Fußball zwischen Kirchenfenstern: Die neue Sportkirche im Sauerland
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In Nachrodt-Wiblingwerde im Sauerland sollen künftig an einem ungewöhnlichen Ort Training und Sportkurse angeboten werden. In einer ehemaligen katholischen Kirche. Künftig soll hier Fußball, Volleyball, Basketball oder auch Minigolf gespielt werden.
Hohe Decken, verzierte Bögen, kunstvoll gestaltete Buntglasfenster. Mit einem Blick nach oben wirkt das Gebäude geradezu majestätisch. Doch was am Boden passiert, ist so gar nicht mehr das, was man in einer Kirche erwarten würde. Kinder toben herum, springen von links nach rechts über bunte Kunststoffbahnen. In der Sportkirche in Nachrodt-Wiblingwerde laufen die Vorbereitungen für einen Sportnachmittag für Kinder. Alle packen mit an. "Jungs. Jungs. Jungs. Bitte erst mal hinsetzen", ruft Stefan Rapp den rund zwei Dutzend Kindern und Jugendlichen zu. Der Plan: Ein großes Kickerfeld nachstellen, aber mit den Kindern, anstatt mit Figuren.
Von außen wird sich an der Lenne Kirche nicht viel ändern
Rapp ist Pastoralreferent in der Lenne Kirche. Sie hat das Kirchengebäude gekauft. Die Lenne Kirche wurde im Frühjahr vor vier Jahren gegründet, als Corona Deutschland noch fest im Griff hatte. Etwa durch Sportangebote soll sie vor allem junge Familien und Kinder ansprechen. Nur wo soll der Sport stattfinden, wenn es zu wenig Sporthallen gibt? Mitten im Ort stand seit einiger Zeit das Gebäude der katholischen Kirchengemeinde leer - und so entstand die Idee einer Sportkirche. Doch wie entsteht aus einer normalen Kirche eine Sportkirche?
Stefan Rapp erklärt das Ausmaß der Umbauarbeiten
00:34 Min.. Verfügbar bis 02.03.2027.
Zwischen den großen, bunten Kirchenfenstern richten sich, dank eines starken Gebläses, langsam die Gummi-Torpfosten des lebensgroßen Kickers auf. Der Kicker mit dem Kirchenlogo gleicht einer riesigen Hüpfburg mit gepolsterten Stangen in der Mitte.
Sportler statt Messdiener
Währenddessen werden die ersten Sportgeräte geliefert. Das Interesse an der Sportkirche ist groß. Nicht nur bei den eigenen Gemeindemitgliedern. Auch der Sportverein TuS Nachrodt-Obstfeld hat hier seine Zelte aufgeschlagen. Die Turnhalle, in der die Mitglieder sonst trainieren, werde für die nächsten knapp zwei Monate renoviert, sagt Vorstandsvorsitzender Heinz Even. Da musste eine Alternative her.
Für Heinz Even und seinen Turnverein war die Kirche die Rettung
00:22 Min.. Verfügbar bis 02.03.2027.
Der TuS Nachrodt-Obstfeld bietet im Kirchenschiff Mutter-und-Kind-Turnen sowie Senioren-Gymnastik an. Fast genauso wie in ihrer eigenen Sporthalle. Nur wärmer anziehen müssen sie sich. Denn in dem über 130 Jahre alten Gebäude ist es ganz schön frisch. "Da muss man sich dann halt zwei Matten unter den Hintern legen", sagt Heinz Even mit einem Schmunzeln. "Und sich natürlich bewegen."
Klettern im Altarraum
Doch nicht nur Ballsport und Turnen sollen hier stattfinden. Für den Altarraum ist eine Kletterwand geplant. "Dann kann man um die Kirchenfenster drum herum klettern", sagt Stefan Rapp. Und auf der Empore, wo früher die Kirchenorgel stand, soll es schon bald Kaffee und Kuchen geben. Im eigenen Kirchen-Café.
So soll die Kletterwand in der Kirche einmal aussehen
Die Kosten für alles sind hoch. Deswegen werden Sponsoren gesucht und Spenden gesammelt. Und vielleicht gibt es ja auch für ihre Sportkirche die eine oder andere Förderung von Land oder Bund, hofft die junge Kirchengemeinde.
Ehemalige Kirchen werden vielfältig genutzt
Einige ehemaligen Kirchen werden heute als Begegnungszentren genutzt, andere als Restaurants. Voraussetzung dafür ist, dass die Kirchengebäude entwidmet worden sind. Anschließend müssen natürlich die Besitzer, meist sind es die Kirchengemeinden oder die Bistümer, zustimmen, was aus ihrer ehemaligen Kirche werden soll. Wie viele Kirchen in Deutschland nach ihrer Entweihung umgewidmet wurden, ist nicht klar.
In Plettenberg beispielsweise werden statt Kirchenliedern seit einigen Jahren schon Kinderlieder gesungen - in der ehemaligen Kirche St. Bonifatius. Dort ist eine Kindertagesstätte eingezogen. Aus der ehemaligen Pfarrkirche der Katholischen Propsteigemeinde St. Peter und Paul in Bochum sind ein Konzerthaus für die Bochumer Symphoniker und ein Saal für die städtische Musikschule geworden. Auch die ehemalige Pfarrkirche und das Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Essen-Altstadt wurden aufwändig umgebaut. Am Ende entstanden hier eine Seniorenwohneinrichtung und ein Pflegeheim.
Über dieses Thema haben wir auch am 05.02.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Südwestfalen, 19.30 Uhr.