Eine Frau und drei Mädchen stehen um eine Leuchtsäule, die Insekten anzieht.

Schmetterlinge der Dunkelheit: Auf Nachtfaltersuche im Venner Moor

Unterwegs

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Motten als farbenfrohe Insekten? Beim "Nachtleuchten" im Venner Moor bei Senden erleben Besucher die Nachtfalter abseits der grau-braunen Eintönigkeit. Ein engagierter Biologe zeigt, wie besonders und bedroht die Insekten sind.

Von Nicole Albers

Es dämmert bereits, als Robert Boczki auf einem Weg am Rande des Venner Moors eine Kabeltrommel abrollt. Mit mehreren Lichtsäulen will der Biologe heute nachtaktive Insekten von ihrem natürlichen Kurs abbringen und zu einer kurzen Rast anlocken. Der 56-Jährige dreht eine Glühbirne fest, darunter befestigt er eine Schwarzlichtröhre. "Die kennt man aus der Disco, die hat auch einen hohen UV-Anteil." Darüber wirft er ein weißes, feines Netz. Etwa 50 Meter weiter steht eine weitere Lichtsäule vor einer Leinwand.

Aber warum fliegen die Motten ins Licht? Robert Boczki erklärt das Phänomen.

Warum fliegen Motten in das Licht? Robert Boczki deckt einen Nachtfalter-Mythos auf

00:51 Min. Verfügbar bis 19.08.2027

Das Licht lockt nicht nur Insekten an. Etwa 25 Frauen, Männer und Kinder kommen am späten Abend zur Nachtleuchten-Veranstaltung im Venner Moor bei Senden. Viele haben Kameras dabei, Taschenlampen und Kopfleuchten. Sie alle hoffen auf eine Begegnung mit den "Elfen der Nacht" - so nennt Boczki die Nachtfalter. "Nachtschmetterlinge sind keineswegs weniger bunt als Tagschmetterlinge. Eigentlich sind sie noch viel farbenreicher und auch zahlreicher."

So gebe es in Deutschland 200 Arten von Tagschmetterlingen und fast 20-mal so viele Nachtfalterarten. Diese werden im Alltag oft pauschal als Motten bezeichnet - das ist aber irreführend. Nachtfalter ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Schmetterlingsfamilien. Darunter gibt es einige Mottenfamilien.

Nachtfalter in allen Farben im Venner Moor

Die Besucher rücken rund um die Lichtsäulen eng zusammen, auf der Suche nach den ersten Exemplaren. Doch zeigen sich vor allem Zikaden und Wanzen. Sebastian Runge hält sein Handy auf ein Insekt und versucht, es zu fotografieren. Er hat die App ObsIdentify geöffnet, die auch der NABU empfiehlt. "Ich bin ein riesen Fan von Insekten. Und die über die App zu bestimmen und zu sammeln, das macht einfach riesig Spaß. Ehrlich gesagt, wird man auch etwas süchtig danach."

Je dunkler es wird, desto mehr Falter lassen sich blicken. Darunter auch einige größere und buntere. Ein kleines Mädchen zeigt Boczki einen Falter, dessen Flügel im Licht in Rot und Gelb strahlen. "Oh, ein Schönbär - Callimorpha dominula - toll." Der Wissenschaftler scheint sie alle zu kennen. Beruflich lehrt er an der Universität Münster und bringt Studierenden die Welt der Insekten näher. "Ich möchte meine Artgenossen darauf hinweisen, wie reich beschenkt wir eigentlich in unserem Zuhause sind."

Was Robert Boczki bei seiner Arbeit antreibt

00:45 Min. Verfügbar bis 18.08.2027

Doch Boczki beobachtet auch, wie sehr sich diese Welt verändert, und möchte darauf aufmerksam machen. Er zeigt ein Foto von einer Nachtleuchten-Aktion, die zehn Jahre zurückliegt. Auf dem Bild sind unzählige Falter zu sehen, die über eine Leinwand krabbeln. Es sind deutlich mehr, als in dieser Nacht. "Wir Menschen führen Kriege, verschmutzen die Umwelt und zerstören die Welt der Insekten. Das ist wirklich schlimm. Und das Ergebnis können wir heute Abend sehr deutlich sehen."

Welt der Insekten massiv bedroht

Insekten sind laut NABU die artenreichste Gruppe aller Lebewesen und von zentraler Bedeutung für unsere Ökosysteme. Doch weltweit beobachten Forscher einen Insektenschwund, die Bestände gehen massiv zurück. Ursachen dafür sind laut NABU unter anderem der Mangel an Lebensraum, Pflanzenschutzmittel und die Folgen der Klimakrise.

Mitternacht ist längst vorbei. Nach und nach packen die Besucher ihre Kameras und Lichter ein, um nach Hause zu gehen. Viele wirken etwas müde, aber auch glücklich, so wie Jutta Berents-Barhoumi: "Ich finde das so spannend, es ist einfach faszinierend, man kann sich stundenlang damit beschäftigen." Boczki will noch nicht aufbrechen. "Nein, auf keinen Fall. Ich denke, ich werde noch bis zum Morgengrauen hierbleiben. Ich bin gespannt, welche Elfen hier noch auftauchen."

Über dieses Thema haben wir auch am 11.07.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.