Julian von Heyl mit violeten Shirts steht vor seinem Plattenladen

In Frechen ist die Welt eine Scheibe: Ein neuer Ort für Plattenfans

Heimatliebe

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Schallplatten erleben seit rund 15 Jahren ein Revival. Daher ist es kaum verwunderlich, dass auch Plattenläden wieder beliebt sind. Seit Juli gibt es in Frechen mit Violet Records ein neues Schallplatten-Domizil. Wie ist es dort?

Von André Mamengui

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Zurück in die analoge Musikwelt

"Ich denke, dass ich hier einen besonderen Ort geschaffen habe", sagt Julian von Heyl. In einem Altbau im Jugendstil hat sich der 63-jährige Musikenthusiast einen Traum erfüllt. Beim Betreten seines Ladens "Violet Records" strömt Besuchern direkt ein warmer, voller Sound in die Ohren. Das Knistern der gerade laufenden Vinyl-LP, die einen Song der britischen Rockband "The Yardbirds" spielt, versetzt einen direkt zurück in die späten sechziger Jahre.

Neben Vintage-Stühlen und einer antiken Musiktruhe finden sich in den Regalen Hip-Hop-Klassiker wie Dr. Dres "2001" als Erstpressung. Im vorderen Bereich gibt es neue Musik und Wiederauflagen von Klassikern, "die, die jetzige und damalige Musikwelt widerspiegeln." Das gehört zu den Ideen des Besitzers. Warum er diese ausgerechnet am Kölner Rand in Frechen umsetzen musste, hat mehrere Gründe.

Das Feedback von den Menschen aus der Region ist durchweg positiv.

00:15 Min. Verfügbar bis 04.09.2027

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Schallplatten & Frechen

In den 80er-Jahren wurde die Schallplatte von der CD abgelöst. Schallplattenläden kamen nach und nach aus der Mode und mussten sich verändern. Doch dann kam das Revival: In den 2010er Jahren stiegen die Verkaufszahlen stetig. Und ab dem Jahr 2020 wurden erstmals seit Einführung der CD mehr Vinyl-LPs als CDs verkauft. Das zeigen Zahlen des amerikanischen Verbands "International Federation of the Phonographic Industry (IFPI)", der den Musikmarkt jedes Jahr analysiert. Demnach wächst die Nachfrage nach Schallplatten bis heute.

Allein Nordrhein-Westfalen gibt es inzwischen über 70 Plattenläden. Köln ist mit rund 16 Läden die Nummer eins in NRW und die Nummer drei in Deutschland, das zeigt eine Recherche des Medienportals "recordstores.love". Den ersten reinen Plattenladen in Frechen gibt es Dank Julian von Heyl seit Juli 2025.

Julian von Heyl steht in seinem Plattenladen und trägt ein violettes T-Shirt.

Julian von Heyl zeigt das vielseitige Sortiment von Violet Records

Für Vinyl-Liebhaber, die keine Lust haben, in der Großstadt Platten zu kaufen, ist das praktisch. Denn um Platten zu "diggen", wie man in der Musikszene für "durchstöbern" sagt, braucht man Zeit. "Manchmal kommen Kunden und sind zwei Stunden im Laden und nehmen drei Platten mit, manchmal gehen sie aber auch nach einer Stunde ohne eine einzige", berichtet von Heyl.

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Musik fürs Leben

Die Leidenschaft zur Musik hat sich bei von Heyl schon früh entwickelt. Als Zwölfjähriger war das Weihnachtsgeschenk eine Beatles Compilation auf Vinyl. Danach folgten Platten von The Rolling Stones und The Who. Besonders beeindruckt hat von Heyl die Stimmung, die in der Zeit geherrscht hat. Die wilden Siebziger, die in der Popkultur für Aufbruch stehen, für junge Menschen, die Dinge anders angehen als die vorherige Generation. "Ich hatte das Glück, in dieser Zeit der musikalischen Blüte aufzuwachsen. Das hat die Liebe zur Musik und dem Tonträger Vinyl verstärkt."

Bis es zum eigenen Schallplattenladen kam, dauerte es allerdings ein paar Jahre. Der heute 63-Jährige war vorher 30 Jahre in der Medienbranche tätig und hat unter anderem über Musik geschrieben. Durch eine Umstrukturierung kam ihm die spontane Idee, etwas mit Platten zu machen. Die ursprüngliche Idee von Violet Records war eine Webseite mit weltweitem Versand, also ein Mailorder-System. Da man dafür ein Lager bräuchte, war vom Heyls nächster Gedanke: "Dann kann man doch direkt ein Ladenlokal anmieten". Der Laden steht inzwischen, das Mailorder-System soll demnächst folgen.

Die Geschichte hinter dem Namen "Violet Records".

00:34 Min. Verfügbar bis 04.09.2027

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Ein Nehmen und Geben

Im Laden läuft immer noch Musik, diesmal etwas Moderneres: Pop aus den Nullerjahren. Der warme, bekannte Vinyl-Sound bleibt jedoch erhalten. Während Julian von Heyl und sein Mitarbeiter Johnny Klauß Regale an die Wand anbringen, kommt eine ältere Dame in Richtung des Lokals. "Eine alte Bekannte", sagt von Heyl. Sie muss nicht einmal die Tür öffnen. Julian von Heyl begrüßt sie und nimmt ihr etwas ab. Es ist ein Jutebeutel mit ungefähr zehn Platten, ältere deutsche Platten.

Von Heyl erzählt, dass sie immer wieder vorbeikommt und dem Ladenbesitzer verschollene Platten aus ihrer Sammlung schenkt. "Oft sind Sachen dabei, die nichts mehr wert sind, aber es waren auch schon Schätze dabei."

Johnny Klauß: Im Austausch mit den Kunden lernt man immer etwas Neues.

00:18 Min. Verfügbar bis 04.09.2027

Für den Plattenladen hat von Heyl noch viele Pläne. In naher Zukunft sollen Musikveranstaltungen stattfinden, in denen zum Beispiel ausgewählte Platten zu festgelegten Themen gespielt werden. Auch für lokale Bands möchte er die Türen zu seinem Laden öffnen und Release-Partys veranstalten.