Andrea Giacin sitzt auf dem Fahrsersitz seinen umgebauten Ladas. Die Fensterscheibe ist heruntergelassen, er hält das Lenkrad und lächelt zufrieden in die Kamera.

Vom Schraubertraum zum Alltagsauto: Düsseldorfer baut Lada zum E-Oldtimer um

Unterwegs

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Der Oldtimer von Andrea Giacin ist 38 Jahre alt und fährt mit Strom. Der Düsseldorfer hat seinen alten Lada in mühevoller Kleinarbeit selbst vom Verbrenner zum E-Auto umgerüstet. Damit sorgt Giacin regelmäßig für Aufsehen - nicht nur an der Ladesäule. 

Von Raphael Boch

Beinahe lautlos gleitet Andrea Giacin mit seinem Oldtimer über die Straße. Das Fenster ist halb geöffnet, der Wind weht in seinen Haaren. Für den 59-jährigen Düsseldorfer geht ein Traum in Erfüllung, ein Elektromotor für seinen Lada WAS-2101. Den alten Verbrennungsmotor hat er ausgebaut und durch einen E-Motor ersetzt.

Der ungewöhnliche Umbau des russischen Oldtimers sorgt immer wieder für Erstaunen. Auch bei der örtlichen Zulassungsstelle. Obwohl man dort schon viel gesehen hat: Ein 38 Jahre alter Kleinwagen mit E-Motor war auch für die erfahrene Sachbearbeiterin neu.

Andrea Giacins Lada sorgte für großes Staunen bei der Behörde

00:08 Min. Verfügbar bis 09.08.2027

Jahrelang spielte der Düsseldorfer schon mit dem Gedanken, seinen Lada vom Verbrennungsmotor auf einen E-Antrieb umzurüsten. Dann packte er es an. "Bei mir vor der Haustür wurde eine öffentliche Ladesäule aufgestellt. Das war die Gelegenheit", erinnert sich Giacin. In seiner kleinen Garage zerlegte er den Lada in seine Einzelteile. Bis auf das Getriebe musste alles raus.

Ein weißer Lada steht in einer Werkstatt. Die Motorhaube ist geöffnet. Der alte Verbrennungsmotor wurde gegen einen Elektromotor ausgetauscht und die neue Elektrik wird verkabelt.

Der Lada während des Umbaus

An der Ladesäule sind die anderen E-Auto-Besitzer oft verwundert, was der alte Lada dort will. Viele glauben, Giacin würde mit seinem WAS-2101 falsch parken. "Da kam mal einer angefahren und fragte mich: 'Was willst du denn an dem Ladeplatz hier?' Da habe ich gesagt. 'Ich lade meine Wagen'. Da hat der ganz schön blöd geguckt."

Lada mit Geschichte: Vom Sowjet-Klassiker zum Kultauto

Die Automarke Lada entstand ab Mitte der 1960er-Jahre, als die Sowjetunion beschloss, fortschrittliche Technik aus dem Ausland für den Bau eines "Fahrzeugs für jedermann" zu beziehen. In Kooperation mit dem italienischen Autobauer Fiat wurde ein Werk gebaut, das zunächst eine modifizierte Version des Fiat 124 für den sowjetischen Markt produzierte. Hauptabnehmer der Ladas waren neben den Ostblock-Ländern vor allem Benelux, Skandinavien und Länder im Nahen Osten.

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Während die Lada-Modelle in westlichen Ländern als Billig-Autos galten, hatten sie in den Ostblock-Ländern den Status eines Luxus-Autos. In der DDR wurden sie umgangssprachlich als "Mercedes des Ostens" bezeichnet. In der postsowjetischen Zeit verlor die Marke an Bedeutung und kämpfte mit Qualitätsproblemen. Durch eine Kooperation mit Renault-Nissan und staatliche Unterstützung konnte sich Lada zuletzt teilweise modernisieren, sodass die Marke in Russland weiter populär ist. In Deutschland spielt Lada außerhalb von Liebhaberkreisen kaum eine Rolle, so werden pro Jahr im Schnitt nur einige hundert bis niedrige vierstellige Stückzahlen an Fahrzeugen in Deutschland neu zugelassen.

Zwei Jahre Arbeit für das elektrische Lada-Fahrerlebnis

Bis der Düsseldorfer Lada-Liebhaber Andrea Giacin mit seinem E-Lada durch die Stadt fahren konnte, musste der Architekt lange schrauben. Zwei Jahre benötigt der 59-Jährige, um den alten Verbrennungsmotor auszubauen und durch einen Elektromotor zu ersetzen. Acht Batterien liefern 21 Kilowattstunden Leistung. Damit kommt der Düsseldorfer 150 Kilometer weit. Fahrspaß inklusive.

Ein bisschen Hilfe brauchte der Düsseldorfer am Ende dann aber doch. Die Verkabelung der Elektrik übernahm eine Offenbacher Spezialfirma, die Oldtimer auf E-Motoren umrüstet. Bei der Heimfahrt nach Düsseldorf wäre er mit seinem E-Lada fast liegengeblieben. Die angesteuerte Ladesäule funktionierte nicht und das bei nur noch 20 Prozent Batterie.

Und wie fährt sich der Lada?

00:25 Min. Verfügbar bis 09.06.2027

Für Giacin geht mit dem E-Lada ein Traum in Erfüllung. In der Garage steht Düsseldorfs ältester E-Oldtimer deswegen nicht, er ist jeden Tag im Einsatz. Schon seit seiner Ausbildung zum Kfz-Mechaniker schraubt Giacin an Autos und Motorrädern. "Das war schon immer meine Leidenschaft, auch wenn ich als Architekt heute was ganz anderes mache." Gut 20.000 Euro hat der Umbau den Düsseldorfer gekostet - immer noch billiger als so manches E-Auto am Markt.

Über dieses Thema haben wir auch am 10.06.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Düsseldorf, 19.30 Uhr.