So steuert ein Fluglotse den Himmel über Düsseldorf
Flughafen Düsseldorf | Unterwegs
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Hoch über Düsseldorf sorgt Fluglotse Jannik Ostendorf für sichere Landungen und reibungslosen Flugverkehr. Im Tower des viertgrößten Flughafens Deutschlands behält er bei Wind, Wetter und Funkverkehr stets den Überblick. Warum dieser Beruf mehr ist als ein Blick auf das Radar.
Von Yunus Gündüz, (Text) und Andreas Turnsek (Multimedia)
In Düsseldorf scheint die Sonne erbarmungslos auf die Asphaltwüste vor Jannik Ostendorf. Er trägt eine abgedunkelte Brille, um den Überblick zu behalten. Ständig prasseln Funksprüche auf den 27-Jährigen ein - mehrere pro Minute. Routiniert und mit ruhiger Stimme beantwortet er jeden einzelnen, gibt Routen und Windstärken durch. 83 Meter über dem Düsseldorfer Flughafen, einem der betriebsamsten Flughäfen Deutschlands, dirigiert Ostendorf vom Tower aus den Flugverkehr.
Fluglotse werden am Düsseldorfer Flughafen
In Deutschland sind rund 2.200 Fluglotsen für die Deutsche Flugsicherung (DFS) tätig. Allein in Nordrhein-Westfalen betreibt die DFS und ihre Tochterunternehmen Tower an den Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn, Dortmund und Weeze sowie Anflugkontrollzentralen, die auch Münster/Osnabrück und Paderborn/Lippstadt abdecken.
Warum ist Jannik Ostendorf Fluglotse geworden?
00:37 Min.. Verfügbar bis 22.07.2027.
Jannik Ostendorf ist seit sieben Jahren Fluglotse. Auch wenn Fluglotsen unverzichtbar sind, haben wenige eine Vorstellung vom Beruf, sagt er: "Am Anfang meiner Karriere kam tatsächlich oft die Frage: Was macht ihr da eigentlich?" Mittlerweile wissen die Verwandten und Bekannten Bescheid. "Wir sorgen dafür, dass Flugzeuge Mindestabstände einhalten und für einen sicheren und flüssigen Flugverkehr", erklärt Ostendorf.
Phraseologie der Fluglotsen
Dazu gibt er per Funkspruch wichtige Eckdaten und Hinweise an die Piloten durch. "Die Windstärke ist essenziell und immer dabei. Bei Nebel auch die Sichtweite", sagt der Fluglotse. Damit können sich Piloten auf die Wetterlage vor Ort einstellen: "Und wenn die Kapazität es zulässt, geben wir auch die Verkehrslage vor Ort mit."
Dabei nutzt Ostendorf die sogenannte Fluglotsenphraseologie. Das ist ein standardisierter, international verwendeter Fachwortschatz, der für die Kommunikation zwischen Fluglotsen und Piloten im Flugfunkverkehr verwendet wird. Sie dient der eindeutigen Verständigung, um Missverständnisse zu vermeiden und die Sicherheit im Luftverkehr zu gewährleisten. Dabei wird auch die Aussprache verändert, so ist die englische Neun "nine" im Fluglotsensprech "niner".
Im Tower wird eine spezielle Sprache gesprochen
00:38 Min.. Verfügbar bis 22.07.2027.
Eine Schicht im Tower dauert acht Stunden. Pausenzeiten variieren von Standort zu Standort. Im viertgrößten Flughafen Deutschlands, Düsseldorf, ist der Druck hoch: "Alle zweieinhalb Stunden gibt es eine Pause von einer halben Stunde. Für die ist man dann auch sehr dankbar", sagt Ostendorf. Denn die Belastung in diesem Beruf ist hoch. Anforderungen wie Multitasking-Fähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen und Stressresistenz sind Grundvoraussetzungen.
Anspruchsvolle Ausbildung zum Fluglotsen
Das Auswahlverfahren für Fluglotsen ist sehr anspruchsvoll. Laut DFS bestehen nur rund fünf Prozent aller Bewerber den Eignungstest. Rein rechnerisch kamen also auf die rund 350 Lotsen, die aktuell in der Ausbildung im DFS sind, knapp 7000 Bewerberinnen und Bewerber.
Das hat laut Ostendorf auch Vorteile. "Dadurch, dass im Auswahlverfahren grundlegende Kompetenzen für den Beruf abgefragt werden, weiß ich schon zu Beginn: Bin ich geeignet oder nicht?" Wer das Auswahlverfahren meistert, schaffe in der Regel die Ausbildung. Für ihn bedeutet das auch Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Schließlich könnte ein Fehler verheerende Folgen haben. "Ich weiß, dass ich gut ausgebildet wurde, und dass ich das Zeug für diesen Beruf habe. Es ist nicht so, dass der Druck mich hemmen würde", sagt Ostendorf.
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83 Meter über dem Boden versteckt sich für Ostendorf aber noch mehr als berufliche Erfüllung: "Andere Leute würden gutes Geld ausgeben, um diese Aussicht zu genießen", gibt Ostendorf zu und schaut auf die Landebahn. "Wie privilegiert wir sind, jeden Tag einen schönen Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang zu sehen. Und auch an den landenden und startenden Flugzeugen kann ich mich immer erfreuen."
Über dieses Thema haben wir auch am 10.07.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Düsseldorf, 19.30 Uhr.