Elektromobil gegen Einsamkeit: die Duisburger Scootergang
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Alleine zu Hause hocken? Nicht mit der Scootergang. Mit ihren Elektromobilen macht eine Gruppe älterer Menschen regelmäßig Ausflüge durch den Duisburger Süden. Und zieht dabei viele Blicke auf sich.
Von Stefan Weisemann (Text) und Jörg Conradi (Multimedia)
Wolfang Schwan fährt an der Spitze. Ganz cool, mit weißer Cappy und Piloten-Sonnenbrille. So wie es sich für den Chef einer Gang gehört. Der Flitzer des 85-Jährigen glänzt rot in der Sonne, vorne drauf prangt ein schwarz-weißer Aufkleber: "Scootergang Duisburg" steht darauf. Schwan drückt ordentlich aufs Tempo, der Kies knirscht unter den Reifen, der Motor surrt leise.
Doch viel schneller als Schrittgeschwindigkeit wird er nicht. Denn sein Flitzer ist ein Elektromobil für Senioren. So eines, wie es auch die anderen Mitglieder "seiner" Gang fahren. Hans-Jürgen, Peter, Brunhilde, Knut, Anne, Helmut, Jürgen, Angelika, Doris, Norbert, Wolfert, Sylvia, Peter, Arnold, Jürgen. Alle zwischen 72 und 92 Jahre alt.
Wie die Touren der Duisburger Scootergang ablaufen
00:33 Min.. Verfügbar bis 31.10.2027.
Ihre Wege führen die Scootergang aus dem Duisburger Süden zum Beispiel zur Sechs-Seen-Platte, die Anger entlang oder an die Regattabahn. Schöne Tage, die gut geplant werden müssen. Schwan und seine Gruppe klären vorher genau ihre Routen, inklusive Zeichnungen. "Ist ja wichtig, dass man den Akku auch voll genug hat, wenn man irgendwo hinfährt." Einmal im Jahr erlebt die Gruppe ein besonderes Highlight. Immer Anfang September geht es zusammen hinauf auf die Halde mit der riesigen Achterbahn-Skulptur "Tiger and Turtle". Zum ökumenischen Gottesdienst auf dem Gipfel.
Scootergang bedeutet Gemeinschaft
Wer in der Gang mitfahren will, braucht einen Elektroscooter. Die gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen. Mal mit drei, mal mit vier Rädern. Mal mit einem, mal mit zwei Sitzen. Mal fahren sie maximal sechs Kilometer pro Stunde, mal aber auch bis zu 25 Kilometer pro Stunde. Für die langsameren Modelle braucht man keinen Führerschein. Aber Achtung: Ab Tempo 20 gilt Helmpflicht. Und auf Bürgersteigen sollte die Maximalgeschwindigkeit lieber nicht ausgereizt werden. "Da muss man Schrittgeschwindigkeit fahren, sonst gibt's ein Knöllchen", sagt Schwan.
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Je nach Ausstattung kosten die Scooter und Elektromobile schnell mehrere tausend Euro. Kaum zu stemmen für viele ältere Menschen. Mit einer entsprechenden ärztlichen Verordnung übernehmen die Krankenkassen die Kosten aber zumindest teilweise oder sogar ganz. Allerdings nur für langsamere Scooter.
Highlight: Einmal im Jahr geht es für die Scootergang zu "Tiger and Turtle"
Für die Duisburger Scootergang geht es aber ohnehin nicht ums Tempo. Es geht darum, rauszukommen, auch wenn man nicht mehr gut zu Fuß ist. Mal etwas Neues zu sehen und andere Menschen zu treffen. "Wichtig ist die Gemeinschaft", sagt Gang-Chef Schwan. Für manche ist die Gruppe mittlerweile gar wie eine Familie.
Auch für Peter Schroer. Der 72-Jährige ist seit drei Jahren dabei. Früher ist auch schon seine Mutter mitgefahren, er hat den Platz in der Truppe quasi geerbt. "Sicherer und geborgener kann man sich nicht fühlen, als in der Gruppe", sagt er. Und für Anne, seit vier Jahren dabei, sind die Ausflüge "immer ein Highlight".
Warum die Ausflüge mit der Scootergang für Anne etwas Besonderes sind
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Die Duisburger Scootergang gibt es seit 2016. Sie hat rund 20 Mitglieder, doch ihre Zusammensetzung ändert sich ständig. "Wir haben eine starke Fluktuation aufgrund unseres Alters, deshalb brauchen wir immer wieder Nachwuchs", sagt der Gruppenchef. Damit meint er Nachwuchs unter 80 Jahren und Menschen, "die auch mal längere Zeit Aufgaben übernehmen könnten".
Extra Werbung muss die fahrende Gruppe für sich nicht machen, das geht ganz von selbst: "Wenn die Leute uns im Wald sehen, dann sagen die schon: 'Boah, was ist das denn? Da möchten wir mitmachen!'" Das darf auch jeder, einfach mal mitfahren. Und dann? "Wer einmal geschnuppert hat", sagt Schwan, "der ist auch geblieben". Solange es gesundheitlich geht und der Akku hält.
Über dieses Thema haben wir auch am 10.09.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Duisburg, 19.30 Uhr.