Eine Frau steht in einer aufwendig dekorierten Werkstatt. Im Hintergrund erkennt man verschiedene Werkzeuge. Überall hängen Christbaumkugeln oder Schneeflocken.

"Da reichen 24 Tage gar nicht": Eine Chefin im Wichtel-Fieber

Heimatliebe

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Marshmallows, verklebte Hämmer oder ein Schaumparadies: Katrin Becker lebt in ihrer Goldschmiede den Trend der Wichtel-Streiche voll aus. Was hinter dem Trend steckt, der nicht nur Beckers Arbeitskollegen, sondern auch ihre Familie verzaubert.

Von Claudia Dolgner

Watte, überall Watte. Katrin Becker rupft mit Begeisterung immer neue Büschel aus den großen Säcken, die sie mitgebracht hat, und verteilt sie. Der ganze Boden ihrer Goldschmiedewerkstatt in Fröndenberg ist inzwischen damit bedeckt. Die Watte soll Schaum symbolisieren und ist ihr neuester Wichtelstreich. Die Geschichte dahinter? "Der Wichtel und Pinocchio wollten in der Nacht wischen, weil überall Goldstaub liegt. Dabei warfen sie den Eimer um und setzten alles unter Schaum."

Wieso Wichtel-Streiche voll im Trend liegen

Die 49-Jährige freut sich schon riesig auf die Gesichter ihrer Angestellten, wenn sie morgen früh die Werkstatt betreten. "Sie müssen dann erst mal die ganze Watte wegräumen", lacht sie. Aber die vier Mitarbeitenden kennen das schon. Jeden Tag gibt es eine neue Überraschung. Mal sind alle Hämmer mit Papier verklebt, mal sind überall Marshmallows verteilt.

Großer Wichtelfan in Fröndenberg

Lokalzeit aus Dortmund 18.12.2025 03:14 Min. Verfügbar bis 21.12.2027 WDR Von Claudia Dolgner

Der Wichtelbrauch ist ein recht neuer Trend in NRW. Der Ursprung liegt in Skandinavien, wo sich Wichtel um Tiere und den Weihnachtsmann kümmern. Vor etwa fünf Jahren schwappte der Brauch auch nach Deutschland. Seitdem wird er jedes Jahr beliebter, besonders bei Kindern. Auf Social Media gibt es zahlreiche Videos von Wichtel-Streichen und im rheinischen Eitorf sogar einen Wichtelwanderweg.

"Wir finden es toll, wie viel Mühe sich unsere Chefin gibt", sagt Goldschmied Alexander Grawer. Hin und wieder bringt der Wichtel auch ein Geschenk als Entschuldigung.

Katrin Becker hält einen kleinen gebastelten Wichtel mit langem Hut in den Händen. Sie steht in ihrer Goldschmiedewerkstatt, im Hintergrund hängen Hammer.

Wichtel "Jonte" ist in Frömern eingezogen

Die Wichtelfigur mit Namen Jonte sitzt derweil ganz harmlos mit seinem Kumpel Pinocchio auf einer Werkzeugbank. Hinter ihm die Wichteltür zu seiner Wohnung, ein Postkasten und kleine Lichterketten. Immer am 1. Dezember zieht Jonte in Beckers Goldschmiedewerkstatt im Bahnhof Fröndenberg-Frömern ein. Nachts, wenn alles ruhig ist, lässt Becker ihn lebendig werden - und treibt in seinem Namen Schabernack.

Warum 24 Streiche eigentlich zu wenig sind

Auch Katrins Kinder sind begeisterte Wichtelfans, denn natürlich hat auch ihre Familie einen eigenen Wichtel. Genauer gesagt: eine Wichtelfrau. In ihrem Haus neben der Werkstatt zieht zur Weihnachtszeit Frida ein. "Da freuen sich die Kinder schon im Sommer drauf", erzählt Becker. Morgens stehen die Kinder schon früh auf, um Fridas Unfug aus der Nacht zu entdecken. An diesem Morgen war blaues Wasser in der Badewanne.

Ob Becker das nicht alles zu stressig findet in der Weihnachtszeit? "Auf keinen Fall. Ich habe so viele Ideen für Späße, da reichen die 24 Tage gar nicht bis Weihnachten", sagt sie. Nach Heiligabend ziehen die Wichtel aber wieder aus. Dann kehrt Ruhe in Haus und Werkstatt ein.

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund18.12.2025, 19.30 Uhr.