Vom Konditor zum Kapitän: Attendorner schlägt neuen Kurs ein
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25 Jahre lang hatte er ein Eiscafé in Attendorn. Dann musste Frank Harnischmacher die Reißleine ziehen. Burnout, mit 52 Jahren. Doch schnell erfindet er sich neu und steuert jetzt ein großes Schiff über den Biggesee.
Von Denis Stephan
Frank Harnischmacher ist hochkonzentriert. Sein Blick huscht von links nach rechts, um ja nichts zu übersehen. Seine rechte Hand ruht sicher am Steuerruder, die linke ist aufgestützt. Heute ist sein Job im Steuerhaus der EMS Westfalen entspannt, der See vor ihm ist ruhig. Nur ein paar Enten tauchen auf. "Die fliegen von selbst weg", sagt der 54-Jährige.
Harnischmacher wirkt wie ein erfahrener Kapitän. Doch das ist er nicht. Den Job am Steuerrad hat er erst seit rund zwei Jahren. Jahrzehntelang war er Konditor und Gastronom, mit eigenem Eiscafé in Attendorn. Dann kam Corona mit ausbleibenden Gästen und vielen Sorgen. Und dann: Burnout.
Wie der Burnout Harnischmachers Leben verändert hat
00:37 Min.. Verfügbar bis 07.11.2027.
Das hat sein Leben grundlegend verändert. Harnischmacher heuert auf den Schiffen auf dem Biggesee an, macht den kleinen Binnenschifffahrtsschein. Jetzt steuert er die beiden Schiffe mit bis zu 750 Gästen. Eine riesige Verantwortung: "Die ersten Tage war ich schon nervös, mittlerweile fühle ich mich sicherer. Das Schiff bewegt sich nicht wie ein Auto, der Bremsvorgang ist anders und man muss die Naturgewalten Wind und Wasser beachten."
Der Biggesee im Sauerland
Der Biggesee im Kreis Olpe ist laut Statistischem Bundesamt der fünftgrößte Stausee in Deutschland. Bis zu knapp 172 Millionen Kubikmeter Wasser passen hinein. An seinen Ufern ragen sanfte Hügel auf, die Bäume stehen dicht an dicht. Ein Naturparadies für Segler, Kanuten, Schwimmer, Wanderer und Radfahrer.
Das genießt Harnischmacher bei seiner Arbeit auf der Brücke. "Das sind die schönsten Momente in meinem neuen Job. Ich lebe zwar schon seit über 25 Jahren am Biggesee, aber jetzt sieht man den See mit ganz anderen Augen", schwärmt er vom traumhaften Ausblick.
Von April bis Oktober sind zwei Schiffe auf dem See unterwegs. Gäste können an fünf Haltestellen ein- und aussteigen. Abends kann es für Harnischmacher auch schon mal lang werden. Denn auf der EMS Westfalen finden auch Kongresse, Hochzeiten und andere Feiern statt.
In Doppelfunktion auf dem Schiff
Ein kompletter Jobwechsel? Nicht ganz. Seinen alten Beruf als Gastronom hat Harnischmacher auch als Kapitän nicht aufgeben müssen. "Zu 95 Prozent" sei er noch Gastronom, sagt er, " ich bin froh, dass ich das auch weitermachen darf". So ist er auch im Restaurantbereich des Schiffs aktiv, kümmert sich um Essen und Getränke.
Schippern in traumhafter Natur: der Biggesee
Auf der EMS Westfalen ist ohnehin viel Teamarbeit gefragt. Harnischmacher ist nicht mehr sein eigener Chef, so wie früher. "Das tut mir gut, ich habe den Kopf frei für andere Dinge", sagt er. Trotzdem trifft er selbstständig Entscheidungen. Er ist unter anderem für die Einkäufe für das Restaurant und die Vorbereitung von Kuchen und Getränken verantwortlich.
Warum Harnischmacher auch weiter gerne Gastronom ist
00:21 Min.. Verfügbar bis 07.11.2027.
Im Wechsel geht es dann wieder nach oben in den Schiffsstand. Ein abwechslungsreicher Job. Von einem Traumjob will Harnischmacher aber nicht sprechen: "Mit über 50 kann man noch dazulernen, ich habe keine Angst vor neuen Jobs. Vielleicht mache ich nochmal was ganz anderes bis zur Rente, wer weiß?"
Über das Thema haben wir am 07.10.2025 auch im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Südwestfalen, 19.30 Uhr.