In einer Backstube stehen zwei Menschen an einer Spekulatiuswalze.

Spekulatius im Hochsommer: Traditionsgebäck made in Wuppertal

Heimatliebe

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Während andere noch den Sommer genießen, backt Rüdiger Hösterey bereits jetzt jeden Tag Weihnachtsgebäck. Jedes Jahr im August beginnt für den Bäckermeister und sein Team die Saison für Spekulatius. Ein Blick in die Backstube in Wuppertal.

Von Michaela Bruch

Rüdiger Hösterey steht seit 5 Uhr morgens in der Backstube. Mit routinierten Handgriffen führt er den Spekulatiusteig in die Maschine ein. Der Geruch von Butter und Mandeln umhüllt den Raum, ein Hauch Weihnachten liegt in der Luft. Doch weihnachtliche Gefühle kommen bei dem 83-Jährigen nicht wirklich auf. Seit über 60 Jahren steht er jeden Sommer in seiner Backstube und backt Spekulatius. "Im August muss die Produktion losgehen, sonst schaff ich die Bestellungen nicht", erklärt Hösterey. "Allein ein Kunde hat über 4000 Tüten bestellt. Die möchte er jetzt schnell haben."

Bäckerei Hösterey: Backen mit Tradition

Jeden Tag verarbeiten er, seine Frau Sabine und zwei Mitarbeiter rund 25 Kilogramm Teig und packen rund 550 Tüten. Die Backstube liegt unsichtbar in einem Hinterhof. Einen Verkaufsladen hat Hösterey schon lange nicht mehr, aber das Backhandwerk liegt im Blut. Die Traditionsbäckerei Hösterey gibt es bereits seit 235 Jahren. "Wir sind jetzt in der 9. Generation. Am Anfang war die Backstube in Solingen-Unterburg, später dann in Wuppertal-Elberfeld, und da ist sie bis heute", erzählt der Bäckermeister. Bekannt ist die Bäckerei vor allem für ihre Burger Brezel, ein altes Geheimrezept.

Neben den Rezepten sind auch die Maschinen, mit denen gebacken wird, sehr alt. Vom Vater hat er die Spekulatiuswalze geerbt, die ab jetzt wieder im Dauerbetrieb ist. Die Walze hat nicht nur den Nikolaus als Druckmotiv, sondern unter anderem auch einen Ochsen, Esel und Eichhörnchen. "Wir haben Motive, die heute kein Mensch mehr kennt, weil das so eine alte Maschine ist. Wir haben zum Beispiel auch zwei Mäuschen, die sich ein Küsschen geben", erzählt Hösterey.

Rüdiger Hösterey über die Geschichte der Spekulatiuswalze

00:32 Min. Verfügbar bis 15.08.2027

Die Motive und vor allem der Geschmack sind beliebt. Der Spekulatius aus dem Bergischen hat es schon bis in Übersee geschafft. "Wir haben Kunden, die tatsächlich Spekulatius gekauft und bis China verschickt haben. Wir selber haben für unseren Sohn auch schon Pakete nach Amerika geschickt", sagt Sabine Hösterey. Und auch zu Hause gibt es viele Stammkunden, unter anderem in Lindlar, Essen und Dülmen.

Spekulatius: Ab September in den Supermärkten

Insgesamt neun Tonnen Teig werden bis kurz vor Weinachten zu Spekulatius in den Geschmacksrichtungen Butter, Mandel und Gewürz verarbeitet. Die Familienbäckerei beliefert Supermärkte, kleine Cafés und auch Bäckereien im Bergischen. Die Saison startet in der Regel in den Märkten am 1. September.  

Viele durchsichtige Plastiktüten mit Spekulatius, die aneinander gereiht wurden.

Bis zum Verkaufsstart am 1. September müssen noch einige Tüten gepackt werden

Laut Statistischem Bundesamt werden jedes Jahr deutschlandweit 81.000 Tonnen Weihnachtsgebäck, darunter auch Leb- und Honigkuchen hergestellt. Nur ein Viertel davon geht in den Export, sagt der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie. Spekulatius soll ursprünglich aus Belgien und den Niederlanden stammen. Dort wird das Gebäck das ganze Jahr über angeboten.

Nachfolge geklärt

Rüdiger Hösterey ist jetzt 83 und denkt noch nicht ans Aufhören, aber schon an die Nachfolge. Luca Erdelmann hat nach seiner Ausbildung bei ihm angefangen und will die Backstube später mal übernehmen. Der 25-Jährige ist vor allem von dem alten Handwerk begeistert.

Deshalb möchte Luca Erdelmann die Backstube übernehmen

00:25 Min. Verfügbar bis 15.08.2027

Zusammen mit Rüdiger Hösterey füllt er Blech für Blech mit den Plätzchen und schiebt sie in den Ofen. Bis kurz vor Weihnachten geht die Spekulationsproduktion hier noch weiter. Am Ende werden es gut 45.000 Tüten sein, die Kunden in der Nähe und in aller Welt erfreuen.

Über dieses Thema haben wir am 13.08.2025 auch im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Bergisches Land, 19.30 Uhr.