig.

Wie steht die Politik zur Weltraumforschung?

Im neuen Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt es dazu: "Raumfahrt ist eine Zukunfts- und Schlüsseltechnologie und auch für unsere Sicherheit und unsere militärischen Fähigkeiten zentral." Aus dem bisherigen Bundesministerium für Bildung und Forschung soll in Zukunft das Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt werden.

Die neue Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) betont die strategische Bedeutung für Deutschland. "Raumfahrttechnologien können oft zivil oder militärisch genutzt werden. Angesichts der Zeitenwende müssen wir das für unsere Sicherheit berücksichtigen. Investitionen in Raumfahrttechnologien stärken unsere Industrie- und Forschungslandschaft". Die in der Raumfahrt genutzten Technologien seien wichtig für Mobilität, Landwirtschaft, Gesundheit und den Zivilschutz.

Wer ist in Deutschland für Weltraumforschung zuständig?

In Deutschland ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für Weltraumforschung und Raumfahrt zuständig. Aber auch die ESA und das Weltraumkommando der Bundeswehr spielen in Deutschland eine wichtige Rolle für die Weltraumforschung. Die ESA, an der Deutschland beteiligt ist, betreibt beispielsweise das Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt und kooperiert eng mit dem DLR.

Quellen:

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