Auf der Jagd nach essbaren Wildkräutern in Bad Berleburg

00:17 Min. Verfügbar bis 07.06.2027

Vom Wegesrand auf den Teller: Wildkräuterwanderung in Bad Berleburg

Unterwegs

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Bei einem Spaziergang in Bad Berleburg taucht Sandra Wiedemann ein in die Welt der Wildkräuter. Ein Ausflug zum Riechen, Schmecken und Staunen. Denn dieser Spaziergang überrascht nicht nur mit neuen Möglichkeiten für die eigene Küche, sondern weckt auch Kindheitserinnerungen.

Von Susanne Schöppner

Die Sonne scheint, ab und zu ziehen ein paar Wolken vorbei. Die Temperatur ist frisch. Neugier liegt in der Luft. Eine Gruppe von knapp 20 Menschen hat sich am Stadtrand von Bad Berleburg im Kreis Siegen-Wittgenstein versammelt. Unter ihnen ist auch Sandra Wiedemann. Die 50-Jährige möchte entdecken, was Essbares in ihrer Heimat wächst und wie sie es in der Küche nutzen kann. "Wir werden heute jenseits der Gemüse- und Kräutertheke im Supermarkt schauen", kündigt Wildkräuterexperte Frank Rother bei der Begrüßung an. Dann macht sich die Gruppe zügigen Schrittes auf den Weg.

So schmeckt Heimat: essbare Vielfalt direkt vor der Haustür

Löwenzahn, Gundermann, Pimpinelle oder wilde Möhre: All das wächst am Wegesrand oder vor der Haustür und kann das Geschmackserlebnis auf dem Teller bereichern.

Die heimischen Wildkräuter- und -gemüsearten gehören zu den mehr als 9500 Pflanzenarten in Deutschland. Etwa 3000 sind laut Bundesamt für Naturschutz sogenannte Samenpflanzen, der Rest größtenteils Moose und Algen.

Roter Futterklee zwischen Grashalmen.

Roter Futterklee ist essbar und lässt sich am Wegesrand finden

Ob scharf, herb, bitter, süß oder sauer - die heimischen Wildkräuter sind nicht nur geschmacklich vielseitig. In ihnen stecken auch reichlich Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien. Sauerampfer liefert zum Beispiel Vitamin A und C, dazu Kalium, Magnesium und Eisen.

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Das Wildgemüse, das einen leicht säuerlichen Geschmack hat und an grüne Äpfel erinnert, weckt bei Wiedemann Kindheitserinnerungen: "Bei Spaziergängen mit der Familie bin ich immer mit meiner besten Freundin abgehauen. Dann haben wir uns auf die Wiese gesetzt und Sauerampfer gegessen", erzählt sie und lacht.

Manchmal sind die Wildkräuter auch ein Reinfall

00:36 Min. Verfügbar bis 07.06.2027

Neugierig lauscht Wiedemann Rothers Erklärungen. Gerade geht es um Löwenzahn. Was meist als "Unkraut" beschimpft wird, nennt der Experte lieber "Beikraut". Verwandt mit Rucola, schmecken Löwenzahnblätter nussig, leicht bitter und machen sich gut in Salaten. Für Rother sind Wildkräuter kulinarische Schatztruhen am Wegesrand: "Man kann Geschmäcker in Essen bringen, die heute ein bisschen in Vergessenheit geraten. Das macht Laune und überrascht auch Gäste, wenn man erzählt, dass da etwas vom Waldrand drin ist, was keiner mehr auf dem Schirm hat."

Drei Blüten Löwenzahn zwischen Grashalmen.

Löwenzahn passt gut zu Salaten

Dann bleibt Rother beim nächsten Geheimtipp für Salate stehen: Brennnessel. Wiedemann schaut erst skeptisch, bis der Experte erklärt, wie man die Pflanze gefahrlos erntet: Er zieht die Blätter von unten nach oben den Stiel entlang ab und berührt so nicht die feinen Härchen, die den Juckreiz auslösen.

Besonderer Geschmack, aber auch Gefahr am Wegesrand

Durch die Baumkronen funkelt das Sonnenlicht, während die Gruppe weitergeht. Wiedemanns Blick ist auf den Boden gerichtet. Die Gruppe entdeckt eine Wiese voller Knoblauchrauke. Die 50-Jährige zupft sich ein Pflänzchen ab, zerreibt ein Blatt zwischen den Händen, riecht und probiert. "Es ist leicht bitter, erinnert mich an Bärlauch", sagt Wiedemann. Ein paar Schritte weiter wartet die nächste kulinarische Überraschung: Feldthymian wächst an einer unscheinbaren Kreuzung zwischen Moos und Klee.

Man muss nicht nach Italien reisen, um Thymian zu finden

00:23 Min. Verfügbar bis 07.06.2027

Nach etwa einer Stunde ist der Wildkräuterspaziergang beendet. Wiedemann nimmt viele Ideen mit nach Hause. Beim nächsten Sonntagsspaziergang will sie trotzdem nur die Pflanzen einsammeln, bei denen sie sich sicher ist. Ein wichtiger Vorsatz, denn es gibt auch giftige Wildkräuter-Doppelgänger. "In der freien Natur sollte man nur das sammeln, was man wirklich kennt, und die Stellen, an denen Hunde ihr Revier markieren, umgehen", sagt Wildkräuterexperte Rother.

Über dieses Thema haben wir auch am 03.06.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Südwestfalen, 19.30 Uhr.